5rauchst Du Walzen, geh' zu Kysper! Nov. 1923 DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER 105 Tedinisclie Zusammenhange im RaReltiefdrucK Von Dr. E. Hausleiter, Miinchen Teil: Papier Atztiefe Druckfarbe. (Jnfer obigem Titel beabsichtigen wir eine Reihe von Auf- satzen zu veroffentlichen iiber technische Zusammenhange im Rakeltiefbruck, hinsichtlidi weldier bas tedinisdie Personal wegen ber in einem Befriebe notwenbigen Arbeitsteilung nur selten einen fclberblick bekommt, bie aber (rotzbem soil bas Zusammengreifen ber Raber ohne Storung staft- finben unb ber Tiefbruck Qualitatsarbeit ergeben von weittragenber Bebeulung sinb. So werben vielfach bem tech- nischen Personal Vorwiirfe gemadit, bie sich eigentlich bie Leitung selbsf madien sollle, weil sie in einer zu weit gehen- ben Abgrenzung ber Arbeitsteilung bem technisdien Personal bie Moglidikeif genommen hat, bie eigene Arbeit auf bie- jenige ber Mitarbeiter einzustellen. Mag audi bie Arbeit bes einzelnen, einzeln betraditet, einwanbfrei sein, so kann es trotzbem vorkommen, baB bas Enbresultat, bie Auflage, wenig erfreulich ausfallt. Leitung unb tedinisdies Personal stehen bann gleidisam vor einem Ratsel. Jeber hat bie innere Uberzeugung, baB er in seiner Arbeit bas Beste geleistet hat, unb trotzbem zeigt bas Enbresultat ein nur wenig befriebigen- bes Bilb unb gerabe immer bann, wenn man eine Glanz- leistung erwartet hat. Dies liegt nur in ber ungeniigenben Wiirbigung ber fech- nisdien Zusammenhange begriinbef. In keinem anbern Ver- fahren als gerabe im Rakeltiefbrudi kommt es so genau auf ein harmonisches Zusammenspiel ber einzelnen Sparten an. Wohl einer ber widitigsten, aber bisher nur von ganz wenigen Anstalten erkannten Zusammenhange ist ber zwisdien Papier, Atztiefe unb Druckfarbe. Ein Atzer, ber bevor er seine Atzung beginnt sidi nidit vergewissert hat, auf welches Papier bie Auflage zu brucken kommt, wirb immer Enttauschungen erleben. Die Unkenntnis bieses Zusammen- hanges fiihrt bann zu einem ewigen Laborieren, aus weldiem iiberhaupt kein Herausfinben mehr ist. „Gerabe bie letzte Atzung", sagt sich ber Atzer, „hat eine so sdione Auflage er geben, unb babei will idi jetzt bleiben." Er hat sich alles ge nau aufgesdirieben, bie neue Atzung banadi gemadit, unb wieberum ist bas Resultat ein anberes; zwar nidit birekt fehlerhaft, aber von ber letzten Atzung himmelweit entfernf. Der MiBerfolg fiihrt ihn erneut zum Laborieren, unb babei kommt ber Atzer immer weiter von seiner anfanglich guten Atzmethobe ab. Woran liegt es nun? Lebiglich baran, baB er bie groBen Zusammenhange iibersieht! Vielfach wirb ihm bies audi nicht moglich gemadit, vielfach wirb von ihm ver- langt bie Atzung herzustellen, ohne baB audi nur bas Papier bereits bestimmt ist, auf welches bie Auflage gebruckt werben soil. Genau so geht es spater bem Drucker. An unb fur sich ist ja bas Verhaltnis zwisdien Atzer unb Drucker ein etwas gespanntes, unb ber Drucker ist ber Meinung: „Wenn mir ber Atzer stets bie gleidien Atzungen liefert, werbe idi audi stets bas gleidi gute Druckresultat erzielen." Es sdieint, baB sidi gegen biese Uberlegung nichts einwenben laBf, unb es wiirbe sich bagegen audi nichts einwenben lassen, wenn nidit ein iiberaus widitiger Faktor babei beriicksiditigt werben miiBte, unb bies ist bas Papier. Bei Anstalten, bie jahraus, jahrein auf basselbe Papier brucken, mag ber Atzer ruhig jahraus, jahrein bieselbe Atzung liefern, unb ber Drucker mag stets gleidiartig brucken. Wo aber Qualifatsarbeit geleistet werben'soll, wirb audi*bas]Papier"wediseln,cgerabe um biese Qualifat hervorzubringen, unb bann mussen audi Atzer unb Drucker ihre Arbeitsmethobe nadi bem Papier einstellen, benn ber Zusammenhang zwisdien Papier, Atztiefe unb Druckfarbe ist unleugbar unb seine Erkenntnis bas Haupt- mittel, einwanbfreie Qualitat zu bringen. Welches ist nun bieser Zuhammenhang? Wir