doch sonst alles sein regelrechtes MaB. Es ist mehr als lacherlich, daB in Deutschland nicht nur die Verleger verschiedene Formate, sondern jeder Verleger noch für die gleichartigen Werke, wo< möglich ein und desselben Autors, verschiedene Formate hat. Die Kultur des guten Buches ist an eine be* schrankte Zahl wohlerprobter und fester Formate gebunden. Auch hier hat schlieBlich jeder Charakter seinen goldenenSchnitt, denzuerreichen Anspruch des guten Buches ist. In vier, höchstens sechs For* maten lassen sich alle Werke der wissenschaftlichen, schonen, musikalischen und graphischen Literatur zwanglos und bestens unterbringen. Besonders wenn sich die Graphik und Musik z. B. für den Druck ihrer Werke auf das gleiche Format einigen. Das gute Buch ist nichts für Leute, die Bücher nach Gröfie, LJmfang und Gewicht kaufen. Es wendet sich an die Geistigen und Sucher, die es verstehenund lesenwollen. FürseineFreundekann und soil es also so leicht wie möglich sein. China und Japan haben in dieserBeziehung Vorbildliches geleistet. Wer einmal eines ihrer Bücher in der Hand hatte, weiB, wieviel einstweilen unseren Verlegern und Papierfabrikanten von ihnen zu lernen bleibt. Unsere Bücher sind mit seltenen Ausnahmen im Verhaltnis zu ihrem Format, für die freie Haltung noch viel zu schwer. Mit wissen* schaftlichen Werken gar, von den sogenannten Walzern ganz zu schweigen, kann man meistens zur eigenen Entlastung nur am Schreibtisch leben. Das Schwergewicht eines Buches ist stets ein Fehler, der von jedem Leser peinlich empfunden wird. Vermutlich hat es seine Schwierigkeiten, ein leichteres und für die Druckmaschine brauchbares Papier herzustellen. Die leichten Papiere sind noch zu weich. Auf einem zu weichen und zu dicken Papier verquetscht der Druck das Bild der Typen. Das leichtere Papier muB daher gleichzeitig fest, dünn und undurchsichtiggenugsein, umimDruck eine tadellos reine und leserliche Schrift zu liefern, die immer die Hauptsache ist und bleibt. Offen* bar sind die Anforderungen der Verleger, wie im Ganzen, so auch im Hinblick auf das Papier, viel zu bescheiden. Einstweilen ist es daher noch un* glaublich, daB die gröBere Leichtigkeit des Papiers dieerforderlicheFestigkeitundFeinheitausschliefit. Wenn diehöchstenAnforderungen gestelltwerden, laBt sich nur selten das Ideal, aber immerhin sehr viel erreichen. Das gilt auch für die Papierfabriken. Das gute Buch verlangt in jeder Beziehung ein auBerordentliches und starkes Feingefühl, weil die Mannigfaltigkeit der eigentümlichsten Dinge zu erwagen, gegeneinander abzustimmen und in eine geschlossene Wirkung zusammenzubringen ist. Alles muB nicht nur untereinander, sondern auch gemeinsam zu Art und Geist des Werkes das schönste Verhaltnis haben. Ein feinsinniges Ver* standnis für die Eigenschaften des Papiers im Buch ermöglicht es erst, für die Art des Werkes das schönste, also zu ihm passendste Papier auszu* suchen, und natürlich kann für jedes Buch nur eine in der Wirkung ihrer Struktur, Farbe undFeinheit bestimmte Art Papiers die schönste sein. Ein Gleiches, nur auffallender und lebhafter, gilt von der Type, die im Schriftbilde dem Sinn des Buches einen Ausdruck gibt. Das Schriftbild vertragt keinerlei Zugestandnis. Dafür kann die Schönheit seines Ausdrucks, seiner Leserlichkeit und Reinheit im Notfall mit anderen Mangein eines Buches aussöhnen. An ihm laBt sich erst erkennen, wie weit die Pflege des guten Buches gediehen ist, und was ihr fehlt. Wahrend der letzten 20 oder 30 Jahre sind, be* sonders in Deutschland, von einigen geistig her* vorragenden Schriftkünstlern so vielerlei eigenartig schone Typen in Fraktur und Antiqua erfunden und gebildet worden, daB eigentlich alle Möglich* keiten des Ausdrucks gegeben sind, deren unsere zeitgenössische Literatur bedarf. Es liegt nur an der Unkenntnis, Verstandnislosigkeit oderGleich* gültigkeit der Verleger, daB für das gute Buch von diesem Reichtum so schandlich wenig Ge* brauch gemacht wird. Wahrscheinlich ahnen sie nicht, weichen Schaden sie mit diesem Verzicht anrichten. Da jede Type ihren eigenartigen Aus* druck hat, so muB selbstverstandlich die Eigenart der 1 ype mit der Eigenart des Werkes überein* stimmen, wenn nicht zwischen Ausdruck und Sinn ein MiBverhaltnis entstehen soil, das sich von leichten Störungen bis zur Parodie und Gro* teske steigern kann. Die Art des mündlichen Aus* drucks ist doch, wie jedermann weiB, auch nicht gleichgültig. Ein schlechter Vortrag macht das schönste Gedicht langweilig und ein falscher lacherlich. Zwischen der mündlichen und schrift* lichen Mitteilung ist in dieser Llinsicht nur der Unterschied, daB weniger Menschen lesen als hören können. Die meisten sind noch kaum über das Buchstabieren hinausgekommen, wobei natür* lich die Mangelhaftigkeit der Typographic schon weniger deutlich zu bemerken ist. Im übrigen hat aber selbst denen der Dadaismus hinlanglich be* wiesen, daB die Typographic den feinsten Geist mit Lacherlichkeit oder Langerweile töten und ins Sinnlose versetzen kann. 4

Gebrauchsgraphik de | 1925 | | page 13