SWIATOSLAW HORDINSKIJ LEMBERG o'j 1/10 HA [—1 1 HEC Al P M u a P P O C A <1 D K O M A P .1 Die moderne ukrainische Kunst ist nicht so eindeutig zu tassen, wie etwa die polnische oder die tschechische. Denn die Ukraine ist zwar ein geographischer und ethnographischer Begriff, aber kein po- litischer. Die Ukrainer leben teils im Verbande der russischen Sowjetunion, teilweise in Polen und teilweise in Rumanien. Es machen sich dementsprechend mannigfaltige Einfiüsse geltend. Lemberg bildet das Zentrum des kulturelien Lebens der Westukraine. Der Charakter der Stadt ist geradezu durch das Nebeneinanderbestehen von pol- nischen und ukrainischen Wesenszügen bestimmt. Das Kennzeichnende des ukrainischen Geisteslebens ist die Zugehörigkeit des Volkes zur unierten Kirche also letzten Endes zur byzantinischen Kultur, wenn man den Dingen historisch nachgeht. Für die künstlerische Einstellung des Ukrainers bedeutet dieser Umstand eine innere Vertrautheit mit der alten Ikonenmalerei. Dazu kommt noch die lebendige Nach- wirkung einer urtümlichen Volkskunst von starker Farbigkeit und form- schöpferischer Kraft alles das Bedingungen, die für die Entwicklung einer modernen dekorativen Kunst überaus günstig sind. Aus diesem Milieu kommt Swiatoslaw Hordinskij. Er hat bereits in jungen Jahren den Weg aus seiner osteuropaischen Heimat nach Paris gefunden. Dort hat er sich mit den Strömungen der modernen Kunst ein- gehend auseinandergesetzt. Vor allem waren es die Richtungen der abstrakten Malerei, des Kubismus und des Surrealismus, die ihn anzogen. Aber er hat auch Stilleben von beachtenswerter malerischer Kultur geschaffen, bei denen der Natur- eindruck das bestimmende Element war. Schliefilich aber bekamen die dekorativen Krafte in seinem Schaffen die Oberhand. Hordinskij vertauschte das Oelbild mit der Gebrauchsgraphik. Dabei kamen ihm seine Studiën sehr zu statten. Die Leichtigkeit, mit der er die Formen der Natur beherrscht, gestattet ihm, in der Umformung der Wirklichkeit so weit zu gehen, wie es seine dekorativen Ab- sichten erfordern, ohne dabei jemals leer zu wirken. Andrerseits macht sich die stilistische Schulung des Kubismus günstig bemerkbar, und in der geistigen Frei- heit, mit der er seine Themen behandelt, möchte man einen Widerhall surrealistischer Anregungen sehen. Soweit das Erlernte. Was aber Hordinskijs Arbeiten erst ihre Eigenart verleiht, ist die höchst persönliche Art, in der die überlieferten ukrainischen Stilelemente darin zu neuem Leben erweckt sind. Unverkennbar herrscht in diesen Buch- einbanden und Packungen ein spezifisch osteuropaisches Kunstwollen. Die Bunt- 44

Gebrauchsgraphik de | 1933 | | page 64