Nov. 1923 DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER 103 Die Einfuiirung des RaKeliiefdrucKs in AmeriKa Hjierzu macht Oskar Roesen von Ber R. Hoe Co. in Ber englischen Fachliteratur bemerkenswerte Angaben. Schon &ie ersten Veroffentlichungen von Dr. Mertens 1910—igii erweckten Bas lebhafle Interesse auch in Amerika, von wo aus auch bal&igst Fachleute nach DeutschlanB gesan&t wurBen, um Bies Verfahren kennenzulernen. Die grun&legenBen Prinzipien, wie wir sie vom Kattunbruck kennen, wur&en auch in Amerika bereits friiher angewanBt, wo man ja eine hochentwickeite Technik Bes Stahl&rucks stets gepflegt hat. Hier wurBe Bie Zeichnung in Stahl o&er Kupfer graviert unB hierauf Bieses Muster fur Vervielfaltigungs- zwecke gehartet unB Bann unter Druck auf eine weichere Stahlwalze iibertragen. Diese Walze wurBe Bann wieBer gehartet unB Bie Zeichnungen in beliebiger Anzahl auf eine weichere Platte gepreBt, unb Biese gab nach Hartung Ben eigentlichen Druckstock ab. Es ist Bies Bie Moulette-Technik, Bie audi friiher zum Kattun bruck angewanBt wur&e unB im graphischen Gewerbe zur Herstellung von PapiergelB, Aktien unB Bergleichen ausgefiihrt wir&. Der eingefiihrte Arbeitsgang Bes Dr. Mertens unb Bessen Verbesserungen Burch Bas Pigmentverfahren eroffnete Ber Verbreitung Bes photographischen Halb- tonbilbes in Ber Drucktechnik neue Wege, Ba Bies nun in einfacher Weise von polierten Kupferwalzen ge- schehen konnte, wo&urch es moglich wurBe, nunmehr auch Zeitungen unB Zeitschriften billig in TiefBruck herzustellen. Des weiteren wirb angefiihrt, BaB bereits seit Bern jahre 1900 in Ber Firma Homer Lee Bank Note Co. in Neuyork eine altere franzosische Kupfer&ruckschnell- presse fiir Ben Druck Ber vielen Millionen Fahrscheine fur Bie Neuyorker Hochbahn in Betrieb ist. Die Presse Bruckt von Ber Papierrolle, hat zwei verstahlte ZylinBer, Bie Burdi ein langes, enbloses Wischtuch sauber gehalten werben. Als GegenzylinBer wirkt ein Satz von Walzen. WirB Bas Wischtuch mit Ber Zeit zu schmutzig, kann es Burch ein gewaschenes er- setzt werBen. (Der Beschreibung nach wirb es eine von Ben franzosischen Maschinen sein, wie sie auch Volkmer vor vielen jahren in seinem Buch „Photo- Graviire" gezeigt hat.) Der Zufall wollte es, BaB im Jahre 1912 Bie erste moberne TiefBruckmaschine amerikanischer Bauart von Hoe nur wenige Meter vom StanB Bes oben- genannten Veteranen entfernt in Bern benachbarten GebauBe Ber New York Sun aufgestellt wur&e. Es war Bies eine TiefBruckmaschine nur zum Bil&erein- Bruck, gekuppelt an eine gewohnliche Rotations- maschine, unB Biente zum Druck Ber Sonntagsausgaben Ber New York Sun. Die erste Beutsche TiefBruckmaschine (wohl eine Kempepresse) wur&e aufgestellt von Ber bekannten National Cash Register Company in Dayton. Die nachste Maschine wurBe eingefiihrt fiir The Cleveland Leader, Bann folgten Bie New York Times mit zwei Maschinen groBeren Formats. Dies war 1913. Bis 1915 waren nur wenige Maschinen zu vier unB acht Seiten •entwe&er Beutschen o&er amerikanisdien Ursprungs in Ben Vereinigten Staaten im Betrieb. Es stellte sich heraus, BaB Biese bisherigen Maschinen sich fiir Bie amerikanisdien Zeitungen mit ihren groBen Formaten als wenig rationell erwiesen. Die New York Times gaben Baraufhin Brei sechzehnseitige Maschinen groBten Formats Ber R. Hoe Co. in Auftrag. Um