Dez. 1923 DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER 177 Das ClaytoournPrazisionsDrucK^zerfatiren Von Rudolf Bar, Charlottenburg Alles wirb nach Bilbern rufen. Clbersattigt von StftwarzweiBmanier, von Offsetsdiiefergrau unb braunem Tiefbruck werben wir ben Ruf nach Farbe ertonen lassen. DaB bie Kunst ben Bebarf becken wirb, baran zweifle ich nidit..." William Gamble im Aufsatz: „Der EinfluB von Offset- unb Rotationstiefbruck auf ben tYpographischen Druck", Weihnachtsheft 1922 bes D.B - u. St. Wenn wir bazu gelangen konnen, biese Sadie nuchtern unb rationell anzusehen, unb ben riditigen Gebrauch von ben Mitteln madien, bie uns an bie Hanb gegeben sinb, bann werben wir uns bariiber klar werben, bafi bpr Relief- unb ber lYPographische Druck ungeahnte Moglidikeiten besitzen, von benen man sich bislang nidits traumen lieB Louis Flader vor ber American Photo-Engravers Association. Das Bedurfnis nach Wiedergabe aktueller Bilder, nach bild- licher Darstellung der wichtigen Tagesereignisse steigerte sich mit der Entwicklung der Autotypie. Nach land- laufiger Ansicht waren aber die gewohnlichen Schnellpressen fur schwere Autotypieformen nicht das Gegebenesie waren nicht stark genug, und die Farbenverreibung versagte bei den vollen Flachen. Nach dem amerikanischen Vorbild gingen des- halb namhafte deutsche Druckmaschinenfabriken zum Bau wider- standsfJhiger Schnellpressen mit'verbessertem Farbwerk fiber. Unter Verwendung solcher Maschinen nahm die llustrations- technik unterstutzt durch Fortschritte auf dem Gebiete der Chemigraphie einen groBen Aufschwung, der durch zahl- reiche illustrierte Zeitschriften und Zeitungen zum Ausdruck kam, die sich in ihren Leistungen zu uberbieten suchten. Die Forderung der beschleunigten Veroffentlichung aktueller Bilder veranlaBte den Bau von Illustrations-Rotationsmaschinen, da die Schnellpressen nicht mehr genugten, und es wurde als Er- rungenschaft gepriesen, daB sechs Drucker an diesen Maschinen gleichzeitig mit der Zurichtung beschaftigt werden konnen. Jetzt kommt ein Druckverfahrendas uberhaupt keine Zu richtung mehr kennt. Man hatte geglaubt, nach Erfindung und Einfuhrung des Albertschen Reliefklischees, das die Zurichtung vom Maschinensaal ia die Atzanstalt verlegte und dadurch geeignet war, eine vollstandige Umwalzung in dieser wichtigen Technik des Buchdrucks hervorzurufendaB nunmehr ein gewisser Stillstand erreicht sei. Der Widerstand, den die Maschinenmeister dem Reliefklischee entgegensetzten, weil sie sich die Zurichtung nicht aus der Hand nehmen lassen wollten, war stark. Dann kam das mechanische Kreidereliefzurichte- verfahren und verlegte gewissermafien die geatzte Relief- zurichtung wieder in den Maschinensaal, so den Konkurrenten mit der eigenen Waffe schlagend. Wir zitieren eingangs Gamble und seine Gegenstimme, urn von vornherein unsern Lesern klarzumachen, dafi es sich bei dem kommenden, dem Claybourn-Verfahren urn eine Methode handelt, dem Autotypiedrutk gegenuber dem Offsetdruck die ihm gebuhrende Bedeutung zu sichern. Wir hatten genau vor einem Jahr die Gambleschen Prophezeiungen zur Diskussion gestellt, und das Thema, das auf das Gebiet der photo- graphischen Setzmaschine ubergriff, hat denn auch bis in die jungste Zeit in alien Fachblattern ein lebhaftes Fur und Wider gefunden. Wenn wir das Fazit Ziehen, finden wir, daB man es dem D. B.- u. St. dankt, den Versuch gemacht zu haben, Licht in diese Sache zu bringen. Wir waren uns klar daruber, daB die chemigraphischen Anstalten nicht rasten noch rosten wurden, sondem ihrerseits das Atzverfahren weiter ausbauen und vervollkommnen wflrden. Das Pendel schwingt nach der andern Seite, und wiederum ist es der D. B.