Der verlorene Feldzug The Lost Campaign Diese Eigenart finden wir auch in den meisten Holzschnitten von Róssing er arbeitet mit festen, sehr vereinfachten Konturen, lafit die Halbschatten in den hellsten Stellen fort, verwendet eine sehr sparsame Aufhellung der dunklen Flachen und strebt eine flache dekorative Wirkung an. Das sind die Grundregeln, nach denen Róssing seine künstlerischen Aufgaben lóst. Und gerade das sind die Gesetze der oben bezeichneten Vorbilder. Dieses Festhalten an der Wirkung, die in den Eigenheiten des Mate rials Metall, das immer weniger nachgiebig ist als Holz begründet ist, bedeutet Treue zum Werkzeug und zu dessen ursprünglicher Logik. Die Gegenüberstellung der Flachen, der Dunkelheit und des Lichtes, ihre Organisation und ihre Beherrschung das ist die Grundtradition der deutschen Graphik. Róssing ist deren würdiger Vertreter. Die Vollkommenheit, die der Metallstich erreicht hat, hat auch den Holzschneider gezwungen, neue Ausdrucks- möglichkeiten zu suchen. Es gab immer weniger „recht glaubige" Holzschneider. Man begann das Holz als Material und den Stichel als Werkzeug immer weniger zu schatzen. Róssing bildet eine erfreuliche Ausnahme. Er verfolgt keine komplizierten Ziele, und die Bereicherung der graphischen Palette, die von der französischen Schule angestrebt wird, interessiert ihn nicht. Der Holzschnitt ist die Kunst des Schwarz und Weift, und Róssing bemüht sich, einfach beides so gut wie möglich zu zeigen. Man sollte meinen, dab Róssing die gröftte Anhanger- schaft unter den zeitgenössischen deutschen Holzschneidern hat. Denn zum Aufnehmen seiner Technik ist eine ge wisse erbliche Voraussetzung da. Ausgesprochen Deutsch ist auch die Themenstellung von Róssing. Sie ist der Ausdruck der unsterblichen deut schen Romantik. Romantik ist die Verbundenheit mit der Vergangenheit. Alle Holzschnitte von Róssing haben 32

Gebrauchsgraphik de | 1935 | | page 58