DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER 101 Die ZuKunft <3.er DucflicirucKerKunsl Nov. 1923 Von Wilhelm Gamble, LonDon, Herausgeber von Penrose's Annual D:lie Vortrage, &ie ich im Laufe Ber letzten Monate vor Angehorigen Ber graphisdien Derufe hielt, unB in Benen ich einen Riickblick auf Bie Fort- schritte gab, Bie Offset, Lithographie unB Rotations- TiefBruck inzwischen gemacht haben, erregten weit- gehenBes Interesse. Ich finBe aber, BaB meine Prophe- zeiungen beziiglich Ber Tragweite Bieser neuen Ent- wicklung, soweit es Ben typographischen Druck an- geht, in ubertriebener Form weitergegeben sinB. Mein Urieil iiber Ben OffsetBruck geht Bahin, BaB es sich hierbei urn ein niitzliches Verfahren fur ge- wisse Arbeiten hanBelt unB BaB Bern Lithographen Bamit ein vorziigliches Hilfsmittel an Bie HanB ge- geben ist. Aber Ber OffsetBruck vermag keineswegs alles zu leisten, auch nicht in Ber Lithographie. Oanz bestimmt kann er im Augenblick Ben BuchBruck noch nicht ersetzen, wenn es sich Barum hanBelt, von ab- gesetzter Schrift UmBrucke fiir Bie lithographische Druckplatte zu gewinnen. Auch wenn es sich urn Autotypien hanBelt, ist es mittels Offsetverfahrens nicht moglich, Bas gleiche gute, scharfe unB saubere Resultat zu erzielen, wie vom Hoch&ruckklischee auf Ber BuchBruckpresse. Farbige Offsetarbeit, zerlegt Burch Raster, ist eine kostspielige ProzeBur, unB Bie Schwierigkeit Ber notwenBigen Retusche ist Berart, BaB selbst Bern gelungensten Offsetfarben&ruck nodi immer Bie Effekte Bes Buch&rucks fehlen wer&en. Es muB aber anerkannt werBen. BaB Ber Offset Bruck bei fortschreitenBer Entwicklung sein eigenes Arbeitsgebiet besitzt. Es ist aber sicher noch ein weiter Weg, bis er Bie gleiche Qualitatsleistung wie Ber beste Buch&ruck erzielt. Fiir Neuauflagen ist Ber OffsetBruck gegenuber Bern BuchBruck im Vorteil. Der Neusatz wirB erspart, Benn mit Hilfe Ber Photographie macht man entweBer Negative auf Glas oBer lichtempfin&liches Papier, oBer man nimmt ein Birektes Ubertragungsverfahren, viel- leicht Ben Manul&rudc oBer Bessen neuesten Kon- kurrenten, Bas Wincorverfahren. Die Kosten fiir Bie Herstellung Ber Negative oBer fiir Bas einfadiere jetzt in EnglanB gebrauchliche Verfahren, Bas auf Ben anasthatischen Druck zurtickgeht, sinB beBeutenB ge- ringer als Bie Ausgaben fiir Neusatz. Wenn Bie IBee Ber photographischen Sdireib- oBer Setzmaschine verwirklicht werBen sollte, so BaB Ber Satz von Typen iiberhaupt in Wegfall kommt, Bann wiir&e Bern OffsetBruck gegenuber Bern BuchBruck ein machtiger BunBesgenosse erstehen. Auch wiir&en Biese ErfinBungen einen wesentlichen Faktor in Ber tech- nischen unB wirtschaftlichen Entwicklung Bes TiefBrucks beBeuten. Ich furchte, BaB noch eine lange, lange Zeit vergehen wirB, bevor solche Maschinen Bas Satz- bilB quantitativ unB qualitativ so proBuzieren konnen, um es mit Bern heutigen Setzmaschinen- oBer Bern HanBsatz aufzunehmen. Anzunehmen, BaB schlieBlich jeBes Buch, jeBe Zeitung, jeBe Zeitschrift in Offset- oBer TiefBruck hergestellt wirB, beBingt schon eine etwas lebhafte Phantasie. Es mag fur Bie Erbauer Berartiger Maschinen unB Apparate niitzlich sein, eine solche Umwalzung anzusagen, aber Ber BuchBrucker braucht sich Beshalb noch keine Sorge zu machen. Moglich ist es vielleicht, aber ich glaube kaum, BaB ein soldier Umschwung noch zu meinen Lebzeiten eintritt. Die Druckgeschwin&igkeit Ber Offsetpressen erreicht zurzeit noch nicht Bas, was