WIRTSCHAFT UND WERBUNG DIE ZAHL DER ZEITUNGEN IN DEUTSCHLAND Priv.-Doz. Dr. Hans Traub, Berlin-Greifswald 61 Erstmalige Gesamtberechnung auf Grund der neuen Volkszahlung und der Bestimmung über die Auflagennennung Die Zahlung von Zeitungen und ihre Auswertung hat von jeher beansprucht, mit besonderer Vor- sicht aufgenommen zu werden. Der Grund hier- für liegt vorzüglich in der mehrdeutigen Aus- legung des Begriffes „Zeitung", der einmal eine Abgrenzung gegenüber der Zeitschrift erfordert, dann aber auch eine Klarung gegenüber seiner eigenen Vieldeutigkeit als Zeitungsblatt, Zeitungs- nummer, Zeitungsunternehmen u. a. m. Schliefilich kritisierte man mit vollem Recht die Verhaltnis- ziffern, die gelegentlich mit der Anzahl der Zei tungen in Beziehung zu der Gesamtbevölkerung errechnet wurden. Urn so bedeutsamer ist es, dafi man nach mühevoller Arbeit auf Grund einer Originalumfrage jetzt versucht hat, zum ersten Male eine Zeitungsstatistik zu schaffen, welche allen diesen kritischen Einstellungen versucht Rech- nung zu tragen*). Das Neue der Zeitungsstatistik von Anfang 1934 liegt in der Möglicnkeit, die Auflageziffern dank der Bestimmung zur Auflagenennung für solche Blatter, die auch Anzeigen aufnehmen, und die Zahlen der letzten Bevölkerungsstatistik über Haushaltungen und Einwohner gemeinsam zu verwerten. So ergibt sich ein höchst geschlossenes Bild des deutschen Zeitungswesens. Die von der Zahlung naher zu bestimmenden Ein- heiten waren: Auflage und Zeitung. Unter „Auf- lage" wurde die durchschnittliche Druckauflage verstanden, wie sie im Pflichtindruck (Impressum) die Blatter im Januar/Februar 1934 selbst ver- öffentlichten. Unter „Zeitung" verstanden wir die politische Tageszeitung, die damit nicht taglich zu erscheinen braucht, sondern auch zweimal, drei- mal, selbst, wie bei den Montagsblattern, nur ein mal wöchentlich erscheinen kann, aber durch die Bevorzugung der Nachrichtengebung und der ailgemein politischen Publizitat ausgesprochenen Vgl. „Handbuch der deutschen Tagespresse", herausgegeben vom „Deutschen Institut für Zeitungskunde", Berlin. Zeitungscharakter tragt, etwa im Gegensatz zu einer Reihe von deutschen Sonntagszeitungen. Diese, wie alle Fachblatter und Zeitschriften, blie- ben unberücksichtigt. Unter den politischen Tages- zeitungen wurde aber jedes Blatt gezahlt, das durch seine Angaben im Kopf oder durch eine besondere Gestaltung eines Inhaltsteiles, meist des lokalen Teiles, für ein bestimmtes Verbrei- tungsgebiet herausgegeben wird. Vertreibt also eine Zeitung ihre Nummern gleichzeitig mit ge- andertem Inhaltsteil oder Titel einmal für das Land, das andere Mal für die Stadt, oder gibt sie ihre Nummer als sogenannte Nebenausgabe oder Kopfblatt heraus, ein Unterfangen, das durch die Zeitungspolitik im neuen Staate weit- gehend eingeschrankt werden kcnnte, so wur den diese Ausgaben als eigene Zeitungen ge zahlt. Unter Berücksichtigung dieser Auslegung der Zahleinheiten erhalten wir folgende Ergebnisse: Deutschland verfügt über 3097 Zeitungen, damit kommen auf eine Zeitung 21 048,96 Einwohner oder 5724,73 Haushaltungen oder 16,73 Wohn- orte. Die Auflageziffern je einer Nummer dieser 3097 Zeitungen betragt: 16 687 945 Gesamtauflage; damit kommen auf ein Zeitungsstück 3,91 Ein wohner oder 1,06 Haushaltungen. Die Auflage ziffern der Nummern dieser 3097 Zeitungen im Ablauf einer Woche bekanntlich erscheinen die deutschen Zeitungen innerhalb der Woche zwischen einmal bis vierzehnmal verschieden oft betragen: 105 527 722 Wochenauflage (als Unterscheidung zur „Nummernauflage" eine „Periodenauflage"*); damit kommen auf ein Zei tungsstück in der Woche 0,74 Einwohner oder 0,20 Haushaltungen. Nimmt man an, dafi Auf- lageziffer, Erscheinungsweise und Anzahl der Zei- Vgl. Traub, H.: „Grundbegriffe des Zeitungswesens", Stuttgart (Forlsetzung auf Seite 64)

Gebrauchsgraphik de | 1934 | | page 83