DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER XXX 158 Wirkungen hervorrufen. Man konnte mir entgegnen, baB Ungarn in einer viel giinstigeren Lage ist als Deutschlanb. Darauf kann ich aber erwibern, baB Ungarn zwei Drittel seines Gebietes, also zwei Drittel bes Absatzgebietes ber ungarischen Druckinbustrie (zu ihrem iiberwiegenb groBen Teile in ber Hauptstabt konzentriert) verloren hat, unb unsere Kulturverhalt- nisse sinb schon im vorhinein viel weniger entwickelt gewesen. So muBte sich ber Riickschlag in ben Ver- haltnissen ber Inbustrie viel schneller unb viel starker fiihlbar machen als bei unsern beutschen Kollegen, unb viele Probleme sinb bei uns viel schneller aktuell geworben als in Deutschlanb. Ich glaube also, baB meine SchluBfolgerungen auch fur Deutschlanb bie gleiche Giiltigkeit haben werben als fur uns. Wenn wir ben Preis bes Papiers, also unseres wichtigsten Rohmaterials, untersuchen, werben wir finben, baB bas Papier im allgemeinen teuer ist, also hoher als bie allgemeine Teuerung im Preise stieg. Zu ber Herstellung von einem Waggon Papier sinb be- kanntlich zwei Waggons Kohle erforberlich! (In Ungarn erreichte ber Papierpreis bie boppelte Golbparitat, weil wir in Rumpfungarn kein Papier probuzieren, sonbern alles importieren.) Was bie Lohne im Druckgewerbe betrifft, hatte ich Gelegenheit, im Laufe bes Sommers einen Vergleich zwischen beutschen unb ungarischen Lohnen zu machen. Ich konnte feststellen, baB biese Lohne nicht zu ben besten heutigen Lohnen zahlen, baB also bas Gesetz, baB bie Lohne jetzt im Verhaltnis zu niebrig sinb, in unserm Berufe vollkommen gultig ist. Vor bem Kriege gehorten namlich bie Buchbrucker zu ben bestbezahlten Arbeiterkategorien. Ich habe schon barauf hingewiesen, baB burch Ver- teuerung ber Papierpreise unb Verbilligung ber Lohne sich groBe Verschiebungen in ber Inbustrie zeigen, bie vieles unmoglidi gemacht haben, was wir friiher kannten, bagegen neue Moglichkeiten brachten. Das Charakteristische ist aber, baB biese neuen Moglichkeiten nicht in ber Richtung ber Massenprobuktion liegen. Wenn wir priifen wollen, ob bie Drucksachenpreise im allgemeinen teuerer ober billiger geworben sinb (ich nehme als Grunblage bes Vergleiches immer bie Kosten ber allgemeinen Lebensfiihrung, bie allgemeine Teuerung), konnen wir bie Frage nicht so einfach beurteilen, weil bie notwenbigen Daten nicht so leicht zu beschaffen sinb. Man klagt im allgemeinen uber teuere Druckpreise, weil man eben iiber alles klagt, weil man nicht ein- sehen will, baB, wenn alles teurer wirb, nicht gerabe Drucksachen billiger werben konnen. Drucksachen sinb eben nicht so unbebingt notwenbig als Brot, Fleisch, Schuhe usw., unb man rebuziert seinen Ver- brauch in bieser Hinsicht viel leichter als auf anbern Gebieten. Wenn man einen Vergleich Ziehen wollte, muBte man gleiche Bebingungen als Grunblage vornehmen, unb biese sinb eben nicht ganz vorhanben. Unb jetzt kommen wir zu einem anbern wichtigen Punkte unserer Betrachtung. Ich muB also einen kleinen Seitensprung machen. Wir haben vorhin ausfiihrlich untersucht, wie bie Verminberung ber Probuktion im allgemeinen auf bie Preise zuriickwirkt. Wenn wir untersuchen, wie sich bas Gesetz, baB namlich bie Verringerung ber Probuktion bie Erhohung bes Stiickpreises nach sich zieht, aus- wirkt, werben wir sehen, baB bieses Gesetz bei unserm Berufe eine ganz erhohte Bebeutung hat. Es hat bie Erklarung, baB bie Vorbereitungsarbeiten, insbesonbere bie Herstellung ber Druckform, also bes eigentlichen