u K Unsere Satzbeispiele TAG E S A N T I Q U A 976 DEUTSCHER BUCH- UND STEINDRUCKER XXX Die der vorliegenden Nummer beigefiigten Satz beispiele sind wiederum der taglichen Praxis entnommen und vom Standpunkte der letzteren aus besonders lehrreich. Es ist nicht uninteressant, zu wissen, wie solche Arbeiten zustande kommen und von welcher Auffassung sich der Setzer bei Anferti- gung des Satzes leiten lieB. Bei Muster^, eine Seite aus einem hollandischen Katalog darstellend, hat der Setzer den hintereinander- EINE NEUZEITLICHE ANTIQUA FOR ALLE DRUCK- ARBEITEN BAUERSCHE GIESSEREI SCHRIFTGIESSEREI FLINSCH FRANKFURT A. M. folgend geschriebenen Text in freier Blockform auf- gelost, eine dezente Gliederung vorgenommen, die ein Gebilde hervorbringt, das einem Ausrufungs- zeichen nicht unahnlich sieht und daher den Vor- ziigen des Artikels eine besondere Note verleiht. Die leicht unterstrichenen Zeilen in zweiter Farbe erhohen den Reiz. Die Originalwiedergabe ist drei- farbig, Rand und Unterstreichungen chamois, obere und untere Zeile, ebenso der Kreis um die Fabrik- marke goldbraun, Text schwarz auf weiBem Kunst- druckpapier. Die Gesamtwirkung ist eine vorziig- liche und wird noch erhoht dadurch, daB an den Randlinien keinerlei Liicken des Zusammenschlusses zu bemerken sind. Um dies zu ermoglichen, wird der gesetzte Rand stereotypiert, und die Linien- anschliisse werden verlotet. Bei nochmaligem Aus- gieBen der Mater lauft die Mater je nach der Tem- peratur ein, und es entstehen, wenn z.B. achtRander zu einerForm benotigt werden, verschiedeneGroBen. Zwei gegeniiberliegende Seiten aber, die nicht die gleicheGroBe besitzen, wirken unschon. Esempfiehlt sich daher, entweder Galvanos anzufertigen oder so viele Matern, als Rander benotigt werden, diese einer gleichmaBigen Trockentemperatur auszusetzen und jeweilig nur einmal auszugieBen. Die so er- haltenen Abgiisse gewahrleisten alsdann eine gleiche GroBe. Welch verschiedenartige Ausstattung einfacheund gediegene Briefbogen haben konnen, ist aus den Musterbeilagen BE zu ersehen. Es sind rein satz- technische Arbeiten, die durch gut durchdachte Gliederungen der Beschriftungen gelungen sind. Muster Bgesetzt aus Ehmke-Antiqua, wird ge- schmiickt durch einefarbigeBandkombination, deren innere Zeile aus Tiemann-Fraktur gesetzt ist. Wenn aucheinZusammenb rin genvonAntiquaund Fr aktur meist gewagt ist, so ersieht man aus diesem Falle, daB, wenn der Duktus der beiden Kontrahenten ein gleichwertiger ist, die Moglichkeit besteht, eine gute Zusammenwirkung zu erzielen, ja sogar zierend und schmiickend zu wirken. Um eine undurchbrochene Wagerechte bei Ort und StraBe zu erzielen, hat der Setzer statt der kunstlerischen Ehmke-Ziffern solche aus einer anderen Schriftfamilie genommen; wenn nicht unschon, so doch nicht standig zu empfehlen. Muster C ist unter Zuhilfenahme eines einfachen Bleischnittes entstanden Die beiden flankierenden Diagonalkeileneben dem geschnittenenSignet sollen die freien Flachen unter den Auslaufern abmildern und so die Vermittlung zum Querbalken herstellen. Auf dem farbigen Balken ist in altdeutscher Schrift die Firma angebracht, und zwar in fein wirkender perlender Zusammenstellung. Auch hier eine Lo- sung, die an Klarheit nichts zu wiinschen laBt. Muster D und E sind zwei einfache Flachenauf- teilungen in Groteskart. Muster D besteht aus vier Gruppen, deren mittlere durch eine untergelegte ellipsenformige Tonplatte geziert ist, und dessen seit- liche Gruppen gut durchdacht sind, wahrend Muster E eigentlich nur eine Gruppe bildet, deren Zu- sammengehorigkeit durch den farbigen Strich nicht zerrissen, sondern nur geschmiickt worden ist. Muster F und G zeigen zwei Karten, die durch Signet bzw. Schmuck geziert, auf das Gewerbe des Inhabers hinweisen. Muster F hat einen etwa Cicero starken abschneidenden Rand, die linke Halfte der Karte ziert iiber derBeschriftung einFackeltrifolium, auf Herstellung von Beleuchtungskorper allegorisch hindeutend. Als Schrift dazu ist vom Setzer Noblesse gewahlt worden, weil die Starke der Buchstaben sich gut dem Ornament anschmiegt und so dem Ganzen ein einheitliches Geprage verleiht. Beim Muster G ist die Teilung der Adressenseite durch Anbringung derFabrikmarkein derMitte als gelungen zu nennen, ebenso die Verteilung der Schriftgruppen. Die Originalkarte zeigt den eckigen Rand um das Signet, ebenso die Unterstreichungen in Gold, wahrend die Schrift in Schwarz gedruckt ist. Unsere heutigen Satzbeispiele diirften gerade durch ihren einfachen Aufbau dem praktischen Akzidenzler gute Anregungen bieten und ihn veranlassen, in gleichen Wegen zu wandeln. Pauweh-Steglitz.

Deutscher Buch- und Steindrucker de | 1924 | | page 72