DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER Eiiaras liber das TrocKnen xron Pigmentpapieren 106 XXX Von Dr. Erich LoeningBerlin D:jie Vorarbeiten beim Kupfertiefbruck gipfeln in I ber Herstellung einer einwanbfrei schon ge- iatzten Druckform, bie alle Tonabstufungen bes Originals in harmonisdien LJbergangen von ben hochsten Lichtern bis zu ben liefsten Schatten auf- weist. Zwar kann ein tuchtiger Drucker auch noch befriebigenbe Ergebnisse aus Atzungen herausholen, bei benen in ber einen ober anbern Richtung zuviel ober zuwenig bes Outen getan ist, aber es gilt bas gleiche wie fur bie Photographie: Nur tabellos richtige Belichtung ffihrt zu jenen hervorragenben Bilbern, bei beren Anblick man sofort bas Geffihl einer einwanb- frei guten Tonabstufung hat. Alle Entwicklungskiinste konnen aus einer falsch belichteten Platte nidit mehr jenes letzte fur bie Qualitat Entscheibenbe heraus holen, bas unmittelbar zum Beschauer spricht. Ebenso kann auch ber tiichtigste Atzer nur bann vollkommene Ergebnisse erzielen, wenn burch bie Vorarbeiten schon bafiir gesorgt wirb, ball seine Atzung einen glatten Verlauf nimmt, ohne baB er gezwungen ist, mit allerhanb Mitteln unb Mittelchen nachzuhelien. Unter bie Faktoren, bie in erster Linie beachtenswert sinb, gehort bie Qualitat unb bie Vorbehanblung bes Pigmentpapiers. Man hort auch heute noch manchmal bie recht unbegrunbete Behauptung: solange ber Tief- brucker von bem unzuverlassigen Pigmentpapier ab- hangig sei, konne er fur einwanbfreie Ergebnisse nicht garantieren, ja seine Erzeugnisse wfirben oft mehr ober weniger Zufallsprobukte. Behauptungen, bie aus ber Frfihzeit bes Tiefbrucks stammen, in ber man nur allzu geneigt war, bem Pigmentpapier unb seiner „Unzuverlassigkeit" bie Schulb fiir bie Fehl- resultate zu geben, bie aus noch ungeniigenber Kenntnis aller Faktoren stammen, bie auf bem langen Weg vom Original zum fertigen Tiefbruckbilb eine Rolle spielen. Pigmentpapier wirb nun heute von mehreren Firmen in gleichmafiiger Giite unb ben Anforberungen bes Tiefbrucks aufs beste angepaBt auf ben Markt gebracht. Insbesonbere barf gesagt werben, bat? beutsche Fabri- kate ben friiher so bevorzugten englischen burchaus gleichwertig sinb, unb baB gegenteilige Behauptungen auf einem burch nichts begriinbeten Vorurteil beruhen. Ein gutes Pigmentpapier verlangt aber auch, wenn es sein Bestes hergeben soli, eine sachgemaBe Behanb- lung unb eine genaue Kenntnis seiner Eigenschaften. So wie es von ben Fabriken geliefert wirb, ist es bekanntlich ganzlich lichtunempfinblich unb kann baher gut verpackt unb bei normalerTemperatur unb Feuchtig- keit ber Luft jahrelang auf bewahrt werben, ohne Schaben zu nehmen. Das Papier wirb erst lichtempfinblich, wenn man es in zwei- bis vierprozentigen Losungen von Kalium- ober Ammonium-Bichromat, bie mit etwas Ammoniak versetzt sinb, babet unb trocknet. Zu biesem Zweck legt man bas Papier in bie Chrom- losung ein, achtet barauf, baB es vollig von ber Flussigkeit bebeckt ist, entfernt alle etwa anhaftenben Luftblasen sorgfaltig mit einem Pinsel unb belaBt es im Chrombab, bis es sich gerabe vollig gestreckt hat. Darauf quetscht man es auf tabellos gereinigte, ge- trocknete unb mit Talkum leicht iiberriebene Spiegel- glasscheiben mit ber Schichtseite auf. Dieses Auf- quetschen hat ben Zweck, bei nachfolgenbem Trocknen jeben Staub unb Unreinigkeiten von ber Schichtseite fernzuhalten unb bem Papier eine