WIRTSCHAFT UND WERBUNG LEBENSHALTUNG UND KAUFKRAFT DER DEUTSCHEN ANGESTELLTENSCHAFT Dr. WALTER PUTTKAMMER Es kommi in Deutschland nur relcitiv selten vor, dafï gröftere statistische Erhebungen unabhangig von den amtlichen Zahlungen von privater Seite oder von Verbanden durchgeführt werden. Und noch seltener ist es, daft die Ergebnisse solcher Zahlungen der Oeffentlichkeit zuganglich ge- macht werden. Eine um so gröftere Freude ist es, auf eine durchaus gelungene Erhebung hin- weisen zu können, die der Gewerkschaftsbund der Angestellten unter seinen Mitgliedern durch geführt hat. Aus dem reichhaltigen Zahlen- material, das diese Enquete gesammelt hat, und das sich auf fast alle sozialen, beruflichen, wirt- schaftlichen, betriebspolitischen und selbst biolo- gischen Fragenkomplexe der Angestelitenschaft bezieht, interessiert einiges auch sehr stark den Marktanalytiker, und zwar als grundlegendes Material, das seine Bedeutung auch heute und in Zukunft nicht verliert, obwohl die Zahlen selbst sich im allgemeinen nicht auf die Depressionszeit, sondern auf den Zeitpunkt der Hochkonjunktur beziehen1). Die 1929 veranstaltete GDA.-Erhebung wurde im ganzen deutschen Reich durchgeführt, das hierbei in 18 Gaue gegliedert wurde. Insgesamt wurden 150 000 Fragebogen versandt und be- antwortet. Jeder Fragebogen enthalt über 100 Fragen. Ueber die Bedeutung der Angestelitenschaft in der Volkswirtschaft und über ihre Stellung als Verbraucherschaft kann kein Zweifel herrschen. Sie bildet hinter der Arbeiterschaft und neben den sogenannten „mithelfenden Familienange- hörigen" die starkste Gruppe von Erwerbs- tatigen. Leider laftt sich ihre ganz genaue Zahl nicht angeben, da sie in der amtlichen Statistik zusammen mit den Beamten in einer Gruppe aufgeführt werden. Jedenfalls aber laftt sich eindeutig feststellen, daft ihr absolutes und ihr relatives Gewicht standig im Steigen begriffen ist, daft also auch ihre Bedeutung als Kaufer- schicht dauernd wachst. So betrug beispielsweise der Zuwachs der Arbeiter in der Zeitspanne von 1907 bis 1925 24 Proz., der der Angestellten und Beamten aber 133 Proz. lm Höhepunkt der Kon- junktur 1929 betrug das Volkseinkommen etwa 70 Milliarden Reichsmark, darunter das Ein- kommen aus Lohn und Gehalt etwa 45 Mil liarden; der GDA. schatzt, daft hiervon etwa 10 Milliarden auf das Einkommen der Angestell ten entfallen, deren Gesamtzahl er übrigens auf 2,3 Millionen mannliche und 1,2 Millionen weib liche berechnet. Eine relativ rohe Uebersicht gliedert die Ange stellten in drei Schichten, das Gros, eine Mittel- und eine Oberschicht: Mannliche Weibliche Zusammen Anteil Durch- Anteil Durch- Anteil Durch- an der schnitts- an der schnitts- an der schnitts Schicht einkom. Schicht einkom. Schicht einkom. Gros 32,18 183 RM 72,04 136 RM 42,34 162 RM Mittelschicht 47,53 279 RM 25,44 205 RM 41,90 267 RM Oberschicht 20,29 376 RM 2,52 280 RM 15,76 372 RM Soeben erschien im Druck ,,Die kommende Angestellten-Generation", eine sozialstatistische Untersuchung, Sieben-Stabe-Verlag, Berlin, 1933. Andere Ergebnisse der Enquête enthalt der in demselben Verlag erschienene Band „Die wirtschaftliche und soziale Lage der An gestellten". Die mannlichen Angestellten schneiden also nach Stellung und Einkommen besser ab als die weib- iichen. Interessant ist vom sozialen wie vom wirtschaft- lichen Standpunkt eine Betrachtung der Alters- gliederung und der Familienverhaltnisse der An gestellten. (Tabellen I und II.) Die für Marktanalysen wichtigsten Ergebnisse der Enquete sind die Feststellungen über die Ge- halts- und Einkommensverhaltnisse, die Auf- schlüsse über die Kaufkraft geben. Das Durchschnittsgehalt für die mannlichen An gestellten betragt 267 RM. 50,2 Proz. aller mannlichen Angestellten fallen auf die unter diesem Durchschnitt liegenden Gehaltsstufen bis 250 RM. Das Durchschnittsgehalt für die weib- 68

Gebrauchsgraphik de | 1933 | | page 88