Bieselbe Zeit bestellte Bie New York American vier solche ahnliche Maschinen. Die New York Times ver- groBerten nunmehr ihren Maschinenpark auf fiinf Maschinen. Zwei weitere kamen in Ben Hearst- Unternehmungen zur Aufstellung. AuBerBem befin&en sich zwei in Ben Philadelphia Ledger unB eine in Ber St. Louis Post Depatch. Ferner wur&e je eine in Auf trag gegeben von Ber Chicago Tribune, eine fiir Bie Lon&oner Times unB schlieBlich noch je eine fiir ben Cleveland Plain Dealer unB fiir Ben Toronto Star. Verbesserte Systeme Bieser Maschinen wur&en noch geliefert nach Los Angeles, ClevelanB unB SyBney in Australien. Der Fortschritt Bes Tief&rucks in Ber englisch sprechen&en Welt ist erstaunlich; wenn man bebenkt, BaB seine Einfiihrung in Amerika erst 1912 Burch Bie Aufstellung Ber ersten TiefSruckrotationsmaschine in Ber Sun erfolgte. Es muB Babei in Betracht gezogen werBen, BaB auch hier, Burch Bie Teilnahme Amerikas am Kriege, Bie Technik Bes TiefBrucks Brei jahre in Verzug kam. Es han&elt sich hauptsachlich um Maschinen, Bie in erster Linie fiir Bie weitverbreiteten, vielgelesenen unB iiberaus reich illustrierten Sonntags- publikationen in Betracht kommen. Die Ausbreitung Bes Tief&rucks macht auch noch stan&ig Fortschritte, wenngleidi Bie Erwartungen, Bie im Anfang gehegt wurBen, Ber TiefBruck wiir&e Bas ganze Zeitungs- wesen revolutionieren, nicht im vollen Umfange zu- getroffen sin&. Die Tatsache bleibt aber immer, BaB in Bern Reiditum Bes Tones un& fiir Bie Repro&uktion gewisser BilBer, besonbers auch fiir Gruppen, LanB- schaften un& Szeneriebil&er, Bas TiefBruckverfahren nicht zu iibertreffen ist, wahrenB fur einzelne Por- trate mit bestimmtem Charakter Halbtonbil&er in Autotypie mit ihrem in Bern AtzprozeB mehr mdg- lichen Ausarbeiten Ber Halbschattenpartien in gewissen Fallen Ben Vorteil haben. Es wirb ferner angefiihrt, BaB Bas I&eal einer fort- schreiten&en Drucktechnik Bie Kombination zwischen Buch&ruck unB TiefBruck ware, um Bie Monotonie Bes einen o&er Bes an&ern Verfahrens zu brechen. Der- artige Maschinen sollen audi von Ber R. Hoe Co. fiir Bie bekannte Curtis Publishing Co. konstruiert worben sein. Druck-Erzeugnisse Bavon sinB aber unseres Wissens noch nicht in Ber Offentlidikeit er- schienen. Die amerikanische Auffassung scheint immer noch zu Ber Ansicht zu neigen, BaB fiir Zeitungs- unB BeilagenBruck mehr eine Zusammenfassung von Tief Bruck unB Buch&ruck, wie Bieselbe zuerst 1912 von Ber New York Sun unB auch bereits friiher in Deutsch lanb von Dr. Mertens angewanBt wurBe, Bas Gegebene fiir Biese Art von Massen&rucksachen sei. Auch auf Bern Gebiet fiir Kataloge unb bessere Merkantil- arbeiten fin&en Tief&ruckmaschinen mit Bogenanlage zusehen&s Aufnahme in Ben Vereinigten Staaten. In Ber letzten Zeit ist viel geschrieben unB ge- sdiehen fiir Bie Entwicklung Bes MehrfarbentiefBrucks. Auch hat Bieser Eingang gefunben zur Illustrierung Ber Sonntagsbeilagen. Auf Bie zukiinftige Entwick lung Bes farbigen TiefBrucks an Bieser Stelle weiter einzugehen, ware verfriiht. Kerst. Selfsame Wirkung eines antialkoholischen Plakats. In Glasgow schlugen Bie Prohibitionisten ein Plakat an mit Ben Worten: „JeBer Winkel Ber Holle ist mit Whisky Burchtrankt!" Stu&enten schrieben Barunter: ,,To&, wo ist Sein Stachel?"

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