DERWERDEGANG DES K NT IN E NTALEN R E K L AM E -VE R BAND E S 57 LiANGE ist es sdion her, seit in den Vereinigten Staaten von Nordamerika sidi alle jene, die in irgendweldier Be- ziehung zur Werbung standen, zu einem grollen Ver bande zusammengeschlossen haben. Dieser Verband, der zunadist den Namen Associated Adoertising Clubs of the World trug und der, nebenbei gesagt, im Jahre 1926 in Philadelphia zur International Adoertising Association umgetauft wurde, hat sidi iiber dem grofien Wasser in höchst anzuerkennender Weise um die Förderung der materiellen und kulturellen Interessen der Werbung ver dient gemadit. „International"war er aber wohl kaum. Zwar hatte sich schon im Jahre 1913 eine kleine aber riihrige fran- zösisdie Gruppe, die „Corporation des Tedmiciens de la Publicité"' ihm angegliedert, aber diese Angliederung blieb allenfalls platonisdi und der kurz darauf aus- brediende Weltkrieg verhinderte audi da einen weiteren Ausbau der angekniipften Verbindungen. Die ersten Jahre nadi dem Kriege braditen aber einen regen Gedankenaustausch zwisdien den an der Reklame interessierten Kreisen in Europa und in den Vereinigten Staaten zastande. Insbesondere waren es unsere briti- schen Kollegen, die sidi sehr fiir die Idee der inter nationalen Arbeit zu erwarmen begannen. Einige Ver bande sdiritten zur individuellen Angliederung und bald war es so weit, daB gelegentlidi der grofien Wembley- Ausstellung (1924) eine Einladung, den WeltkongreB in London zu halten, ergehen konnte, die dann audi driilien angenommen wurde. Der KongreB hatte einen glanzen- den Verlauf und förderte den internationalen Gedanken in solcher Weise, dafi er sdiliefilidi zur Gründung der British Advertising Association fiihrte, die sich dann als Distrikt 14 der Weltorganisation angliederte. Obwohl die kontinentalen Verbande ziemlidi zahlreidi in London vertreten waren, blieben sie doch bis auf wenige Ausnahmen auBerhalb des Rahmens der inter nationalen Bewegung. Da schritt der KongreB 1925, der in Houston (Texas) stattfand, dazu, audi in Kontinental- europa Interesse fiir eine regere Beteiligung zu erwecken, und zwar wurde zuerst besdilossen, die betreffenden Staaten zu einem Distrikt 17 des internationalen Ver- bandes zusammenzufassen. Es mangelte jedodi an jeder tatsachliclien Fiihlungnahme, und so blieb vorlaufig dieser BesdiluB im Bereiche der reinen Theorie. Erst das Jahr 1926 kann als grundlegend bezeidinet werden. An die Spitze des Internationalen Verbandes trat damals zum ersten Male ein Mann von besonderer Erfahrung und Energie, der zugleidi zahlreiche Verbin dungen in allen Landern besafi, Herr C. K. Woodbridge, zurzeit Generaldirektor der Dictaphone-Gesellsdiaft. Gelegentlidi einer seiner Reisen nadi Europa trat er in Unterredung mit Herrn Etienne Damour, Vorsitzendem der Corporation des Tedmiciens de la Publicité, der iibrigens schon in dem erwahnten Jahr 1913 dem Vor- stande dieses Verbandes als Generalsekretar angehörte. Herr Damour nahm die Aufgabe auf sich, den kontinen talen Distrikt 17, so weit es eben ging, zu organisieren und das nötige Material zu einer erspriefilidien Arbeit zusammenzutragen. Kurz darauf wurden in Philadelphia, wo sidi zum Kongresse aufier den britisdien Kollegen verschiedene kontinentale Besudier (unter anderen audi Herr Professor II. K. Frenzel eingefunden hatten. die in Paris getroffenen Vereinbarungen aufs neue be- statigt. Herr Damour ging nun an seine Arbeit heran. Eine rege Korrespondenz wurde mit alien interessierten Kreisen Kontinentaleuropas in die Wege geleitet, und bakl wurde es klar, dafi ein Verband im geplanten Sinne nidit nur möglidi war, sondern dafi man audi dem Ge danken allseits höchst sympathisch gegeniiber stand. Nun hiefl es sobald als möglich eine miindlidie Aus- spradie zustande zu bringen. Gelegenheit dazu bot der Dritte KongreB des Distriktes 14 (Grofibritannien), der fiir Juli 1927 in London einberufen war. Dank dem Entgegenkommen der Spitzen des britisdien Verbandes gelang es, im Rahmen des Kongresses selbst eine Sitzung der kontinentalen Delegierten zu organi sieren. Diese Sitzung fand am 21. Juli statt und nahm einen aufierordentlich erfreulidien Verlauf. Bevollmachtigte Delegierte folgender Staaten hatten sich eingefunden: Belgien Nor wegen Diinemark Oesterreidi Deutsdiland Schweden Frankreidi Sdiweiz Holland Spanien Es ware zu umstandlidi, und im Rahmen dieses kurzen Aufsatzes wohl audi kaum angebracht, den sehr inter essanten Gedankenaustausch, der im besten Einverneh- men vor sidi ging, hier wiederzugeben. Wir wollen uns darauf besdiranken, die widitigsten Entsdilüsse, die ge- fafit wurden, kurz anzufiihren. Als grundlegend wurde festgesetzt, dafi die damalige Besprediung für keine der beteiligten Parteien als bin dend anzuselien ware. Vielmehr wurde disponiert, daB es dem ersten satzungsgebenden Kongresse, der fiir 1928 einstimmig fiir Paris anberaumt wurde, vorbehalten sein sollte, iiber die fiir den neuen Verband lebenswichtigen Eragen endgiiltig schliissig zu werden. Dagegen aber trat der Wunsdi, einen einzigen kon tinentalen Verband zu griinden, und nidit etwa eine gröfiere Anzalil im Rahmen der beteiligten Staaten, so iiber wiegend stark zutage, dafi dieses fiir die kiinftige erspriefiliche Zusammenarbeit so wichtige Moment wohl als bleibend anzuselien sein diirfte. Ferner befafite sich die Versammlung mit der Frage der als offiziell zu geitenden Sprachen innerhalb des Ver bandes: Französisdi, Deutsch und Englisch wurden dazu einstimmig bestimmt. Endlich wurde die Einteilung des Verbandsvorstandes so geregelt, dafi der jeweilige Vorsitzende automatisch auf jedem Kongresse in der Weise bestimmt wird, dafi er als Vizeprasident auf Vorschlag des mit dem folgen- den Kongresse betrauten Landes an der Vorbereitung dieser Zusammenkunft zu arbeiten bestimmt ist und auch an deren Abschlufi sein Amt de facto einnimmt. Vor laufig aber wurde Herr Etienne Damour in seiner Eigen schaft als Griinderprasideni bestiitigt und audi ein stimmig dazu gewahlt, die Vorbereitungen fiir den ersten KongreB, der nun audi tatsachlidi am 22. Mai 1928 in Paris stattfinden wird, zu treffen. In einem folgenden Aufsatze bringen wir iiber die sidi im vollen Sdiwunge befmdlichen Vorbereitungen alle nötigen Einzelheiten.

Gebrauchsgraphik de | 1928 | | page 111