WETTB EWERB S - HOCHFLUT VON REGIERUNGSBAUMEISTER HANS MEYER, BERLIN. Die Weitbewerbe haben sich in letzfer Zeit so unglaublich gehëuft, dab man fast darauf verzichten möchte, über jeden ein- zelnen überhaupt zu berichten, wenn nicht schon die Taisache dieser Haufung an sich lehrreich ware, und noch lehrreicher ihre Ergebnisse. Denn noch sind wir lange nicht so weit, die beste Form der Ausschreibung gefunden zu haben, nicht einmal so weit, über ihren Wert überhaupt volle Klarheit zu besitzen, und ganz gewib nicht so weit, das schon Feststehende überall an- erkannt zu sehen. Dab so viele Wettbewerbe ausgeschrieben werden, - zu denen noch die nicht ausgeschriebenen zu rechnen wëre, die geplant waren, aber auf unser Anraten durch unmittelbaren Auftrag er- setzt wurden, - ist zweifellos ein erfreuliches Zeichen für den ungebrochenen Unternehmungsgeist, der unbeirrt von Hunger- friede und Blockade, von Bolschewismus und Generalstreik, allerorien im Reich zu neuem Erstarken des Handels, zu neuem Erwachen der Wirtschaft rüstet. Man ware versucht, das Zeichen noch in anderer Weise zu deuten, dab nëmlich der vorhandene oder der bekannte Kreis von Künsflern den neu auftretenden Aufgaben entweder ihrer Menge oder ihrem geisligen Gehalt nach nicht gewachsen sei und der Ergënzung und Auffrischung durch neu zu entdeckende Telente bedürfe. Ich halte das für einen Trugschlub aus zwei Gründen Einmal werden die meisten Wettbewerbe nur aus gedankenloser Befolgung alter Ueberlieferungen oder als Reklame en sich ausgeschrieben, um mit Tausendmarkpreisen und Kunstgönnertum zu prunken, zum andern enden die wirklich ernst gemeinten fast regelmabig ent weder klaglich oder mit dem Siege eines langst bekannten Künstlers. Aus der nëheren Untersuchung wird sich danach die Lehre ergeben, dab der Wettbewerb eine giftige Arznei ist, die nur in wohl abgewogenen Mengen und in der Hand des klugen Arztes heilsam, nach Gutdünken aber und verstandnislos genossen tötlich wirken mub Beginnen wir mit einem von uns selbst ausgeschriebenen Wettbewerb für ein grobes Berliner Papierhaus, das vorlaufig nicht genannt zu werden bat. Hier war es weder Gedenken- losigkeit nodi Reklamesucht, die zum Wettbewerb geführt hatten, sondern der ernste Wille, für die besondern Werbebedürfnisse des Hauses den bis dahin unbekannten geeignetsten Mann ans Licht zu Ziehen. Ausgeschrieben wurde ein Plakat, das in ge ander ter Form, in Packungen, in Zeiiungsanzeigen und in jedem andern Werbemittel dem ganzen geplanten Werbefeldzug zu- grunde gelegt und der besonderen Eigenart des Hauses gerecht werden sollte. Aufgefordert wurden dreibig Künstler, die nur Skizzen in halber Gröbe einzureichen hatten und dafür je 100 Mark bekamen. Das Preisgeridit bestand aus drei Ver- tretern des ausschreibenden Hauses, drei Künstlern, nëmlich Bernhard, Orlik und Gipkens (die beiden letzten als Ersatzleute für die erst in Aussicht genommenen Peter Behrens und R'emer- schmid) und unsern drei Vorstandsmitgliedern und hatte sechs gleiche Preise von 250 Mark zu vergeben. Die auf diese Weise als die besten bewerteten Skizzen sollten nun von ihren Ver- fassern ausgeführt werden, dann hatten die Inhaber aus diesen Arbeiten allein die ihnen am meisten zusagende auszuwahlen und gegen Zahlung weiterer 1000 Mark ausführen zu lassen. Dieser Plan ist durchgeführt worden. Die Preise erhielten Christophe, Hadank, Plontke, Buhe, Hoyer und Steffi Nathan. Unter den danach neu eingereichten