KLUCHEES-BUSSE& PFEFFERKORH-LEIRZIC 144 DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER XXX Unterkunft gesorgt haben; Abenleuer aller Art unter- brechen ben regularen Gang ber Besteigung, bei ber sich ber Forscher als unerschrockener Fels- unb Eis- ganger erweisen muB. Auf bem hochsten Punkt bes Kibo pflanzte Hans Meyer als erster Deutscher bie Reichsflagge auf. Fast nodi eigenartiger als bie Be steigung bes Kilimanbjaro war bie Bezwingung bes Vulkans Karissimbi, im auBersten Norbwesten von Deutsch-Ostafrika. Erst im letzten Drittel bes vorigen Jahrhunberts fiel ber erste Blick eines europaischen Forschers aus weiter Feme auf ihn. Sein Entbecker vernahm zu seinem Erstaunen, baB einer ber Berg- riesen eine Schneekappe trage. Vulkanische Feuer- unb zugleich Schneeberge unter bem Aquator Inner- afrikas: bas war eine Entbeckung, bie alle Welt in Erstaunen setzte. Die erste Besteigung bes Vulkans hatte nicht weniger als 20 Schwarzen bas Leben ge- kostet; bie Bergsteigerkarawane war auf bem Weg burch ein Moor in einen Schneesturm geraten, ber bie Leute mit lahmenbem Entsetzen packte, so baB bie Halfte wahrenb ber Nacht im Schneesturm erfror. Hans Meyer versteht es, in groBen Ziigen packenbe Gemalbe ber afrikanischen Lanbschaft mit ihrer eigen- artigen Pflanzenwelt zu entwerfen. Der reich mit ausgezeidmeten Abbilbungen nach Photographien unb mit vier Karten ausgestattete Banb ist ein ehrenber Beweis bessen, was beutsche Forscher in Afrika fiir bie Wissenschaft unb fur bie Menschheit geleistet haben. Der neue Brockhaus. Im Juni 1921 war an bas beutsche Volk bie Frage ergangen: Wie soil Brockhaus' Konversations-Lexikon fiirberhin zeitgemaB genannt werben? Die Ant wort lautete: Der alte Freunb soil einfach „Brockhaus" heiBen nach seinem Schopfer, genau so, wie es beim Zeppelin gesdiehen ist. Unb nun steht ein neuer .Brockhaus" vor uns. Schmuck sieht er aus, ber gelehrte Freunb. DerWeltmechanismus beginnt allmahlidi wieber zu arbeiten, bie engen Schranken, bie bem Weltverkehr gesetzt waren, fallen eine nach ber anbern. Der erste Banb umfaBt bie Buchstaben A bis E unb ist mit zahlreichen bunten unb einfarbigen Bilbertafeln unb Karten unb mit einer Fulle klarer Textabbilbungen ausgestattet. Die Frage: „Was bringt benn eigentlich ber neue Brockhaus Neues?" ist unmoglich in vollem Umfang zu beantworten, ber Raum erlaubt es nicht, mehr als einen ganz fliichtigen Bescheib bariiber zu geben. Von ber „Affenhaut" bis zum „Expressionismus" mit seinen prachtigen zwei Tafeln, vom „Driickeberger" unb „Dunkelmann" bis zu ben Beriihmtheiten ber Wissenschaften unb Kunst unb bes offentlichen Lebens. Alle Kiinste aller Lanber sinb vertreten. SpaBhaft ist es zu sehen, baB ber Zwang bes Alphabets an ben Anfang ber Lieberreihe bas Lieb aus Boilbieus „WeiBer Dame": „Ach welche Lust, Solbat zu sein gestellt hat. Unter ben Schriftstellem fehlt bie furditbare Courths-Mahler nicht. In welchem Umfang ben wirtschaftlichen unb politisdien Fragen Raum gegeben ist, beweist ber Umstanb, baB allein bie mit „Arbeit" zusammenhangenben Stich- worter nicht weniger als adit Seiten bes Buches ein- nehmen. Die Buchfuhrung ist in ihren verschiebenen Arten bargestellt. Wertvoll ist eine Tabelle ber Er- finbungen, bie mit bem vor 1800 v. Chr. erfunbenen Glas beginnt unb mit Steinachs Verjiingungsverfahren enbiqt. Mit ben Banken