der einheitlichen Leistung kommen, die das gute Buch ergibt, das seine Meister lobt und den Vers leger ehrt. Auch wenn der Verleger die Buchaus* stattung und Leitung der Herstellung, was sehr ratsam ist, bescheiden einem ebenso ausgezeich* neten wie vertrauenswürdigen Künstler überant* wortet, bleibt ihm die Entscheidung über die Aus* stattung nicht erspart. Denn vor der Ausführung wird von ihm verlangt, dafi er die wirtschaftliche Forderung mit der idealen ausgleiche. Das gute Buch ist zwar immer preiswert, weil es wie jede kulturelle, also vorwiegend geistige Leistung, in seinen nicht meBbaren Werten unbe* zahlbar ist; aber mit dieser achtungsvollen Wert* schiitzung ist auf dem Büchermarkte nicht viel an* zufangen. Dort mufi es einen festgesetzten Preis haben, und da es ohne Verbreitung seinen Zweck verfehlt, darf es nicht zu kostspielig werden. Viel* mehr muB es für alle Leser, an die es sich wendet, zumindest erschwinglich sein. Somit ist die Grenze für die Kosten der Ausstattung und Herstellung durch den Preis gezogen, zu dem das gute Buch voraussichtlich mit Vorteil und ohne Absatzverlust verkauflich ist. Darin liegt die Schwierigkeit, in der die gröBten Gefahren für die Eigenschaften und den Erfolg des guten Buches zu überwinden sind. Aber sie sind nicht unüberwindlich. Die Maschine kann jedes Buch, auch in einer guten Ausstattung, wohlfeil machen.wenn sich seineHer* stellung, eingehend und liebevoll, der veranderten und verbesserten Technik anpaBt. Das Handwerk hat selten die bessere Technik und meist nur die Zeit zur sorgfaltigen Aus* führung voraus, die wahrend der Arbeit ein leb* haftes Eingehen auf wesentliche Einzelheiten, eine geistige Beteiligung gestattet, mit der schlieBlich das Werk eines Meisters so wohl gelingt. Das Handwerk nötigt geradezu den Stümper aus* genommen zur Auseinandersetzung, zur geistigen Beschaftigung mit dem Werk, das sich unter fleiBigen und geschickten Handen bilden soil. Seiner Arbeit lohnt es nicht, mit schlechtem und unechtem Material, Gediegenheit und Echtheit vor* zutauschen. In der Zeit zur Arbeit liegt die Bürg* schaft des Handwerks, derentwegen es noch immer und nicht nur im Buchgewerbe, unentbehrlich ist. Niemandkann vergessen, dafi dieZeit derKultur des guten Buches die gute Zeit des Handwerks war. Und doch sollten wir es fast vergessen. Jeden* falls muB es uns sehr klar sein, dafi wir uns nicht zu einer neuen Kultur des Buches durchringen, solange wir von der Erinnerung an die vergangene leben; solange wir die alten Erfahrungen und Formen genügsam ausgraben, unbekümmert um die technischen Voraussetzungen, die einstmals, besonders für denDruck undEinband,ganz andere waren, und uns auf diese Armutszeugnisse der eigenen Phantasie noch lacherlich viel zugute tun. Wir müssen unsere Gedanken und Vorstellungen darauf einrichten: Das technische Mittel zur Herstellung des guten Buches ist heutzutage die Maschine. Nur aus dieser Einstellung und ihren schöpferischen Folgen kann das neue gute Buch entstehen. Es ist widersinnig, mit der Kunst derMaschine die Kunst des Handwerks vor* zutauschen. Freilich hat diese Tauschung Geschaftsgründe. Die Maschine ist noch bei fast allen in Verruf, die Verstandnis und Liebe für gute Kultur haben. Aber gerade die werden sehr bald begeisterte Anhanger einer neuen Kultur sein, die alle Merkmale einer eigenartigen Pflege zeigt. Was haben die Menschen aus der Maschine, und was hat die Maschine, unter anderem, auch aus dem alten guten Buch gemacht? Zur Antwort braucht man nur schweigend eine der allzu billigen, elenden Klassikerausgaben in die Hand zu nehmen, die noch darum so oft mit rührender Anhanglichkeit geliebt werden, weil die Eingeweihten wissen, dafi es Könige in Lumpen sind. Die Maschine hat nicht nur die Achtung vor der Geistigkeit, sondern seltsamerweise auch die Liebe zur Sachlichkeit verdorben. Damit soil nichts gegen die Maschinen, sondern alles gegen die Menschen gesagt sein, die sich ihren schonen, flinken und starken Maschinen nicht gewachsen zeigten, sie mifiverstanden und darum mifibrauch* ten, die ihnen, vernarrt in die Geschwindigkeit, schlechte Diener statt gute Herren und Meister wurden. Nichts anderes sind die Maschinen als voll* kommenere Werkzeuge in Menschenhand, grofi* zügiger in ihren Wirkungen und darum gefahr* licher, weil sie je nach ihrer Anwendung ebenso leicht schlechte wie gute Erzeugnisse anhaufen, und also die Menschen entweder massenhaft be* glücken oder verderben. Viel tausendmal mehr als beim einfachen Handwerkszeug kommt es auf ihre geistige Führung an, auf die Überlegenheit, der die Maschinen nur Mittel sind, die Vorstellun* gen eines schöpferischen Willens möglichst voll* kommen zu gestalten. In den gleichmafiigen, genau bestimmten Be* wegungen,Griffen und Verrichtungen derMaschine, die von einer unmenschlichen Kraft getrieben werden, sind, sonderlich in den Betrieben des 2

Gebrauchsgraphik de | 1925 | | page 11