spiegelblanke Ober- flache zu verleihen, bie sich beim Kopieren schon eben an bas Diapositiv anpressen 15Bt. Das Trocknen selbst geschah bisher meist in eigens bazu konstruierten Trockenschranken mit Hilfe eines kraftigen gekiihlten Luftstroms. Im folgenben soli nun ein neues Trocken- verfahren geschilbert werben, bas vor ben bisherigen erhebliche Vorzfige besitzt. Zuvor aber seien einige Bemerkungen fiber bie Eigenschaften bes trocknen lichtempfinblidien Papiers gemacht, aus benen ersiditlich wirb, warum bas neue Verfahren Besonberes leistet. Das gerabe aus ben Chrombabern entnommene Papier ist noch vollig unempfinblich gegen Licht. Es wirb erst lichtempfinblich mit bem Fortschritt bes Trocknens, unb zwar steigt bie Lichtempfinblichkeit immer mehr bis zu einer gewissen Grenze an unb hat eine praktisch brauchbare Hohe, wenn ber Bogen genfigenb trocken ist, um mit Leichtigkeit vom Spiegel- glas abgezogen werben zu konnen. In biesem Zustanb, frisch vom Glas abgezogen, arbeitet bas Papier am besten. Unbelichtete Stellen losen sich mit Leichtigkeit in warmem Wasser, unb man erhalt beim LJbertragen spielenb leicht ein schones, sauber ausgewaschenes Relief nach kurzer Entwicklungszeit unb ohne bie Temperatur fiber bas normale MaB von etwa 40° steigern zu mfissen. Nun wirkt aber auf getrocknetes chromiertes Pigmentpapier nicht nur bas Licht gerbenb ein, sonbern sich selbst fiberlassen, tritt biese Gerbung auch lang- sam ohne Belichtung ein. In ber Praxis sagt man, bas Papier wirb beim Liegen lichtempfinblicher. In ber Tat muB man, um auf 24 Stunben altem Papier bie gleichen Resultate zu erhalten wie auf frisch ge- trocknetem, entweber bie Belichtungszeit herabsetzen ober aber mit etwas heiBerem Wasser entwickeln. Nach zweiTagen ist bas Papier nodi mehr „nachgereift", unb man ist gezwungen, bie Entwicklungstemperatur noch mehr zu steigern, so baB man leicht in bie ge- fahrliche Zone kommt, wo Blasenbilbung burch zu heiBes Entwicklungswasser auftritt. Wie stark ein Papier nachreift, ist nun schwer zu sagen: AuBentemperatur, Luftfeuchtigkeit unb Luft- zusammensetzung spielen eine groBe Rolle, unb man erlebt oft, insbesonbere im Sommer, bei Gewitterluft ober in ben Tropen unangenehme LJberraschungen. Jebenfalls ist bie Beurteilung, wie stark ein Papier nachgereift ist, sehr Geffihlssache, also einer jener unsicheren Faktoren, bie ausgeschieben werben mfissen, wenn man mit Sicherheit tabellose Ergebnisse will. Nun kann man sich ja von biesem Unsicherheits- faktor freimachen, aber abgesehen bavon, baB es nicht immer moglich sein wirb, frisches Papier zu verarbeiten, strauben sich manche Praktiker gerabe hiergegen: unb mit gutem Grunb. Da bie Trockenschranke mit von auBen angesaugter Luft arbeiten, geht bie Trock- nung je nach bem Zustanb ber AuBenluft mehr ober weniger rasch vor sich. Daher ist bie Empfinblichkeit, oft aber auch ber Charakter ber Tonabstufung frisch getrockneter Papiere, je nach Dauer ber Trocknung unb im Papier verbliebener Feuchtigkeitsmenge ver- schieben. Manchmal gleicht ein Liegenlassen bes Papiers Verschiebenheiten aus, ein anbermal kommt es aber auch anbers, inbem z. B. ein Papier von sowieso schon hoher Empfinblichkeit unverhaltnis- maBig stark nachreift. Kurz, ber erfahrene Praktiker wirb in ber Lage I sein, einigermaBen geffihlsmaBig bie Beschaffenheit I seines Papiers zu beurteilen, seine Arbeit ware aber

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 44