DAS PLAKAT 78 lichen Vermögenswerte des Vereins, die nach einer neuen Bestands- aufnahme auf etwa 5000 M. zu schatzen sind, ganzlich ausser acht gelassen. Die Gründe dieses für ein Kriegsjahr besonders bemerkens- werten Ergebnisses sind bereits beim ersten Punkt der Tagesordnung dargelegt. Es ist ausdrücklich hervorzuheben, dass im Abschluss von 1914 auf der Seite der Einnahmen fast 1400 M. für die Kriegsspende gebucht waren, die wir in diesem Jahre durch einzelne Künstler- unterstützungen und die von uns veranstalteten Wettbewerbe wieder reidilich ausgegeben haben. Diese Kriegsspende, für die das Jahr 1914 bereits 1389 M. verzeichnet hatte, ist um weitere 538 M. auf 1927 M. gewadisen, sodass sie nach Abzug der Unkosten für das Widmungsblatt im ganzen 1854 M. ergab. Besonders huchherzige Stiftungen trugen unsere Ehrenmitglieder Walter von Zur Westen und Julius Klinger sowie die Mitglieder Max Dobriner, Richard Doetsch-Benziger, H. J. Möbs und Arthur Ellinger bei. Sodann erstattete der Kassenprüfer, Herr Ludwig Nürnberg, zugleidi im Namen und im Auftrage des durch plötzliche Einberufung an der Ausübung seines Amies verhinderten Herrn HermannWeber Bericht über seine am 3. Januar 1916 vorgenommene Prüfung der Kasse und der Bücher. Er hob hervor, dass er die Bücher in allerbester und gewissenhaft verwalteter Form vorgefunden hatte. Herr Friedmann beantragt mit besonders warmen Danke und Anerkennung für die geleistete Arbeit Enflastung des Vorstandes, die von der Versammlung einstimmig erteilt wurde. Zur Neuwahl des Vorstandes und Ausschusses Punkt 3 der Tages ordnung wurde Wiederwahl des bisherigen Vorstandes und Aus schusses beantragt, da kein Vorstands- oder Ausschussmitglied erklart hatte, sein Amt niederlegen zu wollen. Für den im Laufe des ver- gangenen Jahres aus seinem Amte als Ausschussmitglied geschiedenen Herrn Julius Klinger war nur eine Neuwahl erforderlich. Der Vor- sitzende schlug hierfür Herrn Heinz Keune vor, der von der Ver sammlung allseitig begrüsst wurde. Auch der Anirag zur allgemeinen Wiederwahl aller übrigen Vorstands- und Ausschussmitglieder wurde angenommen und die Wiederwahl einstimmig vollzogen. Der nachste Punkt der Tagesordnung brachte zunachst einen kurzen Antrag des Vorstandes auf eine Aenderung in den Satzungen, betreffend den Gerichtsstand für Rechtsstreiiigkeifen. Bei den bis herigen Verfahren in Rechtssachen hat es sich als Unbequemlichkeit herausgestellt, dass nicht Berlin als Gerichtsstand eingetragen sei. Der Antrag, den 1 der Satzungen dahin zu erweitern, dass es in Zukunft heissen soil„Gerichtsstand für Streitigkeiten zwisdien dem Verein der Plakatfreunde E. V. und seinen Milgliedern ist Amtsgericht Berlin-Mitte" wurde angenommen. Auch ein zweiter Antrag, zur Deckung der immer grösser werdenden Kosten für die Erlangung der sogenannten Gratisplakate, und um die Anzahl der Besiellungen, die unsere Leistungen übersteigen, etwas einzuschranken, die Gebühr lür diese Blatter von 10 auf 20 Pf. zu erhöhen, wurde einstimmig angenommen. Herr Friedmann schlug hierbei folgendes vor: Der Verein solle einige Kunstanstalten ersuchen, dass sie bei Auftragserteilung wirklidi künstlerischer Plakate der Auftrags- bestatigung ein kurzes vorgedrucktes Schreiben des Vereins beilegen sollen, durch das derVerein 100—200 Mehrdrucke erbittet, deren geringe Kosten er gegebenen'alls selbst tragen könne. Der Vorsitzende be- grüsste diese Anregung und sagte zu, ihr in geeigneter Form Folge zu leisten. Zum Schlusse wies der Vorsitzende kurz darauf hin, dass am 22. De- zember 1915 der Tag, an dem er im Bunde mit Herrn Reg.-Baum. Hans Meyer und andern Gleichgesinnten den „Verein der Plakatfreunde" gegründet habe, zum zehnten Male wiedergekehrt sei. Er erinnerte daran, was der Verein in diesen zehn Jahren geleistet, wie er sich entwickelt habe und heute eine Stellung einnehme, die sich seine Gründer nie er- traumt hatten. Zur Erinnerung an diesen Tag erscheint die schon erwahnte Festnummer, die u. a. in ausführlicher Weise diese zehn Jahre Ver eins geschi ch te schildern wird. Verfasser dieser ist unser Vorstandsmitglied und Mitbegründer Reg.