1 f yr)iv atmert xtnefrer Srtefrert, 216 DEUTSCHER BUCH- UNO STE1NDRUCKER Briefe, die uns erreichten An der Jalireswende, moge fommen6e 3«l)r unferem XDtrt* fd)aft8^ utt£> "Oolfeleben eittett t»t'r!lt(^en tnneren unb augerett Srteben bnttgctt. ©as tft 6ec ITcuialjrswunfd), 6ett t»tr urtferen iefern unb (gefcfyafts# freunben ubermtttcln. t>erlag unb ©djriftlettuttg bes 23.* XXX Seit 1898, also 25 Jahre, halte ich den D. B.- u. St. Viel Wissen hat er mir gebracht, fviel Kdnnen gezeigt. Selbst in den friibsten Zeifen ist er mir ein lieber Vertrautergewesen Richard Hoffmann, Aschersleben 3*-«3 [icht mufi wieder werden nadi diesen dunkelen Tagen. Des guten alien Claudius Worte mogen als Leit- spruch der Weihnachtsnummer des Deutschen Buch- und Steindruckers vorangestellt werden. Erscheint sie doch in einer Zeit, da das Hoffen und Wiinschen vernehmlicher denn je sich bemerkbar macht: an der Jahreswende, dem Ubergang von einem Zeitabschnit! zum andern, wo es Abschied zu nehmen gilt von einem Jahr, in dem die Not unseres Volkes bis zur Uner- traglichkeit gestiegen ist, und das auch dem deutschen Buch- und Steindruckgewerbe Krisen iiber Krisen bescherte. Grund genug, rilckschauend sich noch einmal all das Vergangene und Schwere zu vergegenwartigen und dariiber hinaus den Blick in die Zukunft zu werfen, die ihren Schleier noch dunkel zwar iiber unser alier Geschicke breitet, die aber, so mochten wir mit einem Trotzalledem hoffen, uns wieder vorwarts bringen muB. Ja, Licht muB wieder werden nach diesen dunkelen Tagen Wenn wir besinnlich an der Jahreswende stehen und die Chronik unseres Gewerbes im ver- gangenen Jahr im Deutschen Buch- und Steindrucker betrachten, so war nur leider Gottes von viel Uner- quicklichem im Gewerbe, von Noten und Bedriickungen des einzelnen und der ganzen Buchdruckergemeinde zu berichten. Wir wissen es alle, daB der politische und wirtschaftliche Zusammenbruch unseres einst so stattlichen Deutschlands die graphische Industrie am schwersten getroffen hat. Ein Gewerbe, das nur dann gedeihen kann, wenn es mit den kulturellen und wirt- schaftlichen LebensauBerungen der Gesamtheit zum Besten bestellt ist, kam zum Erliegen, weil die Be- friedigung der Magenfrage der Erfiillung kultureller, schongeistiger Bediirfnisse, wie sie sich das Buchdruck- gewerbe zur Aufgabe gestellt hat, voranzugehen hatte, und es zeigte sich, daB noch in den ersten Monaten des abgelaufenen Jahres, namentlich in den groBen Druckstadten, der Geschaftsgang ein lebhafter, die wirtschaftliche Ertragsfahigkeit des Gewerbes eine halbwegs zufriedenstellende genannt werden konnte. In der Provinz gab es um diese Zeit freilich schon ein Dahinvegetieren, das Zeitungssterben machte sich dort immer unheimlicher bemerkbar und weitere Betriebs- stillegungen, verstarkte Abwanderung vom Beruf waren die Folge. Von der Mitte des Jahres an etwa machten sich Krisenzeichen auf dem Biichermarkt auch fiir die groBen Werkdruckereien verhangnisvoll bemerkbar. Der katastrophale Zusammenbruch der deutschen Wahrung, die steigende Verarmung des Volkes liefi die Schar der Biicherkaufer auf einen kiimmerlichen Rest zusammenschmelzen. Das deutsche Volk ehe- mals mit seiner Iiterarischen Produktion und seinen Bijcherkaufern und Biicherliebhabern an der Spitze alier Nationen stehend, kam als Konsument auf dem Biichermarkt nicht mehr in Frage. Die Verleger hielten mit ihren Auftragen zuriick, und wie es sich speziell in der Biicherstadt Leipzig zeigte, warder vollkommene Niedergang des graphischen Gewerbes zur Tatsache geworden. Gegeniiber der groBen Arbeits- und Be- schaftigungslosigkeit konnte der lebhaft florierende Wertpapierdruck nur wenig zu nennenswerter Hebung des Gewerbes beitragen. Wenn uns trolz dieser in der Geschichte des Buch- drucks wohi einzig dastehenden Krisen und Kata- strophen aus den Heften des Deutschen Buch- und Steindruckers der unbezwingliche Idealismus der Be- rufsangehorigen immer wieder entgegenblickt, wenn wir riickbetrachtend lesen von ernsthafter Forschungs- arbeit, von technischen Neuerungen, von erhohter Leistungsfahigkeit alier Techniken und Sparten inner- halb der graphischen Industrie, und wenn auch der Deutsche Buch- und Steindrucker, obwohl die Note fiir ihn ganz gewiB nicht geringer geworden sind, sich immer noch in altbekannter, gediegener, stattlicher Aufmachung reprasentiert, es sei nur an die geradezu mustergiiltige Fachschulnummer und an das erst kiirz- Iich erschienene Tiefdruck-Sonderheft erinnert, so sind das doch nur immer wieder Erscheinungen, die uns in dem Glauben an die gute Sache des Buchgewerbes bestarken konnen. An Vorbedingungen zur Besserung der gewerb- lichen Lage fehlt es nicht. Die Ordnung, die sich in unsern Wahrungsverhaltnissen anzubahnen scheint, der Wille zur Mehrarbeit, der im ganzen Volke vor- handen ist, mufi dem Erwerbs- und Wirtschaftsleben zugute kommen. Sie wird auch der graphischen In dustrie die Grundlage geben, auf der ein Wieder- aufbau des Vernichteten und Daniederliegenden von- statlen gehen kann. Wiederaufbau des Gewerbes! Diese durch Vielgebrauch in Verruf gekommene Redens- art, sie wird sich in der Tat jetzt erst bewahren miissen. Wir werden alle im neuen Jahr mehr arbeiten mussen als bisher. Eine gesteigerte Kraftanstrengung auf technischem, wirtschaftlichem und kiinstlerischem Gebiete hat auch im Buchgewerbe einzusetzen. Und alien, die sich zu ehrlicher, freudiger Mitarbeit im Ge werbe berufen fiihlen, sei auch durch den Deutschen Buch- und Steindrucker ermunternder Zuspruch ge- geben und die Versicherung, daB er wie bisher, so auch im neuen Jahre Chronik, Heifer und Ratgeber sein will. Die Treue, die der D. B.- u. St. von seinen Lesern und Freunden im In- und Auslande erwartet, soli von ganzem Herzen erwidert werden, so wie es deutsche Mannesart ist. Solchem gemeinsamen Zu- sammenwirkenund beruflichen Zusammengehorigkeits- gefuhl aber leuchten im Jahre 1924 zukunftsfreudig die Worte voran: Licht muB wieder werden Nach diesen dunkelen Tagen Lia.

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 122