beim Zeitungs- Bruck geleistet wer&en muB, nur um einen Punkt an- zufiihren. Dann besteht Ungewifiheit iiber Bas Durch- halten Ber Offsetplatten, unB Ben Platten kann beim Druck auch Bies unB jenes zustoBen. Noch hat es niemanB unternommen, eine tagliche Zeitung mit allem Drum unB Dran vollstan&ig in Offset oBer Tief&ruck herzustellen. Meine Vorhersage, BaB innerhalb fiinf Jahren photo- graphische Setzmaschinen in praktische Benutzung ge- nommen sein wiir&en, ist so aufgefaBt wor&en, BaB nun in Bieser Frist alle bisherigen Satzmetho&en iiber- fliissig gewor&en waren. Meine Ausfiihrungen sollten etwas sorgfaltiger gelesen werBen. Ich Beutete nur an, BaB Biese Zeit von fiinf jahren erfor&erlich sei, um etwas Brauchbares zu sdiaffen. Dann erst werBen Bie eigentlichen umwalzenBen VeranBerungen beginnen, unB es werBen noch viele jahre Bariiber hingehen, bis Ber letzte Schriftsatz oBer Bie letzte Setzmaschinen- matrizeinBemSchattenBerVergangenheitverschwunBen sein wirB. Wir haben gesehen, BaB selbst bisher Bie Linotype unB anBere Setzmaschinen noch nicht imstan&e waren, Ben HanBsatz vollstan&ig beiseite zu schieben, un& sie werBen es vielleicht auch niemals tun, solange von Typen ge&ruckt wirB. Erst wenn Bie Zukunft uns Druckereien ohne Lettern bringt, ist Bie Moglichkeit gegeben, BaB Ber HanBsetzer verschwin&et. Erstaunt bin ich je&och iiber Bie Fortschritte, Bie von Ben ErfinBern Ber Apparate fiir Ben photographischen Satz gemacht sinB, seit&em ich zum erstenmal Bie Auf- merksamkeit auf Biese Angelegenheit gelenkt habe*. Es sieht sicherlich so aus, als wenn meine Prophe- zeiung von fiinf jahren bis zur Durchkonstruktion soldier Masdiinen sich mit Leichtigkeit realisieren wirB. Nacfi meiner Kenntnis bestehen sieben oder acht ver- schiedene Apparate, die bereits das Stadium der ersten Modellmaschine erreidit haben. Ich habe verschieBene Bavon gesehen un& bin ganz un& gar eingenommen fiir Bie wunBervolle Ingeniositat unB Ben Erfin&ungs- geist, Ber sich hier zeigt. Es liegt in meiner Absicht, einige Bieser Maschinen im kommen&en BanB von ..Penrose's Annual" zu beschreiben unB auch im Bil&e vorzufiihren. Die Offset&rucker sollten sich in ihrer Position, Bie sie jetzt einnehmen, nicht so sicher fiihlen, Benn es ist moglich, BaB in nachster Zeit auch wie&er einige wichtige VeranBerungen beim typographischen Druck vor sich gehen, Bie Bern OffsetBruck Bie gewonnenen Vorteile wieBer nehmen. Man arbeitet in EnglanB un& Amerika an min&estens Brei Verfahren, um Biinne Metallplatten, Bie in ganz ahnlicher Weise wie Bie Offsetzinkplatte prapariert wer&en, vom gewohnlidien Schnellpressentyp a la Miehle zu Brucken, unB zwar ohne BaB an Ber Bauart Ber Maschine wichtige Ver anBerungen vorgenommen zu werBen brauchen. Die Druckplatte braucht nicht gefeuchtet zu wer&en, unB sie ist auch nicht hochgeatzt. Wenn Biese Verfahren sich Burchsetzen, Bann ist jeBer BuchBrucker in Ber Lage, mit Bern Offsetverfahren zu konkurrieren, unB zwar ohne seine Maschinen wesentlich zu an&ern. Was wer&en Bie OffsetBrudcereien, Bie ungeheure Summen fiir ihren Offsetmaschinenpark aufgewenBet haben, Bann sagen? Weiter kann ich mitteilen, BaB wir hier in EnglanB Bas Problem Bes kostspieligen un& unhanBlichen Kupfermantels, Ber beim Rotationstief&ruck gebraucht wirB, gelost haben, in&em wir ein Biinnes Kupferblech Siehe Weihnachtsheft 1922 unO Marzheft 1923 5es D. S.- u. St.

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 37