D IE Zeit, in denen die Mitarbeit des Künstlers am Werden des Buches verschwindend gering war, liegt noch nicht allzu weit zurück. Man lebte zwar in der Erinnerung an Historisches, bewunderte die Werke der groBen Drucker, Verleger und Buch* illustratoren, aber fiir die eigene Buchproduktion hatte man nahezu vollends daran vergessen, daB auch sie vom kiinstlerischen Geiste durchdrungen sein soil. Die Generation, der wir angehören, die sich in harten Kampfen, nach mancherlei Irrttimern und MiBgriffen, den Weg zu buchkünstlerischer Arbeit erobert hat, weiB davon zu erzahlen. Alle Fehler, die wir gemacht, alle Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, sind begreiflich, wenn man bedenkt, daB, als wir zu arbeiten begannen, so gut wie gar nichts vorhanden war. Wirhatten den festen Willen, etwas Neues, vor allem: Anderes zu schaffen, aber da uns technisches Verstandnis und handwerkliche Schulung fehlten, war die Arbeit schwer und reich an Irrtiimern aller Art. Die heu* BUCHKÜNSTLER UND BUCHEINBAND :hans schomburgh: TIER ÜND MENSCH IM URWALD PROF. HUGO STEIN ER.PRAG LEIPZIG tige Generation hat es in dieser Beziehung wesent* lich leichter. Sie iibersieht eine reiche Produktion, baut auf festem Fundament und erspart Umwege. Der Wille zur Typisierung, ob bewuBt oder un* bewuBt, ist allgemein geworden, das Buchideal unserer Zeit hat greifbare Formen angenommen, und man hat erkannt, daB die individualistische Farbung des einzelnen Buchwerkes lediglich durch die Einzelheit und niemals durch Veranderung seines Grundcharakters zu erreichen ist. Man hat nach mancherlei Seitensprüngen wieder den Mut zur Tradition gefunden, und wie auf geheime Ver* abredung arbeiten tausend Krafte in einem Geiste. Dieser Geist geht vom Gegenstande selber aus. Die Zeiten, in denen Wesensfremdes von auBen ins Buch hineingetragen wurde, sind vorüber, vorüber auch das tollkiihne Vordringen um Hand* werkliches unbekümmerter Autodidakten. Aus den gelegentlichen »Buchschmücklern« sind »Buch* künstler«,aus dem »Buchschmuck« ist »Buchkunst« 82

Gebrauchsgraphik de | 1925 | | page 93