- u. St., der dieses neue Ereignis auf graphischem Gebiete der Fachwelt Europas bekanntmacht. Prophezeiungen abzuwarten, dauert in der Regel ziemlich lange, und hundertprozentige Propheten gab es noch nie. Gamble hat zwar nicht besonders das nahe Ende der Auto typie vorhergesagt, er begnflgte sich mit Satz und Druck. Aber da Autotypiedruck ein Hochdruckverfahren ist und Klischees nur auf Buchdruckpressen benutzt werden konnen, ist ohne Zweifel auch ein Angriff auf diese Technik erfolgt. Angenommen, dafi in funf Jahren die Photosetzmaschine ein Erfolg ist und Hand- und Maschinensatz ersetzt. Bisher ist noch nicht klar zu ubersehen, welche Vorteile sich damit gegenuber den Zeilensetz- und GieBmaschinen bieten. Die Frage bleibt, ob uberhaupt ein Vorteil daihit verbunden sein wird, wenn der Erfolg da ist. Jedenfalls gehort eine tuchtige Portion Einbildungskraft und ein gutes Stuck Optimismus dazu, Vorteile in der Photosetzmethode zu finden, die komplizierte Maschinen und zerbrechliche Apparatur im Vergleich zu den dauerhaften, raffiniert durchkonstruierten Setzmaschinen auf- weisen, die jetzt auf den Markt kommen, und die wir dem- nachst eingehender zu schildern das Vergnugen haben werden. Diese Maschinen haben eine derart hohe Stufe der Entwicklung erreicht und beherrschen ein solch grofies Arbeitsgebiet, daB zu wunschen fast nichts mehr ubrigbleibt. Eine Schriftzeile aus solidem GuB herzustellen wird immer eine einfachere Funktion sein, als das gleiche Resultat durch Photosatz erzielen zu wollen. Nebenbei darf nicht vergessen werden (und wir haben das auch betont), daB photographisches Setzen nur fur Flach- und Tiefdruck vorgesehen war und zur Voraussetzung hat, daB diese Methoden alle andern uberdauern. Das Kostenverhaltnis dieser konkurrierenden Methoden kann nicht eher bestimmt werden, als bis nicht beide in praktischem Gebrauch sind. Jedenfalls ist die ganze Entwicklung der letzten 15 Jahre mehr dahin gegangen, besondere Resultate zu erzielen als an den Kosten zu sparen. Nicht ein neues Verfahren hat derartfg niedrigere Herstellungskosten aufzuweisen gehabt, dafi es nur aus diesem Grunde besonders beachtenswert wurde. Ein gerecht abwagender Vergleich ist notwendig. Offset- Lithographie und Rotationsdruck besitzen definitive Vorteile nur in beschrSnktem Mafie. Die Tatsache, daB jede Drucksache in Sicht fur diese Verfahren in Anspruch genommen wird, bedeutet noch lange nicht, daB dies richtig ist. Wenn jemand diese Frage fur sich selbst entscheiden will, braucht er nur den Vergleich zu Ziehen zwischen den Resultaten, die mittels Offset- und Tiefdrucks, und denen, die durch Reliefklischees und Buch- druck erzielt werden. Unglucklicherweise lassen viele Leute sich irrefuhren durch die Spitzenleistungen von Offset- oder Tiefdruck, die sie einfach mit dem minderwertigsten Zeug ver- gleichen, das Autotypie und Strichatzung in Verbindung mit dem Buchdruck leisten. Weiter spricht das Element der Neu- heit bei vielen Leuten mit, und mancher laBt sich flberreden, diese Methoden nur aus diesem Grunde anzuwenden. Dabei sind genug Fille bekannt, wo alte Methoden gegenuber dem netien Verfahren aufgegeben wurden, und eine eigene Erfahrung genugte, den Auftraggeber zu seiner alten Liebe zuruckzufuhren. Die Illustration breitet sich aus. Das stimmt mit dem uber- ein, was Gamble am Kopf dieses Aufsatzes sagt. Die Tendenz neigt sich mehr der Illustration als dem glatten Satz zu. „Der Umschwung wird sich im Charakter unserer Zeitungen, Zeit schriften und Bucher bemerkbar machen. Das Publikum ist es gewohnt, im Lichtbildtheater Bilder zu sehen, und fangt an, zu bequem zu werden, urn noch langatmigen Text zu lesen. Der Leitartikelschreiber wird nicht mehr den EinfluB auf die offent- liche Meinung von fruher haben. Nur der Zeitungsphotograph und der Bildermann werden noch zahlen. Unsere Anzeigen werden die Hilfe der Abbildungen mehr und mehr in Anspruch nehmen. Die Erzieher werden sich mehr des Bildes bedienen. Wir kommen wieder in ein Zeitalter des Bilderbuches und der primitiven Methode der Gedankenubertragung." Dieser Teil der Gambleschen Prophezeiung trifft zu, und es erubrigt sich nur, die mogliche Uberlegenheit des Autotypie- verfahrens und des Hochdrucks nachzuweisen. Es steht aber noch nicht fest, daB mit dem Reliefklischee und dem typo- graphischen Druck deren Entwicklung abgeschlossen und kein weiterer Fortschritt mehr moglich ist. Wer ist kuhn genug, behaupten zu wollen, dafi auf diesen Gebieten keine Ver- besserungen und keine Weiterentwicklung mehr moglich ist? Eine solche Behauptung aufzustellen, hieBe zugeben, daB das Ende des menschlichen Ingeniums erreicht ist. Niemand wird das behaupten wollen. Wir glauben, dafi es unbedingt moglich sein muB, jede Phase der Autotypieherstellung und des Buchhochdrucks aus- zubauen. Es ist nicht nur moglich, sondem tatsachlich schon getan. Die Klischeefabrikation wollen wir einen Augenblick 23

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