Dez. 1923 DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER 179 Ungleichheiten der Durchschnittsdruckpresse (an Fundament, Lagern und Druckzylinder) sich von 0,0254 mm bis zu 0,1292 mm beliefen. Dies bezieht sich nicht nur auf alle Pressen, die bereits lange Zeit in Gebrauch waren, sondern auch auf neue Maschinen. Es zeigte sich weiter, dafi gewisse Ungleichheiten im Papier bestanden; diese waren jedoch nur gering im Vergleich zu den bereits erwahnten. Beim Nach- messen der Druckstocke fand sich, dafi Galvanos von 0,00254 bis zu 0,0127 mm differierten, und dafi Autotypien die geringsterr Unterschiede aufwiesen, selten mehr wie 0,00764 mm. Mr. Claybourn ist uberzeugt, dafi Klischees gemacht werden konnen, die nicht mehr wie 0,0025 mm Toleranz haben, was somit ohne jede Bedeutung ist. Schritt fur Schritt wurde an dem Problem weitergearbeitet. Urn zum Ziel zu kommen, erfand und verbesserte Claybourn eine galvanoplastische Maschinenanlage von absoluter Genauigkeit und Prazision. Diese Maschinen waren nicht im Markt erhaltlich, und er sah sich genotigt, sie selbst zu bauen. Er fand weiter, dafi die gebrauchliche Methode der Flachenbehoblung zu unzuverlassig blieb, und er sah sich genotigt, zum Abschleifen uberzugehen. Er erkannte ferner, dafi die verschiedenen Materialien, die gebraucht waren, ihre Form nicht behielten, sie blleben nicht konstant, nachdem sie zur Prazision gebracht waren. Dann erfand er eine neue Methode von Hartebehandlung dieser Materialien, so dafi sie ihre Form und Abmessungen behielten. Durch Kombinafion aller dieser Faktoren gelang es ihm, Galvanos in flacher als auch in gebogener Form herzustellen, die einen derartigen Grad von Genauigkeit besafien, dafi sie bei vorschriftsmafiiger Befestigung auf der Druckpresse ohne jede Zurichtung beim Fortdruck sofort die besten Druckresultate ergaben. Nachdem akkurate Galvanos beschafft waren, fand er, dafi sie nicht viel nutzten, solange in den Pressen selbst die unglaublichsten Ungenauigkeiten und Unebenheiten zuruck- blieben. Mr. Claybourn erfand dann eine Methode, die Druck- pressen zu korrigieren. Dies wurde erreicht durch besonders patentierte Apparate, die direkt an die Maschine befestigt, unter deren eigener Kraft die Pressen da abschliffen, wo absolute Prazision erforderlich war. Auf diese Weise gelang es, alle Abweichungen auszugleichen und alle arbeitenden Telle so zu korrigieren, dafi sie der Kontrolle mittels Mikrometerschraube bis zum tausendsten Teil eines Zolls standhielten. Mr. Claybourn hat seine Arbeiten derart gefordert und mit seinen Methoden ohne den Schatten des leisesten Zweifels zur Genflge demonstriert, dafi mit den Prazislonsklischees und mit den Prazisionspressen ein perfekter Druck mit grofierer Lelchtig- keit zu erzielen ist als bei irgendeiner andern Methode, und noch dazu mit grdfierer Geschwindigkeit und weniger Kosten. Einen Beweis seiner Errungenschaft gab Mr. Claybourn bei der Menasha Printing and Carton Co., Menasha, Wisconsin, wo er seine Ideen zuerst in die Praxis umsetzte. Er druckte Drei- und Vierfarbendrucke auf gewohnlichen Karton, die sofort zu Kar- tonnagen verarbeitet wurden. Auch wir haben uns uberzeugt, dafi die Druckleistung in bezug auf QualitM einfach phanomenal ist, und ein ganzes Gremium von Fachleuten in Berlin konnte nicht sagen, wie so etwas moglich geworden ist. Claybourns Ideen und Erfindungen sind umwdlzend und erscheinen geradezu erstaunlich. Hier hat man tatsSchlich die Mittel zur Hand, den Autotyie- und den Buchdruck so zu ver- bessern, dafi deren Leistungsfahigkeit und Oberlegenheit nicht mehr angezweifelt werden konnen. Solange man darauf bestand, einen immensen Druck anzuwenden, urn gute Druck resultate zu erzielen, hat man sich naturlich immer den Schwierigkeiten gegenuber befunden, die wir von fruher kennen. Wenn wir uns dazu zwingen konnen, das Problem im Lichte des gesunden Menschenverstandes zu betrachten und die gegebenen Mittel anzuwenden, dann wird uns klar werden, dafi der Relief- oder Hochdruck ungeahnte Mogliehkeiten bietet, die noch lange nicht erschopft sind und von denen sich unsere Schulweisheit bisher nichts hat trSumen lassen. Bis hier haben wir nur mit dem Prinzip zu tun gehabt, soweit es Schnellpressen anbelangt. In Verbindung mit dem Rotationsdruck ergeben sich namlich noch weitaus erstaun- lichere Resultate. In diesem Falle ist die Geschwindigkeit nur durch die Haltbarkeit und Zugfestigkeit des Papiers begrenzt. Mr. Claybourn hat eigene Rotationsmaschinen entworfen und gebaut, die fur ganz besondere Zwecke dienen sollen und deren Anblick bei ihrer Arbeit dem