-Baum Hans Meyer, der ruhige Stunden in seinem Winferquartier Nessutitschi bei Nowogrodek in Russland benutzt hat, um diese sehr grosse und schwierige Aufgabe zu bewaltigen, für deren Uebernahme ihm der Herausgeber und alle Mitglieder zu warmsten Danke verpflichtet sind. Feierlichkeiten jeder Art anlasslich des zehnjahrigen Bestehen des Vereins verbot der Ernst der Zeit, doch hielt der Vorstand die Gelegenheit für günstig, dieses Tages noch in andrer Weise als nur durch die Festnummer zu gedenken, und vier Manner, die sich seit Jahren um die Entwicklung der deutschen Plakatkunst aussergewöhn- liche Verdienste erworben haben, zu Ehrenmitgliedern des Vereins der Plakatfreunde vorzuschlagenzwei Künstler Prof Emil Or lik und Paul Scheurich in Berlin und zwei Drucker, die In- haber der führenden norddeutschen und süddeutschen Kunsfanstalt: Erich Gumprecht von der Kunsfanstalt Hollerbaum S Schmidt in Berlin und Gerhard Lang von der Kunstanstalt Reichhold 81 Lang in München. Das stets bewiesene Intere-se aller vier Herren für unsern Verein rechtfertigen ihre Ernennung ebenso wie ihre Taten. Schliesslich wurde die Hauptversammlung noch gebeten, die Wahl des Herrn Prof. Dr. Gustav Pazaurek in Stuttgart zum Ehrenmitgliede zu bestatigen, der vom Vorstande schon im Mai 1915 anlasslich seines fünfzigjahrigen Geburlstages dazu ausersehen war. 9) Einstimmig und unter lebhafter Zustimmung wurden samtliche Ernennungen gebilligt. Auch noch in andrer Weise hatte der Vorstand geglaubt dem zehn jahrigen Gründungstage des Vereins Bedeutung verleihen zu können. Zum ersten Male wurde von einem vor Jahren gefassten Vorstands- beschluss Gebrauch gemacht, nach welchem auf Auffordung desVorstandes Mitglieder, die dem Verein besonders nahe stehen und an seinem Ge- deihen regen Anteil nehmen, die „lebenslangliche Mitgliedschaft" gegen eine einmalige Zahlung von 150 M. erwerben können. Der an zehn Mitglieder gerichtete Aufruf des Vorsitzenden hatte den Erfolg gehabt, dass sechs von ihnen sich sofort bereit erklarten, die lebenslangliche Mitgliedschaft zu erwerben, u. z. die Herren Kuno Bergmann, Berlin, Max Dobriner, Gumbinnen, Richard Doetsch-Benziger, Basel, Arthur Ellinger, Frankfurt a. M., Curt Proskauer, Breslau und Ernst Unger, Stultgart, denen sich der Vorsitzende Dr. Hans Sachs, Berlin, als siebenter anschloss. Auf seinen An trag beschloss die Versammlung die Möglichkeit der Erwerbung der „lebenslanglichen Mitgliedschaft" in die Satzungen aufzunehmen und die hierbei eingehenden recht erheblichen Betrage enfweder dem besonderen Kriegsspendenkonto gutzubringen, oder ein Vereinsvermögen daraus zu schaffen; ein endgiltiger Besdiluss wurde hierüber noch nicht gefasst. Der Vorsitzende sprach die Hoffnung aus, dass nodi weitere Mitglieder sich beim Vorstande um die Eintragung der „lebenslanglichen Mitgliedschaft" bewerben mögen. Damit schloss der Unterzeichnete den offiziellen Teil der Sitzung und ging zum letzten Punkle der Tagesordnung über, in der er an Hand der im Sitzungssaale ausgestellten 317 Wettbewerbsentwiirfe, die zu unsern im Juli 1915 veranstalteten Wettbewerben eingereicht waren, verschiedene Fragen künstlerischer Art besprach, an die sidi eine weitere Aussprache unter den An- wesenden anschloss. Sachs. Bericht der Ortsgruppe Hannover. Die Ortsgruppe Hannover hielt im Jahre 1915 7 Monatsversammlungen und eine Hauptver sammlung ab, an der sich d e Mitglieder trotz zahlreicher Ein- berufungen rege befeiligten. Besondere Veranstaltungen unterblieben mit Rücksicht auf den Krieg, abgesehen von einem engeren Wett- bewerb zur Erlangung zweier Kriegspostkarten. Die preisgekrönten Entwürfe von Georg Kindermann und Valentin Mink waren dem Marzheft der Vereinszeitschrift in Originaldrucken beigefügt. Im Monat Dezember wurden auf Veranlassung der Ortsgruppe die Arbeiten der vier vom Hauptverein gleidizeifig ausgeschriebenen Wetlbewerbe im Kesfner-Museum ausgestellt. Die Ortsgruppe bestand am 31. Dezember 1914 aus 49 Mitgliedern, an 31. Dezember 1915 aus 56 Mitgliedern. Bisher sind 18 Mitglieder zum Kriegsdienst einberufen und davon 2 Mitglieder auf dem Felde der Ehre gefallen. Die Kassenverhaltnisse zeigen ein erfreuliches Bild. Das Vermögen der Ortsgruppe betragt z. Z. rund 220 Mark. Ausserdem sind Ver mögenswerte vorhanden, die - bei sehr geringem Ansatz min- destens 100 Mark betragen. Dr. Brinckmann. 9) siehe Juliheft 1915, Seile 172. Druckausführung: Kuno Bergmann Kunstdruck, Berlin SW 68, Kochstr. 5 .Phönlx" Kunsidruckpapier der Papierfabrik Scheufelen Oberlenntngen-Teck (Würtlemberg) Vertretung und Lager: Edmund Obst 81 Co., Berlin SW68 Alexandrinenstresse 134

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