Entwürfen ist die Entscheidung noch nicht getroffen. In einem der nëchsten Heftehoffen wir sie abbilden und das Ergebnis mifteilen zu können. Allerdings soli hier, so wenig wie die Inhaber und die Preis- richier aus ihrer Enttauschung über den Ausfall ein Hehl gemacht haben, in der Beriditeistattung verschwiegen werden, dab der Wettbewerb die auf ihn gesetzten Hoffnungen zunëchst nicht voll erfüllt hat, da unter den 63 Skizzen der 29Teilnehmer (einer war an derTeilnahme verhindert gewesen) auch die sechs endgültig - und nach schwerem Kampf- gewëhlten nur die verhëltnismëbig besten, aber keineswegs einwand- freie Lösungen darstellten, die das Preisgericht dem Besteller samtlich als wirklich gute zur Ausführung hatte empfehlen können Eingehende Aussprache mit einigen beteiligten Künst lern hat mich zu der Ueberzeugung geführt, dab die Aufgabe wegen ihrer besondern Schwierigkeit, die vor aliem in der Vielseitigkeit der gestellten An'orderungen lag, für eir.en Wett bewerb überhaupt nicht geeignet war. Denn der Entwurf mubte tür die verschiedensten Werbemittel gleich anpassungsfahig sein, eine den uniersdiiediichsten Zwecken dienende Ware empfehlen und den neuzeitlidien Geist des Hauses kennzeichnen, ohne gleidizeitig den Këufer in der Provinz durch futuristische „Harlekinaden", wie ein Inhaber sich drastisch ausdrückte, ab- zustoben. Es ist klar, dab nur die engste, emsigste, wodienlange Zusammenarbeit des Bestellers mit einem Künstler die Lösung eir.er solchen Aufgabe - wenn es überhaupt eine gibt - finden kann und durch keine, nodi so klar gefabte schriftliche Um- schreibung der Aufgabe zu ersetzen ist. Woraus zu lernen ist, dab gerade die Schwierigkeit einer Aufgabe gegen die Ab- sicht spridit, ihre Lösung im Wettbewerb zu sudien 1 Im Uebrigen hat sich diese Form der Ausschreibung - keine Abstufung, aber Entschlubfreiheit des Bestellers -, die wir wohl als unsere eigene Schöpfung bezeidinen dürfen, und die wir zum ersten Mai 1914 bei dem „CCC"- Wettbewerb an- gewendet haben, von neuem bewëhrt und auch den Dank der Künstler gefunden. Die Beschrënkung auf eine kleine Teil- nehmerzahl und die damit ermöglidite Bezahlung jeder Arbeit, dazu die Forderung von Skizzen stait druckreifer Enlwürfe hat die sonst zum standigen Kennwort allerWettbewerbe gewordene Klage von dem „groben Aufwand", der „nutzlos vertan" ist, hinfëllig gemacht, das Preisgericht wies die beste*) Verteilung auf, da es neben der gleichen Zahl von Vertrelern der beiden „Parteien", der Besteller und der Künsller, dieselbe Zahl un- parteiischer „Vermitt'er" enthielt, und vor allem waren statt der überlieferten, aber unsinnigen Abstufung der Preise, die sich niemals mit dem letzten Ergebn's, nëmlich der Ausführung, deckt, gleich hohe Preise ausgesetzt, denen erst der Ausführungs- entsdilub den Hauptpreis hinzufügte. Dadurdi wird den künst- lerischen Forderungen voll Genüge geleistet und doch die billigerweise nicht ganz auszuschaltende Entschlubfreiheit des Bestellers so weit gewahrt, dab er von vornherein die Ver- 200 Unsere Anschauungen darüber widersprechen allerdings denen einer andern, unter AusschluÈ der Oeffentlichkeit bestehenden Stelle, dem „Wettbewerbsausschufe" des Verbandes Deutscher Illustratoren, der unter Verkennung sowohl der Verhaltnisse wie der Notwendigkeiten grundsatzlich für die Künstler eine klare Mehrheit fordert. llllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllW

Das Plakat de | 1919 | | page 110