werben wir wie mit ben hervorragenbsten Firmen aller Inbustrie- unb Hanbels- gebiete vertraut gemacht, von ber Deutschen Bank bis herab zur „Dachauer Bank". Ein Lob verbienen bie Karten. Sie sinb ubersichtlich unb reichhaltig. Fiir uns Deutsche haben sie leiber wenig Erfreuliches, unb man wirb traurig gestimmt, wenn man bie Karten von Deutschlanb unb seinen ehemaligen Kolonien be- trachtet. Ein Hanbbuch fiir sich bilbet ber Abschnitt Deutschlanb mit all ben vielen bazugehorenben wirt schaftlichen, geschichtlichen, politischen usw. Artikeln unb Karten. Kurzum, wohin wir priifenb schauen, finben wir uns befriebigt. Knappe Antwort auf alle moglichen Fragen ist bas Ziel, bas ber neue Brockhaus erreicht hat. Biicherbesitz als Grabmesser personlicher Kultur. Unter bem Stichwort „Ein untriiglicher Grab- messer personlidier Kultur" macht in ber Tagespresse eine Notiz bie Runbe, mit ber audi wir Buchbrucker voll unb ganz einverstanben sein konnen. Die Aus- fiihrungen lauten wie folgt: Ist es ber Verbrauch an Seife?, ber Mietpreis ber Wohnung?, ber Besitz eines Autos?, ber gefiillte Weinkeller?, ber Aufwanb an Frembwortern in Rebe unb Schrift?, ber Jahresverbraudi an Duftwassern?, bas Gekleibetsein nach ber neuesten Mobe?, bie stilvoll moblierte Wohnung?, bie Zahl unb bas Ansehen ber allsommerlich besuchten Babeorte? Nichts von allebem! Denn biese Kennzeichen beuten nur auf Vermogen, GenuBverfeinerung, Mobegeckerei unb allerlei Bilbungs-Tanb, niemals aber konnen sie uns sagen, wes Geistes Kinb ein Mensch wirklich ist, wie weit es ihm gelungen ist, sein Inneres zum lebenbigen Kunstwerk emporzuabeln. Ein ganz un- trugliches Kennzeichen bafiir gibt es wohl iiberhaupt nicht. Aber eins gibt es boch, bas seiten trtigt, bas ist bie Zahl unb bie Art ber Biicher, bie sich einer alljahrlidi kauft. Wie schlecht es mit bem Biicher- kaufen in unserm Volke noch bestellt ist, bariiber sinb ber Klagen schon viele ergangen. Man scheut sidi in gewissen Kreisen nicht, viele Mark fiir ein Paar Hanb- schuhe unb ein Glas „Kolnisches Wasser" auszugeben unb bann mitbiesen wohlriedienben, gepflegtenHanben ein schmieriges Buch aus ber Leihbibliothek anzu- fassen. Pfui bich berSchanb! Es ist audi ganz falsdi zu sagen: Ich mochte mir ja ganz gem Biicher kaufen, aber ich habe kein Gelb bafiir, bie Familie kostet so viel! Man wirb immer finben, baB selbst ber Gering- besolbetste, ber Mann von kleinem Einkommen, ein paar Mark jahrlich fiir Biicher ausgeben kann, wenn er von vornherein mit bieser Ausgabe als mit etwas Notwenbigem rechnet. Aber bas tut man ebennidit: Biicherkaufen ist Luxus! Natiirlich aber alle Tage 1 bis 2 M. fiir Bier unb Zigarren ausgeben, bas ist kein Luxus, bas gehort zu ben notwenbigen Lebens- bebiirfnissen! Da haben wir's! Es muB bahin kommen, baB von jebem, ber iiberhaupt eine Kleinigkeit fiir ben LebensgenuB iibrig hat, ber also nicht zu ben unterstiitzungsbebiirftigen Armen gehort, ber Erwerb eines guten, neuen Buches zu ben notwenbigen Lebens- beburfnissen gerechnet wirb. Dann wirb audi im Hanbumbrehen bas Gelb bafiir ba sein. Zeige mir beine Hausbiicherei, unb ich will bir sagen, was bu wert bist! Wolltest bich, lieber Leser, banach einmal in beiner Wohnung umsehen; unb finbest bu ba noch eine klaffenbe Lucke, so geh hin unb bessere bich!

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 14