DER GRAPHIKER Wie war es früher: in wuchtigen Gewandern mit bombastischen Gesten schritten die Menschen einher, und ihre darstellende Kunst suchte diese Ausdrucksformen zu übersteigern. Wieistesheute: zweckmafiig gekleidet, rascheste Verkehrsmittel, skeptische Lebensauffassung. Die Kunst folgt ihr, sie übersteigert nicht, sucht Inhalt und Geist schlagwortartig zu vermitteln. Sie kommt zum ab* strakten Bild, der letzten linearen und farbigen Synthese eines Vorganges und zur Karikatur, der lustigen leichten Verspottung. Diese Ausdrucks* form der neueren Kunst, die liebenswürdig kriti* sierende Karikatur ist das Gebiet, auf dem Ger* hard Stein seine starksten Erfolge zu verzeichnen GERHARD STEIN PETER BRUCKER hat, weil es seinem Temperament und seiner Le* bensauffassung am meisten entspricht. Die Tages* gröBen, die das zeitunglesende Publikum im Bilde sehen will, bannt sein flotter Stift mit raschem Erkennen ihrer menschlichen Schwachen auf das Papier. Selbst aus seinen Plakaten spricht immer eine amusante Liebenswürdigkeit, eine gewisse Beschaulichkeit und Behaglichkeit. Er ist ein Kiinstler, der alle Mittel besitzt, sich mit den In* tellektuellen wie mit den breitenMassen des Volkes in einer launigen Bildsprache zu unterhalten. Noch ist er jung und ein Werdender. Seine guten Leistungen werden durch noch bessere iiberfliigelt werden. 34

Gebrauchsgraphik de | 1928 | | page 88