134 DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER XXX HucKblicK ai; das Jahr 1923 Von Ji Das abgelaufene Jahr ist wirtsdiaftlich wohl eines ber schlechtesten gewesen. Als gleich nadi Jahres- beginn bas Ruhrgebiet, bas Herz Deutschlanbs, von unsern Feinben besetzt wurbe, stockte bas wirtschaft- liche Leben. Inbustrie, Hanbel unb Wanbel gerieten von einer Krise in bie anbere. Die Preise fur alle Artikel, fur alle Arbeiten stiegen ins UnermeB- liche. Der Absatz fehlte; vielfach wurbe auf Vorrat gearbeitet. Dies kann ber Budibrucker respektive bas graphische Gewerbe nichtaus biesem Grunbe muBte auch unser Gewerbe am meisten von alien Inbustrie- zweigen leiben. Die Stagnation, welche auf alien Inbustriezweigen sidi bemerkbar machte, wirkte sich besonbers im graphischen Gewerbe aus. Das liegt in ber Natur bes ganzen Gewerbes; hangt es boch besonbers eng mit bem wirtsctiaftlichen unb politischen Leben zusammen. Unter ber Ungunst ber Verhaltnisse haben bie Zeitungen und Zeitschriften besonbers zu leiben. Diesen geht es zurzeit herzlich schlecht. Ausnahmen machen einige GroBstabtblatter, bie heute noch einen ansehnlichen Anzeigenteil aufzuweisen haben. Diese wenigen Zeitungen aber sinb nicht m^Bgebenb; bie Blatter ber Provinz sinb in ber Mehrzahl, unb bei biesen ist ber Anzeigenteil sehr zusammengeschmolzen. Die Inserate aber sinb bas Riickgrat ber Zeitungen unb Zeitschriften. Aus biesen Einnahmen konnte ber Verleger seine Mitarbeiter honorieren; er konnte burch ben Inhalt seines Blattes mithelfen an bem, was wir gemeinhin mit Kultur bezeichnen. Heute kann ein Provinzblatt nur geringe ober gar keine Mittel auf- bringen fur Arbeiten, bie burch bie Presse Gemeingut geworben waren, weil burch ben Bezugspreis kaum bie Kosten fur Papier unb Druck gebeckt werben. Seit langen Jahren beslehenbe Blatter haben ihr Er- scheinen einstellen miissen, weil ber Abonnements- preis von ben Beziehern nicht mehr bezahlt werben konnte. Anbere Blatter sinb in ber Erscheinungsweise rebuziert; friihere Tageszeitungen sinb auf brei- ober zweimaliges Erscheinen zuriickgegangen. Denselben schwierigen Kampf haben bie Werk- druckereien zu bestehen. Der Verleger muB es sich heute zweimal iiberlegen, ob er ein Werk in Druck geben kann ober nicht. Will er audi nur mit einem kleinen Nutzen arbeiten, werben seine Bucher einen bermaBen hohen Preis kosten miissen, ben bie Kaufer nicht anlegen konnen ober wollen. Das trifft nament- lich fiir ben Druck wissenschaftlicher Werke zu. Ab- nehmer bieser waren Gelehrte, Stubenten, Schiiler hoherer Anstalten. All biese konnen heute nur in Ausnahmefallen baran benken, sich ein Buch zu kaufen. Es ist bas zu bebauern, wirb boch burch bas Fehlen ber Bucher bas geistige Leben unterbunben. Wenben wir uns bem Akzidenzdrucke zu, werben wir auch nur Klagen iiber Arbeitsmangel horen. Es wirb ebensowohl von seiten ber GroBinbustriellen wie vom Hanbwerker zu sparen gesucht. Dafi bieses Sparsystem am falschen Enbe geiibt wirb, will man oft nicht einsehen. Man moniert bie hohen Kosten, bie fiir Arbeiten bes Buchbruckers geforbert werben miissen, unb bebenkt nicht, bafi bie Preise fiir bie notwenbigsten Lebensmittel eine schwinbeinbe Hohe erreicht haben. Diesen Ausgaben kann sich ber Prinzi- pal nicht entziehen; er muB sein Personal bement- sprechenb bezahlen, unb