66 Psyche, der Mode, dem Gemeinschaftswolleri und stellt dabei das Vorhandensein zweier Ten- denzen test: die Einförmigkeit der Bedarfsgestal- tung, d. h. das Anknüpfen des Verbrauchers an den vergangenen Verbrauch, und die Gleich- förmigkeit der Bedarfsgestaltung zwischen ver- schiedenen Haushalten. Aus dieser Herrschaft der Ein- und Gleichförmigkeit ergibt sich die Be- rechtigung zur Anwendung statistischer Methoden bei der Untersuchung des Bedarfs. Daran knüpfen dann die Erörterungen des Verfassers über die Gesetzmafiigkeiten des Verbrauchs und über die Schrumpfung und Ausdehnung des Bedarfs an. Er untersucht dabei die Bedarfsanalyse vom Standpunkt von Betriebsgesamtheiten, vom Standpunkt der Branchen und vom Standpunkt der einzelnen Unternehmung aus, wobei er ein- zelne Branchen-Bedarfsanaiysen praktisch zur Darstellung bringt. Auf einige wichtige Ergeb- nisse seiner Untersuchung sei noch eingegangen: Die Bedarfsausdehnung ist der einzige Grund für eine dauerhafte allgemeine Wirtschaftsbelebung. Der Verbraucher mufi im Interesse der nationalen Wirtschaftspolitik zur vernunftgemafien Wirt- schaftsführung erzogen werden, indem mit Hilfe der Propaganda gewollte Gleichförmigkeiten des Yeibrauchs herbeigeführt werden, alierdings bei gleichzeitigem Aufbau der Mannigfaltigkeit des Bedarfs, die zum kulturellen Fortschritt unbedingt notwendig ist. Diese durch Propaganda geför- derten Gleichförmigkeiten führen zu einem neuen, wirtschaftlich und moralisch gerecht- fertigten Begriff der Mode. Sandig mufi schliefilich wie jeder Marktanalytiker feststellen, dafi das bisher für markt- resp. bedarfsanaly- tische Zwecke vorliegende Material nur eine rohe, keine endgültige Auskunft gibt. Er richtet daher die Aufforderung zur Weiterarbeit an alle, die es angeht, an die amtlichen Stellen, die Betriebe selbst und an die Betriebs- und Volkswirtschaftler. Er umreifit schliefilich das Ziel und die Grenzen marktanalytischer Forschung: „Wissenschaftliche AAarktanalyse sucht nach Erfassung von allem und jedem im Markte der Betriebswirtschaft, das er- klart und dargestellt werden kann. Sie endet aber in der demütigen Erkenntnis, dafi allem menschlichen Wissen urn das Tun und Lassen anderer Menschen Schranken gesetzt sind. Markt analyse vermag nichts als die Schranken immer v/eiter hinauszuschieben. Dadurch hilft sie das Blickfeld weiten. Sie lehrt Zusammenhange sehen. Damit ist ihr Ziel erreicht." Es sei auch noch auf einen Artikel des gleichen Verfassers, „Bedarfsgerechte Wirtschafts- führung" in der „Zeitschrift für Handelswissen schaft und Handelspraxis", Jahrgang 1934, Heft 3, hingewiesen, der auch als Sonderdruck bei Poeschel-Stuttgart erschienen ist. Mit der Werbung selbst befafit sich ebenfalls eine vorzügliche wissenschaftliche Studie: „Unter nehmung und Werbung" von Dr. Arthur Lisowsky, Professor an der Handelshochschule St. Gallen (Betriebswirtschaftliche Studiën der Handelshochschule St. Gallen, Heft 13, St. Gallen 1934, Verlag der Fehrschen Buchhandlung, 16 Sei- ten, Preis 1,30 RM.). Das Heft ist ein „Beitrag zur Grundlegung einer wirtschaftlichen Werbelehre". Der Verfasser sucht zu beweisen, dafi Betrieb und Werbung eng zusammengehören, dafi eine Unternehmung ohne Werbung nicht denkbar ist, auch ein Monopoiunternehmen nicht, dafi die Reklame für jeden Betrieb „Lebensquelle" ist, und er untersucht schliefilich die „Werbe-lntensi- tat" der einzelnen Gruppen von Unternehmun- gen. Die reklamefreundliche Schrift soilte bei Betriebsführern und Betriebswissenschaftlern gleichermafien Beachtung finden. Auch diese Schrift geht an dem grofien heutigen Problem der Gesinnungsanderung im Wirtschaftsleben nicht vorbei und weist auf die Fragen einer Parallelitat zwischen Werbeerfolg und Anstandigkeit hin. Zwei gute Bücher behandein die juristische Seite der Werbung. Dr. C. v. Braunmühl und Dr. K. Zweck, beide vom Werberat der deutschen Wirtschaft, legen unter dem Titel „Wirtschafts- werbung" einen „Kommentar zum Gesetz vom 12. September 1933 nebst Durchführungsverord- nungen und den Bekanntmachungen des Werbe- rats der deutschen Wirtschaft" vor. (Taschen-Ge- setzsammlung Band 160, Carl Heymanns Verlag, Berlin 1934, 374 Seiten.) Behandelt sind das Ge setz über Wirtschaftswerbung, die drei Durch- fuhrungsverordnungen dazu und die ersten neun Bekanntmachungen des Werberats. Die Kom- mentierung ist nicht nur für Juristen bestimmt, sondern als gemeinverstandliche Erlauterungs- schrift für alle am Werbewesen Beteiligten ge dacht, so dafi das Buch in die Hand jedes Werbe- mannes und jedes Kaufmanns als notwendiges Arbeitsmittel gehort. Vielleicht könnte in einer spateren Ausgabe auch noch das für die Wer bung wichtige Zugabeverbotsgesetz und das Rabattgesetz mit abgedruckt werden, so wie es Dr. K. Junckerstorff in seiner Broschüre

Gebrauchsgraphik de | 1934 | | page 88