Werkzeuges, bei uns mit ganz besonbers hohen momentanen Kosten unb mit ganz besonbers hohen Kapitalsanlagen unb komplizierter Betriebsorganisation verbunben sinb. Man kann wohl behaupten, baB bie Massenprobuktionsmoglichkeiten bas eigentliche Lebenselement ber Druckinbustrie sinb, in ihr liegt ihr Heil unb ihre eigentliche Bebeutung fur Kultur unb Volkswirtschaft. Die Verminberung ber Absatz- moglichkeiten bebeutet fiir uns nicht nur schlechten Geschaftsgang, geringere Verbienstmoglichkeiten, son bern eine ernste unb gefahrvolle Krise, wie biese fiir anbere Inbustrien nicht so leicht eintreten kann! Wenn man also untersuchen will, ob Druckpreise im allgemeinen hoch ober niebrig sinb, barf man biesen Umstanb nicht aus ben Augen lassen! Druck preise konnen nur bei gleicher Auflage verglichen werben! Unb bann wirb ber Vergleich zeigen, baB bie Druckpreise bei kleinen Auflagen, wo also viel Hanbarbeit, wenig Maschinenarbeit unb wenig Material kalkuliert werben muB, unbebingt billiger geworben sinb, hingegen bei groBen Auflagen, wo also bie billige Hanbarbeit nicht mehr so entscheibenb ins Gewicht fallt, unb wo bas teuere Papier schon mehr mitspricht, vielleicht teurer als friiher sinb! Das natiirlich bei reeller, objektiver Kalkulation unb bei Vergleichung ber gleichen Auflage Anno 1914 unb 1923! Ziehen wir aber in Betracht, baB bie Durchschnitts- auflagen kleiner geworben sinb, scheint es boch wahr zu sein, baB bie Kunbschaft teurer zu ihren Druck sachen kommt! Unb wenn wir baran benken, baB eben burch Verminberung ber Arbeit bie Konkurrenz sehr scharf wurbe unb so bie Einrechnung ber schlechter verteilten Regiekosten unmoglich wirb, ist es ganz sicher, baB bie Druckinbustrie jetzt schlechtere Preise erzielt als friiher. Beibe Parteien haben also bie berechtigte Ursache zum klagen. Ich hatte Gelegenheit, am Goteborger Buchbrucker- kongreB mit verschiebenen Kollegen zu sprechen. Alle mitteleuropaischen Kollegen behaupten, baB beiPriifung bes Gesamtabsatzes jetzt ein viel groBeres Prozent ber Einnahmen auf Papier unb ein viel geringeres Prozent auf Arbeit unb Unkosten entfallt als vor bem Kriege. Man muB also ein viel groBeres Kapital ein- setzen unb erzielt ein geringeres Ergebnis. Wo nimmt man aber bieses Kapital her? Im allgemeinen wohl aus bem Betriebe, weil man eben alle Neuanschaffungen, alle notigen Reparaturen, bie so notwenbige Pflege unb stetige Erneuerung bes Betriebes vernachlassigt, um bas Lager einigermaBen auf bem gleichen Stanb zu halten ober giinstigenfalls zu heben! Was ist bas anbers als latenter Ausverkauf bes Betriebes zugunsten ber Kunbschaft ober im giinstigsten Falle zugunsten bes eigenen Lagers? Ich nehme wieber ein Beispiel aus ber Praxis. Ich habe einen Verlag fiir Formulare fiir Behorben. Es gibt eine Anzahl solcher Verlage unb Druckereien in Ungarn. Durch bie Verstiimmelung bes Lanbes haben wir zwei Drittel bes Absatzgebiets unb einen viel kleineren Teil ber Konkurrenz verloren. Das er- gab eine ganz empfinbliche Verminberung ber Durch- schnittsauflagen. Durch bie Einheitspreise fiir bie vier Hauptformate habe ich es sehr leicht, meine eigene Kalkulation unb bie allgemeine Preisbilbung bei meinen Kollegen zu vergleichen. Wahrenb nun unsere Stiick- preise wahrenb bes Krieges langsam aber stetig unter bie Friebenspreise riickten, sinb wir jetzt burch bie Verteuerung bes Papiers beinahe wieber auf bem Friebensniveau angelangt. Wahrenb aber im Frieben

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1923 | | page 32