DER VERMIETER VON REKLAMEFLACHEN HAT KEINE PFLICHT ZUR FERNHALTUNG VON KONKURRENZ Die Gelegenheit zu sensationellen Vorstöften ist trotz der kritischen Zeiten nicht ungünstig. Das Publikum ist wieder aufnahmebereit. Aber man lasse den gutstilisierten Hering, oder das absicht- lich verkehrt sitzende Blatt am Rosenzweig, und aas neusachlich oder abstrakt photographierte Hühnerei lieber beiseite und gestalte ohne Ge- wissensbisse wieder Sensationen. Die Werbe- graphik ist nicht umzubringen, wenn sie lebendig, frisch und gekonnt ist und nicht zu vornehm oder zu langweilig, urn zum Volke zu sprechen und dessen Sensationsbedürfnis zu befriedigen. Alle Kunstgattungen sind gut, aufter der langweiligen Kunstgattung sagt Voltaire. STANDIGE AUSSTELLUNG FUR WERBEGRAPHIK AM KURFÜRSTENDAMM 153 Der Bund Deutscher Gebrauchsgraphiker, Gruppe Berlin-Brandenburg EV., eröffnet Mi'rte September d.J. Ausstellungsraume, Kurfürsten- damm 153, in denen allmonatlich wechselnd werbegraphische Entwürfe und Ausführungen gezeigt werden. Für alle Werbung in Ansprucn nehmenden Firmen werden diese Ausstellungs raume Anregung bringen. Es wird auch Ge legenheit geboten sein, daft die Werbeleiter dieser Firmen mit denjenigen Kraften in Ver- bindung gebracht werden können, die sie suchen. Grofte Sammelwerke über Arbeiten der Mit- glieder geben sofort ein Bild über deren Arbeits- gebiete und Leistungsfahigkeit. Im Leseraum werden alle Fachzeitschriften ausliegen. Der Besuch der Ausstellung, die Benutzung der Bibliothek, sowie die Beratung durch die Ge- schaftsstelle in allen Werbefragen ist für jeder- mann frei. Die Ausstellung wird taglich von 10 bis 5 Uhr geöffnet sein. Dr. KRENTZ Ein Ladenbesitzer fühlte sich durch die An- bringung eines Schildes eines Geschaftskonkur- renten in unmittelbarer Nahe seiner eigenen Re- klameflache geschaftlich geschadigt und ver- langte mit der Klage Verurteiiung des Beklaaten zur Beseitigung des Schildes und zur Unter- lassung der Anbringung eines Reklameschildes ahnlichen Inhalts. Zwar hat die Rechtsprechung angenommsn, daft der Vermieter von gewerblichen Raumen, ins- besondere von einem Laden, der zur Ausübung eines Gewerbes vermietet ist, nicht in dem gleichen Grundstück Raume an ein Konkurrenz- geschaft vermieten darf. Bei der bloften Ver- mietung einer Wandflache zur Anbringung von Firmen- oder Reklameschildern liegt die Sache aber wesentlich anders. Wer von einer gröfteren Flache, die dazu be- stimmt ist, Firmen- oder Reklameschilder an- zubringen, einen einzelnen Abschnitt mietet, er- wirbt damit keinen Anspruch darauf, daft nicht auch andere Felder derselben Flache an Kon- kurrenten zum gleichen Zweck vermietet werden. Gerade bei den Reklamemitteln ist es etwas All - tagliches, daft z. B. in Zeitungsinseraten, an An- schlagsaulen, bei wechselnden Lichtreklamen und bei Lichtbildern, wie sie in Theatern und Vergnügungs-Etablissements in den Pausen ge zeigt werden, die Reklamen von Konkurrenz- firmen unmittelbar aufeinander oder in kurzen Abstanden sich folgen. Bei der Anbringung des Schildes des Be- klagten liegt auch die Gefahr der Verwechslung des Schildes mit dem Schilde der Klagerin nicht vor, zumal sich zwischen beiden Schildern ein Zwischenraum von 40 cm befindet. Denn darin allein, daft der Beklagte an dem in der Nahe des Geschaftes der Klagerin befindlichen Hause des Beklagten unter dem Firmenschild der Kla gerin ein auf ihr eigenes Geschaft hinweisendes Schild anbrachte, kann ein Verstoft gegen die guten Sitten nicht erblickt werden. (Urteil des Oberlandesgerichts Breslau vom 26. Marz 1931. 17. U. 3580. 30).

Gebrauchsgraphik de | 1931 | | page 90