B E S P R E C H U N G E N Rudolf Koch und sein Kreis. Der Kunst-Dienst (Berlin-Spandau, Evgl. Johannesstift) veranstaltet zu Ehren des kürzlich verstorbenen Meisters der Schrift, Prof. D. Rudolf Koch, eine Ausstellung der Arbeiten seiner Werkstatt. Fur Berlin wird damit erstmalig ein umfassender Ueberblick über das Schaffen des Meisters und seiner Schüler geboten. Die Gedachtnisausstellung wird am 2. Juni im Lichthof des alten Kunstgewerbemuseums, Berlin, Prinz-Albrecht-Str. 2, eröffnet. Maximilian. Maximilian-Antiqua. Gebr. Kling- spor, Offenbach a. M. Hat sie ihren Namen von Kaiser Max, dem letzten Ritter und Förderer der Künste? Maximilian ist eigentlich eine Zierschrift, trotzdem sie in dieser Schriftenprobe auch mit Er- folg als Brotschrift angewendet wird. Sie behalt etwas Festliches auch als Antiqua. Das tritt in den Anwendungsbeispielen von Blatt zu Blatt deut- lich, ja, gebieterisch in Erscheinung. Festlich wirkt auch das vornehme Titelblatt. Die Maximilian stammt von Rudolf Koch. Der gröftte deutsche Schriftkünstler seit hundert und mehr Jahren ist tot. Das deutsche Schrifttum, das ihm so viel ver dankt, hat sich in Nekrologen wirklich nicht über- maftig ausgegeben, ein Beweis, daft eines der wichtigsten Güter unserer Kultur beim Volk der Dichter und Denker noch immer nicht nach seiner Bedeutung gewürdigt wird. Es ist fast ein wenig beschamend. Alle Glocken Deutschlands hatten gelautet werden müssen. Neues setzen an die Stelle vom Alten. Bauersche Giefterei, Frankfurt a. M. Eine eindringliche, gut begründete Mahnung an den Drucker, seinen alten, schadhaft und unmodern gewordenen Schriftenbestand durch neues Material zu er- setzen. Einige unserer schonen deutschen Schriften. Gentzsch Heyse, Schriftgiefterei, Hamburg. Von den gezeigten Schriften sagen uns beson- ders zu die „Marienburg", die „Fette Fraktur" und die „Fette Gotisch". Tannenberg, die neue deutsche Schrift. Schrift giefterei D. Stempel AG., Frankfurt a. M. Die Mappe führt die „Tannenberg" in vielfacher An- wendung vor, in Eintrittskarten, Geschaftskarten, Preislisten, Speisekarten, Theateranzeigen usw. Ob die „Tannenberg" in Verbindung mit anderen Schriften auftritt oder aHein bestimmend ist, ob einfarbig oder mehrfarbig, immer verleiht sie der Drucksache Stil und Haltung. Eine akzidentelle Kostbarkeit ist der Prospekt „Industriedruck Königsberg". Dagobert II. Jetzt mit voller Kraft ans neue Werk. Neue Leip- ziger Zeitung, Leipzig. Eine Werbedrucksache im Zeitungsformat, aber auf Kunstdruckpapier. Schade, daft durch den Versand das prachtige Umschlagbild (Photo von Thorlichen) gefalzt wurde. Es ware würdig, gerahmt zu werden. Dem groften Format paftt sich der Inhalt an, auch er hat etwas Groftzügiges. Fanal. Flamme. Schriftgiefterei Schelter Giesecke A.-G., Leipzig. Die beiden schonen Auszeich- nungsschriften „Fanal" und „Flamme" kommen in diesem mit feinstem Geschmack ausgestatteten Schriftmusterheft famos zur Geltung. Entwurf: Will Bürtin, Köln. „Deutschland" Muster. H. Berthold, Schriftgiefterei A.-G., Berlin. Die meisten dieser Satzbeispiele sind ohne irgendwelchen Schmuck gesetzt. Sie wirken also lediglich durch die strenge Schönheit der Type und die adaquate Anordnung des Satz- bildes. Aber gerade in dieser Zurückhaltung liegt der besondere Reiz der Arbeiten. Selbst die ein- farbigen Proben wie die Inserate „Palmolive", „Hautana" oder der Briefkopf „Werberat der deutschen Wirtschaft" sind unübertreffliche Leistungen. Man möchte der „Deutschland" wünschen, daft sie stets mit diesem reifen Ver standnis gehandhabt würde. Sie verdient es. Ein Mappchen mit Schriftproben. Genzsch Heyse, Schriftgiefterei, Hamburg. Eine geschmack- volle Glückwunschkarte zum Jahreswechsel liegt obenauf. Es folgen Proben meist sogenannter deutscher Schriften, eine Seite enthalt die Schrift- grade, die andere gefallige Anwendungsbei- spiele der betreffenden Type. 75 Jahre Qualitatsdruck. Vereinigte Kunst- anstalten A. G. Kaufbeuren (Bayern). Die Fest schrift ist „der allgemeinen Wirtschaftslage und den sich daraus ergebenden Auswirkungen" ent- sprechend zu einem dreiteiligen Prospekt zu- sammengeschrumpft. Dieser ist jedoch ge- schmackvoll und drucktechnisch eine hochwertige Leistung. Das Bild vom Raum, vom Menschen, vom Material auf deutschem Kunstdruckpapier. Erstklassige Photos, prachtige Drucke mit delikatester Ver- wendung der Farbe. Ein Erzeugnis von feinstem, auch im kleinsten sicherem Geschmack. Farbiger 66

Gebrauchsgraphik de | 1934 | | page 86