will er auch nur mit bem bescheibensten Nutzen arbeiten, muB er vorsiditig s Bielert kalkulieren. Wer biese Kalkulation auBer Augen lafit, wirb balb bort angelangt sein, wo es heifit: bis hier- her unb nicht weiter; er wirb seine Druckerei schlieBen miissen. Leiber gibt es auch heute noch sogenannte „billige Leute". Fur jeben Preis wirb ein Auftrag an- genommen unb ausgefuhrt; nicht ber Budibrucker macht ben Preis, sonbern ber Auftraggeber schreibt biesen vor. Man rnoge boch bebenken, baB es nutz- bringenber ist, einen Auftrag zu haben, ber einen Verbienst iibrig laBt, als zehn Auftrage, bei benen noch Gelb zugesetzt wirb. Gerabe im Akzibenzgeschaft sinb es eigentlich nur selbstverstanbliche Grunbsatze, burch bie jeber Kunbe zu halten ist: Piinktliche Lieferung unb saubere Arbeit. Durch bie AuBeracht- lassung bieser» Momente hat sich mancher Prinzipal schwer geschabigt. Audi von ben SchriftgieBereien werben wir vor- wiegenb Klagen horen. Es ist bas ganz selbstverstanb- lich, benn ber Budibrucker kann nur in ben seltensten Fallen baran gehen, eine neue Schrift zu kaufen. Trotz- bem sinb unsere GieBereien nicht miifiig; trotz aller Ungunst ber Verhaltnisse bringen sie neue Erzeug- nisse heraus, bamit beweisenb, baB „Arbeiten unb nicht verzweifeln" ihr Wahlspruch ist. Uns liegt baran, nachzuweisen, wie emsig bie GieBereien auch in bieser kritischen Zeit bemiiht sinb, bem Budibrucker immer neues Material zu bieten, womit er bie Besteller fesseln kann*. Wenn wir in ben obigen Zeilen eigentlich nur von Klagen ber Berufsangehorigen sprechen konnten, wollten wir boch zum SchluB auch bie Gegenseite vorzeigen. Es sinb bas bie Firmen, welche heute mit bem Wertpapierdruck mehr ober weniger beschaftigt sinb. Es sinb bas ja zum weitaus groBten Teile Auf trage bes Staates. Die Ausfiihrung bieses Noten- brucks setzt einen mit ben mobernsten Maschinen ausgeriisteten Betrieb voraus; Leitung unb Uber- wachung ber betreffenben Offizinen miissen muster- giiltig sein. Bei biesen Voraussetzungen wirb benn auch mit Nutzen gearbeitet werben konnen. In ben weiteren Zweigen bes graphischen Ge werbes, wie Stein- und Lichtdruck, Offset- und Tief- druck, waren bie gleichen Schwierigkeiten wie im Buchbrudc zu iiberwinben. Trotzbem ging es audi bort vorwarts, wie unser jiingstes Heft, bas sich mit bem Tiefbrudc besonbers beschaftigt, zeigt. Auch auf bem Maschinenmarkt stockte bas Geschaft vollstanbig, unb auch fiir 1924 ist hier nicht viel zu hoffen. Eine Ausnahme machen Setzmaschinen; hier wirb uns bas Jahr 1924 ttiue unb bessere Maschinen bringen. In verschiebenqti Heften bes D. B.- u. St. haben wir uns mit biese!1 ^rage besonbers auseinanber- gesetzt, unb bie fiir beti Anfang bes Jahres 1924 in in Aussicht genommene Setzmaschinen-Sonbernummer wirb hier bie letzten Aufklarungen bringen. Wenn wir audi mit ben Ergebnissen bes Jahres 1923 nicht zufrieben sein konnen, so biirfen wir boch an ber Zukunft nicht verzweifeln. Der zahe beutsche Schaffens- geist wirb auch kommenbe Schwierigkeiten iiberwinben. Was glaubensstarke Arbeit baut, Das kann kein Sturm verwehn. Ein Volk, bas seiner Kraft vertraut, Kann niemals untergehn! In einem besonbern Aufsatz im Heft kommen bie Schrift - gieBereien ausfiihrlicher zu ihrem Recht. Die Schriftleitung.

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 2