Durchschnittsmaschinenmeister den Atem nehmen wurde. Dies trifft ganz besonders zu, wenn es sich um Mehrfarben-Rotationsdruck handelt, von dem uns Proben vorliegen. Es gibt nichts, was der Geschwindigkeit und Leistung dieser Maschinen in bezug auf Quantitat und Qualitat gleichkommt. Das ganze Problem beruht auf perfekten Druck- platten und Prazisionsmaschinen. Diese beiden Faktoren richtig verbunden, stellen alle andern Druckmethoden in den Schatten. Und nun ein Kontrast. Alle andern gegebenen Umstande als gleich angenommen, kann so viel von den verschiedenen Illustrationsdruckverfahren gesagt werden, dafi die Galvano- herstellung in Verbindung mit dem Hochdruck das einfachste Reproduktionsverfahren bleibt. Der Druckvorgang besteht darln, Farbe fiber die Form auszubreiten und diese letztere mit dem Blatt Papier in Kontakt zu bringen, die den Ein- oder besser noch den Aufdruck erhalten soil. Kein Zwischenglied ist not- wendig. Man vergleiche dies nun mit dem Offsetdruck. Hier wird die Platte eingefarbt, in Beruhrung mit dem Gummituch gebracht, das den Abdruck aufnimmt und dann erst auf das Papier ubertragt. Der erzielte Druck kann niemals so scharf ausfallen, als wenn er in direkter Beruhrung mit der Druckform erfolgt ware, und hierfur gibt es viele Beweise. Betrachten wir den Rotationstiefdruck, so haben wir eine vertiefte Gravur auf einem Kupfermantei, die erst mit Farbe gefullt wird, die uberschussige Farbe wird von der Oberflache abgerakelt, damit das Papier sauber bleibt, wenn es in Beruhrung mit dem Kupferzylinder kommt, um die Farbe aufzunehmen, die in den Vertiefungen deponiert blieb. Zylinderabrakeln ist ein empfindsamer Arbeitsvorgangder noch immer nicht ganz erfolgreich durchgefuhrt werden kann. Zum Beweise greife man nach irgendeiner beliebigen Tiefdruckarbeit und vergleiche sie mit einem ahnlichen Blatt, das auf einer Buchdruckpresse gedruckt ist. Der typographische Druck stellt die einfachste und deshalb auch die beste Form des Druckens dar. Die Arbeit mufi aber mit aller Sorgfalt vorgenommen und durchgefuhrt werden, wenn man auf gute Lelstungen Anspruch erheben will. Nur der Mangel an technischer Geschicklichkeit und die daraus resul- tierenden Unzutraglichkeiten haben die Galvanoplastik und die Druckindustrie zuruckgehalten und andern Druckverfahren den Vorsprung eingerSumt, den sie bis jetzt gemacht haben. Diese Methoden sind nicht hauptsSchlich deswegen voran- gekommen, well sie gut sind, sondern weil die dlteren Ver- fahren schlecht waren. Mr. Claybourn, nachdem er einmal seine Aufmerksamkeit der Druckkunst gewidmet hatte, fand bald, dafi zwischen dem Klischeeatzer und dem Drucker ein Bindeglied fehlt. Es ist hier, wo der Autotypieatzer seine Gelegenlieit findet. Der Klischeemacher erprobt seine Druckstocke nach altgewohnter Weise auf einer Hand- oder Kraftbetrieb-Tiegeldruckpresse, indem er das gleiche Prinzip des Anquetschens von Klischee und Abzug mit der vollen FISche zur gleichen Zeit ausubt. Er i reift zu umstSndlicher Zurichtung und zleht auf Kunstdruck- papier ab, wobei er vielleicht Gelegenheit hat, alle Finessen seiner Kunst vorteilhaft zu zeigen, aber gleichzeitig dem Maschinen- meister eine Aufgabe stellt, die dieser nie erreichen kann und in Wirklichkeit auch niemals erreicht hat. Mr. Claybourn entschied schliefilich, dafi, wenn Prdzisionsmaschinen fur den perfekten Druck notwendig waren, das gleiche Prinzip beim Abziehen der Probedrucke eines AutotypieStzers notig sei, und er baute eine entsprechende Maschine. Diese Presse liefert absolut perfekte Abzuge in Schwarz oder in Farben mit erstaunlicherGeschwindig- keit und ohne jede Zurichtung. Das ist demonstriert worden und kann nicht mehr bdstritten werden. Der Abzieher braucht sich sein Rfickgrat nicht zu brechen. Die erste Maschine war als Handpresse entworfen und wurde durch einen Hebel betatigt. Wenn man mit dieser einen Abzug einer Autotypie im Format von 40X50 cm (Zentimeterl) machte, fand man die Maschine so gut ausbalanciert, dafi man nicht sagen konnte, wann der Druck begann und wann er aufhorte. Man stelle sich einen Abzug eines Klischees von solchem Aus- mafi auf einer gewohnlichen Abziehpresse vorl Es waren zwei bis drel Mann notig, um mit aller Kraft imstande zu sein, den Hebel durchzudrucken, und es kann nur gemacht werden mit dem Risiko, die Maschine zu brechen. Wenn solch ein Druck- stock von einem Tiegel mit Kraftbetrieb gedruckt werden sollte, wurde derWiderstand und der Ruck im Augenblick des Druckens nicht nur die Presse, sondern den ganzen Fufiboden erschilttern. 23*

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