gehen hierbei vom Papier als bem unveranberlidien Faktor aus. ]ebem Auftrag an bie photographisdie unb Atzabteilung muB seitens ber Leitung ein Probeblatt bes Auflagepapiers beigeheftet werben. Danach hat sidi ber Photograph unb nodi weit mehr ber Atzer zu riditen. Der Atzer, ber vor Beginn seiner Atzung bas Auflagepapier noch nidit in Hanben hat, ber Chef, ber bas Auflagepapier vielleicht nodi nidit besorgt hat, trotzbem aber bereits bie Atzung her- stellen lassen will, bie werben stets beim Auflagebruck unliebsame Oberrasdiungen erleben. Es ist hier nidit ber Platz, bie vielen Papiersorten einzeln burdizugehen, sie sollen in vorliegenber Untersudiung nur in zwei groBe Klassen eingeteilt werben, namlidi in stark saugfahiges unb weniger saugfahiges Papier. Fur stark saugfahiges Papier verlangen wir groBe Atztiefe bei biinner Druckfarbe; fur weniger saugfahiges Papier geringe Atztiefe bei korper- reidier, bicker Druckfarbe. Es ist ohne weiteres klar, baB eine groBe Atztiefe nur bann ohne ,,Quetsdien unb Perlen" ber Farbe gebruckt werben kann, wenn bas Papier stark saugfahig ist. Wo soli benn bie Farbe hin? Wenn sie nicht nach ber Breite gehen barf, ba sonst „Perlen unb Quetschen" eintritt, so muB sie bodi nach ber Tiefe gehen, unb in bie Tiefe, bas heiBt in bas Papier, kann sie boch nur bann einbringen, wenn bas Papier ihm keinen Wiberstanb leistet, bas heiBt stark saugfahig ist. Eine geringe Atztiefe auf stark saugfahiges Papier zu brucken, fiihrt zu ber Er- sdieinung, als ob nicht „ausgebruckt" ware, als ob ber Drudc zwisdien Druckzvlinber unb Kupferwalze ungenugenb sei. Hier wirb ber Drucker audi zunadist ben Fehler suchen, aber nidit finben. Es ist bodi ohne weiteres klar, baB eine zu geringe Atztiefe bei stark saugfahigem Papier bie ganze Farbe in bas Papier einsickern laBt, bieselbe ver- kriedit sidi gewissermaBen, sie kann keine Kraft geben, weil eben nidit genug Farbe auf ber Oberflache bleibt, bie ganze Farbe ist hinter ber Oberflache im Papier verschwunben, baburdi gleidisam verbiinnt; ba wir aber nur bie erstere befraditen, so sehen wir ein graues, ungeniigenbes Bilb. Der Drucker mag bie Farbe nodi so bick nehmen! ]e bicker er sie nimmt, je mehr sieht bas Bilb aus, als ob es nicht aus- gebruckt ware. Umgekehrt liegt ber Fall bei wenig saug fahigem Papier. Hier muB bie Atztiefe gering gehalfen werben, bie Druckfarbe jebodi bick unb korperreidi sein. Natiirlidi laBt sidi babei nicht vermeiben, baB baburch ber Rastersteg im Bilbe beutlicher wirb, falls fur bie Atzung berselbe Raster angewanbt wirb, wie man ihn fur groBe Atztiefe mil Erfolg anwenbet. (Es ist also fur Qualitats- tiefbruck audi notwenbig, eine genaue Auswahl ber an- zuwenbenben Raster zu treffen; bieses Thema wirb in einem weiteren Artikel eingehenb behanbelt werben.) Es liegen natiirlidi zwisdien biesen beiben, lebiglich als Beispiel angezogenen, Papiersorten eine Menge anberer in versdiiebener Abstufung. Es ist nun aber nidit notwenbig, in iibergroBer Angstlichkeit banach zu trachten, eine ebenso groBe Variation in ber Atztiefe zu sdiaffen. Vielmehr geniigt es in ber Praxis, wenn man fur samtlidie Papiersorten nur brei Atztiefen beriicksichtigt, also eine tiefe, mittlere unb seidite Atzung. Wenngleich hinsichtlidi ber starken Saugfahigkeit bes Papiers bem Tiefbruck eine obere Grenze nicht gezogen ist, so ist immerhin zu beriicksiditigen, baB hinsichtlidi ber ge- ringen Saugfahigkeit bie Grenze fur ben Tiefbruck sehr balb kommt, unb man barf auf Grunb unserer Ausfiihrungen nicht annehmen, baB man infolge ber neugesdiaffenen Erkenntnis nunmehr audi gering saugfahiges, bisher unverwenbbares, Papier im Rakeltiefbrudc verwenben konne. In ber Folge werben wir iiber Zusammenhange zwisdien Atztiefe unb Druckfarbe, Raster, Grabation ber Diapositive unb iiber ben Atzvorgang selbst berichten. 14

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