Das gute Buch wirkt wie eine Persönlichkeit. Schon in der Erscheinung aufiert sich sein beson* deres geistiges Wesen, dem sich Ausstattung und Gewand auch mit einfachen Mitteln anpassen. Darum ist es selbstverstandlich, daB die Erscheb nung eines guten Buches gleichzeitig den Eindruck des schonen macht, wie stets, wenn Form und In* halt iibereinstimmen, also die Gestalt ein Bildnis und Gleichnis des Geistes ist, den sie umschlieBt. Das gute Buch wird immer auch das schone sein und in der lebendigen Einheit seiner Erscheinung so stark wirken, dafi selbst ein Schriftunkundiger sich seinem Zauber nicht entziehen kann. Wieviel Bücher erscheinen in einem Jahr und wie wenige üben einen so wohltuenden Zauber aus? Es ist offenbar, daB Leichtfertigkeit eine vers lorene Kultur nicht finden kann. Unter den Vieb zuvielen sind es leider nur einigeAutoren,Verleger, Künstler, die sich sorgsam darum bemühen. Für das Buch, was und wie es ist, wird immer nur der Verleger verantwortlich sein. Er lafit das Werk des Autors zum Buch werden, beauftragt den Künstler mit der Ausstattung, den Buchdrucker und Buchbinder mit der Herstellung. Auf seine Auswahl, auch des Papiers und der Materialien, kommt alles an. Jede Unzulanglichkeit fallt auf ihn zurück, und die des Autors am allerersten. Aus einem geistlosen, schlecht geschriebenen Manu* skript kann nie auch nicht mit dem Aufwand von Leder, Gold und Bütten ein gutes Buch werden. Seit der Erfindung derBuchdruckerkunst gibt es immer noch nur zwei Arten Verleger: Die einen handeln für das gute Buch, die anderen mit Kob portagen. Ein Unterschied, bei dem kein Zweifel bleibt, am wenigsten nach dem trefflichen Wort: »Zur Schundliteratur gehort aber nicht nur das ethischnachteilige, sondern auch das asthetisch* widerwartige«, mit dem Hans von Weber seinen zweideutigen Kollegen ihre niedrige Art bewies. Im übrigen ist von dieser, hier belanglosen Art, nicht mehr zu reden. An den Beruf des Verlegers sind hohe Anfor* derungen gestellt. Er mufi wissen, daB er zwar Geschafte machen, aber auch eine Kulturaufgabe erfüllen soil. Jedenfalls muB er ein Mann von her* vorragender Bildung sein, der in seiner kauf* mannischen Klugheit ebenso überlegen, wie in seinen künstlerischen Instinkten sicher ist. Seine Tüchtigkeit besteht nicht nur darin, einen guten Lektor, Künstler, Buchbinder und Drucker zu haben. Die Phantasie eines Liebhabers mufi ihn selbst tagtaglich locken, Entdeckungen zu machen und zu fördern. Vor allen Dingen muB er Organb sator sein. Ohne Klarheit in seinem persönlichen Willen wird er mit den besten Mitarbeitern nie zu 1

Gebrauchsgraphik de | 1925 | | page 10