Buchgewerbes, nur ein Teil der Überlegungen vorweggenommen, die das Handwerk zur Ge* schicklichkeit und Sorgfalt führt. Alle wesent* lichen Eigenschaften des guten Buches entstehen nicht in der Maschine, sondern in der Vorstellung, die der Verleger von einem guten Buche hat. Das Wesen jedes guten Buches muB also vorerst in allen Teilen seiner Gestaltung eingehend und liebe* voll durchdacht werden. Und da der Verleger die Ausführung seiner klaren Vorstellung der Ma* schine planmaBig iibertragen will, mufl seine Vor* stellung von dem guten Buche ebenso auf die Eigenheiten der Maschine, wie die Maschine auf diese Vorstellung bis in die kleinsten Einzelheiten eingestellt sein. Selbstverstandlich muB sich der Verleger mit seinen Mitarbeitern zu dieser geistigen Leistung, deren Sorgfalt allein eine möglichst vollkommene Ausführung vorbereitet, reichlich Zeit nehmen, und zwar vor Beginn der Herstellung, denn sobald die Maschinen mit ihrer rastlosen Geschwindigkeit arbeiten, ist an der Ausführung des Buches nichts mehr zu andern. Das gute Buch kostet Zeit. Ein Aufwand, der durch keinen anderen zu ersetzen ist und bei dem Sparsamkeit sich am ersten racht. Nur wenige Bücher halten darum im zweiten Augenblick, was sie im ersten zu leichtsinnig ver* sprachen. Die Voraussetzung zur Herstellung eines guten Buches ist ein Manuskript von geistigem Wert, dessen Inhalt und Sprache eigenartig beherrscht und gebildet sind. Im übrigen ist Naheres »LJber Schriftstellerei und Stil«, sehr lehrreich für Autoren, Verleger und Publikum, noch immer bei Arthur Schopenhauer nachzulesen. Seit ihm hat sich nichts Wesentliches es sein denn zum Schlimmeren verandert. »Der ganze Jammer der heutigen Lite* ratur in und auBer Deutschland hat zur Wurzel das Geldverdienen durch Bücherschreiben.« Folg* lich kommt nicht der Spekulation auf den Erfolg, sondern der kritischen Erkenntnis die Auswahl des Manuskriptes zu. Ein geistreiches, ursprüng* liches Werk wird schliefilich immer, wenn auch nicht sofort, seinen Erfolg finden, falls es um seiner eigenen Gedanken oder Dichtung, also nicht um desGeldes willen, geschriebenwurde.AllesGeistige hat in der Notwendigkeit seine Kraft, die es mit der Zeit unwiderstehlich zur Geltung bringt. Die geistreichen Bücher sind nicht nur ihres Erfolges sicher, sie werden auch den gröBeren Erfolg haben. Richard D e h m e 1 hat einmal in einer Plauderei über das Buch und den Leser den aktuellen Vergleich gewagt: »Bücher sind wie spiritistische Medien; wer sie nicht richtig zu fragen versteht, dem ant* worten sie falsch oder gar nicht, und die meisten Leute halten deswegen den ganzen Spiritismus für Schwindel, bestenfalls für Selbsttauschung.« In der Tat kommt es nicht nur auf die Verfassung des Lesers, sondern mehr noch auf die Verfassung des Buches an, die eine Beziehung zu seinem Geist begünstigt und in einer angemessenen Herrichtung und Ausstattung beruht. Auf ihre Wirkung lafit sich nicht verzichten. Ihre wesentliche Berechtigung wird sogar noch wunderlich bestatigt, indem Un* kundige von gewissenlosen Verlegern durch die blendende Ausstattung geistloser Bücher betrogen werden. Die Ausstattung eines guten Buches hat nur die eine natürliche Bestimmung, seinem Geiste hin* gebend zu dienen. Sie darf nicht auffallen, jede Aufdringlichkeit ist Anmafiung, weil die Aus* stattung eines Buches keinen Selbstzweck hat. Ihre sachliche Schönheit muB mit dem Geist des Buches so einig sein, daB er in ihr mit jener ruhigen Selbst* verstandlichkeit erscheint, die ohne Zutun Liebe weckt und Vertrauen vermittelt. Jedes Zuviel in der Ausstattung, jeder sonderbare Einfall, jeder Reichtum des Stoffes und Zierats, der beunruhigt und vom Eigentlichen ablenkt, ist ein Luxus, den sich das gute Buch nicht leisten kann. In der Aus* stattung eines guten Buches ist nichts sonderbar, selbst nicht die Laune, die einen bizarren, praten* tiösen, unruhigen Geist begleitet. Aus diesen Gründen ist das Luxusbuch ebensowenig ein gutes Buch wie das schlechte. Seine Ausstattung wurde auf Kosten seines Inhalts übertrieben. Zuweilen ist das Luxusbuch ein Kunstwerk, aber es ist kein Buch mehr, weil es weniger zum Lesen als zum Betrachten bestimmt scheint. Ein gutes Buch muB sich bequem und mit Ge* nuB stundenlangohnekörperliche Ermüdunglesen lassen. Folglich muB es ein handliches Format, ein möglichst geringes Gewicht und eine klare, nicht zu kleine Schrift haben. Leider wird diesen praktischen Grundbedin* gungen, deren Notwendigkeit ohne weiteres ein* zusehen ist, noch kaumgenügt. Alleindiezahllosen Bücherformate in Deutschland sind ein sehr un* angenehmer Beweis dafür, wie wenig die Gestal* tung des Buches von den deutschen Verlegern und Künstlern durchdacht ist. Dabei ein sinnloses Schwanken zwischen den Extremen, in dem das Buch augenscheinlich bald für Riesen und bald für Zwerge formiert wird. Wozu dieser fabelhafte Unfug, meine Herren? Sie wollten doch eigentlich Bücher für Menschen machen, und bei denen hat 3

Gebrauchsgraphik de | 1925 | | page 12