65 Iliustrirten, das die Abenteuer eines Spions an- kündigte, wird heute noch in unserem Ge- dachtnis lebendig sein. Denn in der Wieder- holung liegt ja die Starke des Plakatanschlages, und es spielt durchaus keine Rolle, dab man nicht jedes Plakat sofort beim ersten Blick voll erfabt, denn man begegnet ihm immer wieder, im dich- testen Verkehr des Stadtzentrums wie in den Straben der Vororte. Auch ist es ja nicht die Auf- gabe des Plakates, die Zeitung zu ersetzen. Man sucht und bringt kein Feuilleton an der Saule, sondern es gehort schon zu den Binsenweis- heiten, dab dem Plakat die Rolle des Rufers, des Hinweises und des Mahners eigen ist; und gerade weil es so ist, bedeutet manchmal ein be- wubtes Abgehen von dieser Regel besonderen Erfolg, siehe Wahlplakate, Aufrufe u. dgl. Es ist nur zu begrüben, wenn von irgendeiner Seite der Versuch unternommen wird, Wandlun- gen und Besserungen anzuregen. Aber es ist gleichfalls niemanden zu verdenken, wenn er gegen die Ausführungen Protest erhebt, weil sie zum Teil auf falschen Voraussetzungen beruhen und Erscheinungen als Muster und Vorbild hin- stellen, die Ergebnisse einer völlig anders ge lagerten Entwicklung und zumTeil sogar nur durch die Wirtschaftskrise bedingt sind. Gemeint ist der als Musterbeispiel so oft zitierte Plakatanschlag in der Schweiz. Das ganze Anschlagwesen be- kommt sofort ein anderes Gesicht, wenn man nicht mehr wie hier in Deutschland mit einer Viel- zahl von Formaten zu rechnen hat, sondern wie in der Schweiz jedes Plakat, das zum Anschlag gelangt, dem von Professor Oswald vorgeschla- genen Universalformat (90,5X128 cm) entspricht. In Deutschland mübte zuerst einmal ein solches Normalformat eingeführt werden, bevor man an eine Umwandlung der Reklametrager denken kann. Das ist aber schon eine gewaltige Auf- gabe, urn so mehr, da es viele Reklame-Grob- kunden gibt, die gerade in der freien Wahl des Formats ihrer Plakate, wenn auch das Dinformat zumeist die Grundlage bildet, eine auberordent- iiche Steigerung des Werbewertes sehen. Zum anderen kann man gerade jetzt sowohl in der Schweiz als auch hier in Deutschland vielfach beobachten, dab Plakate der Markenartikel- industrie nicht nur einmal, sondern bisweilen drei-, vier- und fünfmal an einer Anschlagflache nebeneinander angeschlagen sind. Dadurch wird natürlich eine gewaltige Wirkungssteigerung er- zielt, und es können selbst Plakate, die sonst kaum Beachtung fanden, bei dieser Klebeweise die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Es ware aber völlig verfehlt, diese Art der Werbung als Regel zu bezeichnen und nun etwa von den Piakatinstituten zu verlangen, so und nicht anders den Anschlag durchzuführen. Denn dies alles ist weiter nichts als eine Mabnahme mancher An- schlag-Unternehmer, die den freien Raum lieber durch ein Mehrfach-Kleben ausfüllen, als dab sie durch nur zum Teil belegte Flachen den Gesamt- eindruck des Anschlages ungünstig beeinflussen lassen. Der Gedanke, die Plakatsaule zu reformieren, ist schon mehrfach erwogen worden. Ich möchte nur an den Aufsatz: „Reform des Anschlag- wesens" in Heft 3, Jahrgang 5 dieser Zeitschrift erinnern. Auch hier ist von der Schweiz das Normplakat übernommen worden und als Re klametrager eine eckige Normplakatsaule, die in eine entsprechende Anzahl gleich grober Felder aufgeteilt ist, in Vorschlag gebracht. Aber das sind, wie ich schon erwahnen konnte, Lö- sungen, die an ein einheitliches Plakatformat ge- bunden sind und zum anderen eine so gewaltige Kapitalinvestition von seiten des Plakatanschlag- Unternehmers erfordern, dab an ihre Durch- führung in Krisenzeiten gar nicht gedacht wer den kann. Es trifft auch nicht zu, dab die Plakatsaule jahrzehntelang unverandert übernommen wurde. Kopf und Sockei haben oft eine Wandlung er- fahren, und es sind z. B. vom Stadte-Reklame- Konzern beim Ausbau des Anschlagnetzes für manche Stadte Lösungen gefunden worden, die in Form und Ausführung sich vorzüglich in das modernste Strabenbild einpassen. Man hat es sich Mühe kosten lassen, eine den Interessen der Rekiametreibenden dienende, den Stadt- behörden zusagende Form der Saule zu finden. Man sieht also in den Kreisen der Plakat- cnschlag-Unfernehmer durchaus nicht tatenlos zu und ist bemüht, mit der Zeit zu gehen. Aber ich kann mir denken, dab eine Zusammenarbeit aller Interessenten schneller zu einer befriedi- genden Lösung führen könnte. Jedes Werbe- mittel hat seine eigenen Gesetze, gegen die man nicht verstoben darf, wenn der Erfolg eintreten soil, und es geht nicht an zu sagen: „Aendert den Plakatanschlag", wenn man oft genug mit mehr Recht sagen könnte: „Schafft Plakate, die die Strabenluft vertragen können und keine blassen Ateliergewachse sind." Der das Plakat gestaitende Künstler, die Druckerei, die es vervielfaltigt, und das In- stitut, das ihm seinen Platz an der Saule oder Tafel gibt, stehen alle im Dienste der einen Idee, Bestes zu leisten im Interesse des rekiame treibenden Unternehmers, und ich bin der festen Ueberzeugung, dab die deutschen Plakat- anschlag-lnstitute jeder Anregung folgen wer den, die wirklich einer vernünftigen und zweck- mabigen Umgestaltung des Plakatanschlags dient und seinen Wert für den Rekiametreibenden erhöht.

Gebrauchsgraphik de | 1931 | | page 87