42 Reiz, zu dem man immer wieder mit Vergnügen greifen wird. Natürlich hat Unold auch eigene Zeich- nungen beigesteuert. Das zweite Buch betrachtet Dinge urn uns herum, vom „Alltag bis zum Zwetsch- gendatschi"! Geschichten, die so bezaubernd ge- schrieben sind, dab man völlig ausgewechselt die Welt betrachtet. Voll von Heiterkeit und angenehm gescheiten Einfallen ist es obendrein. Zwei prachtige Geschenkbücher! (Max Unold: „Zwischen Atelier und Kegelbahn" und Ernst Kammerer: „Alltag bis Zwetsch- gendatschi, ein heiteres Lexikon von AZ". Beide Bücher im Societats-Verlag, Frankfurt a. M.) Anton Sailer Mergenthaler Setzmaschinen-Fabrik, Berlin. Zu den gebrauchlichsten Zeitungsschriften, der Amtsfraktur und der König-Type, gesellt sich jetzt eine neue Ge- brauchsschrift, die Dr. Rudolf Wolf, Frankfurt a. M., für die Mergenthaler Setzmaschinen-Fabrik G.m.b.H., Berlin, entworfen hat. Diese neue Fraktur, die in erster Linie für die Zeitschrift und Zeitung Verwen- dung finden soil, vereinigt das Lebendige der Feder- züge mit der klar und sicher gestalteten Form zeit- gemaben Ausdrucks. Sie hat den sinnentsprechenden Namen „Görres-Fraktur" erhalten, mit dem an den groben rheinischen Publizisten und Kampfer für Deutschlands Freiheit gegen napoleomische Willkür dankbar erinnert werden soli. Die verschiedenen Vorzüge dieser neuen Gebrauchsschrift im Buch- staben- als auch im Satzbild werden durch den vor- liegenden Sonderdruck: Joseph Görres, Dieteutschen Zeitungen (Berlin 1940), einen etwas gekürzten Ar tikel von Görres aus dem denkwürdigen Rheinischen Merkur des Jahres 1814, eindrucksvoll veranschau- licht. Dieser schone Neudruck, den übrigens der be- kannte Berliner Zeitungswissenschaftler Prof. Dr. Emil Dovifat vortrefflich eingeleitet hat, wurde im Korpus- Grad der Görres-Fraktur mit Flalbfetter auf einer Viermagazin-Linotype Modell 16 gesetzt. Die typo- graphische Gestaltung besorgte W. Smuda. Von der Mergenthaler wird auch die Flerausgabe einer neuen Antiqua von Paul Renner als Setz- maschinenschrift auf der Linotype angekündigt. Diese Renner-Antiqua, dem Stil nach den Mediaeval-Schrif- ten zugehörig, ist bei aller Strenge und Prazision ihres Buchstabenbildes eine interessante und eigen willige Neuschöpfung von beinahe heiterer Be- schwingtheit. Ihre subtile Feinheit kann bei über- legter Anwendung dem schonen Buch und der pfleg- lichen Drucksache eine reizvolle und neuartige Atmo- sphare verleihen. Zunachst sind, wie ein Werbeblatt mitteilt, die Grade Petit, Borgis und Korpus heraus- gekommen. Walther G. Oschilewski. Schriftgub K.-G., Dresden. Von der Schriftgub K.-G., vormals Gebr. Butter, Dresden, liegt uns eine Reihe von Musterheften ihrer neueren Schriften vor, die einen vorzüglichen Eindruck machen. Die Schriften selbst bezeugen das Bestreben, dem Druckgewerbe geeignetes Material für neuzeitliche Gestaltungsmög- lichkeiten zuzuführen. Vor allem in der Herausgabe von vornehmen Auszeichnungs- und Akzidenzschriften hat die Dresdener Firma Bemerkenswertes geleistet. Da ware in erster Linie die „Burgund" (nach Zeich- nung von Martin Wilke), die „Ambassador" und die „Splendor" zu nennen, drei Schriften von ele ganter Federführung, die sich ausgezeichnet für an- spruchsvolle Werbedrucksachen und Akzidenzen e-ignen, ferner die lichte „Ramona", die eigenwilligen Grotesk-Versalien der „Maximum" (in zwei Serien) und die schone „Patria", die schwungvolle „Energos" mit ihrer Wirkung geschriebener Schlagzeilen und die für Reklame-Drucksachen und Zeitungsanzeigen sehr brauchbaire „Stafette". Von den neueren Frak- turschriften ware die ausdrucksstarke „Marggraff- Deutsch (auch im fetten Schnitt) von Gerhard Marg- graff besonders hervorzuheben. Die sachlich straffe und auch graphisch schone Fraktur, deren Buch- stabenbilder aus den vom gleichen Künstler ent- worfenen Amtsschildern des Deutschen Reiches ent- standen sind, entspricht dem völkischen Formwillen der Gegenwart. Ihr Gebrauchswert für vielseitige Verwendung in der Praxis des Alltags liegt auf der Hand. Die „Gilden-Fraktur" nach Zeichnung von Erich Meyer setzt die bewahrte Tradition der klassi- schen Frakturen neueren Stils in chairaktervoller LinienfÜhrung fort. W. G. Oschilewski Klingspor-Kalender 1940. Der diesjahrige Klingspor- Kalender (Gebr. Klingspor, Offenbach a. M.) ist eine besonders sinnvolle Gabe zum Gutenberg-Jahr 1940. Er ist in seiner künstlerischen Gestaltung ganz ein Werk des deutschen Meisters Otto Hupp, gesetzt in seiner Gotisch, Antiqua und Fraktur und mit dekora- tiven Wappen der 12 bedeutendsten Stadte der Früh- druckzeit geschmückt, die mehrfarbig auf Zerkall- Bütten gedruckt wurden. Eine ausgezeichnet profi- lierte und inhaltlich anregende Abhandlung des Meisters über die Anfange des Buchdrucks, der sich vor allem mit dem technischen Problem der Erfin- dung Gutenbergs beschaftigt, ist dem reizvollen Ka lender beigegeben. Walther G. Oschilewski Werbeprospekte einer Tageszeitung. Die üblichen Werbebriefe der Tagespresse an die Markenartikel- firmen sind zumeist eine langweilige Sache, die oft ungelesen in den Papierkorb wandern. Wie man es besser machen kann, zeigt die vo.rliegende Serie von 6 Briefprospekten des altangesehenen Darmstadter Tagblattes (Gegr. 1738), die in regelmabigen Ab- standen zum Versand kommen. Vorbildlich in ihrer geschmackvollen typographischen und illustrativen mehrfarbigen Ausstattung, sind sie demzufolge un- gleich wirkungsvoller und ansprechender als die bis- herigen Insertionsaufforderungen. Es ist sehr zu be- grüfien, dab das D. T. mit dieser pfleglichen Gestal tung den Anfang gemacht hat. Walther G. Oschilewski Zwei Farben nurDie Möglichkeit, bei fach- gerechtem Einsatz aller technischen Mittel Vollwer- tiges auch mit geringem Aufwand herzustellen, zeigt eine interessante Mappe „Zwei Farben nur und doch bunt", die die Chr. Hostmann-Steinberg'schen Far- benfabriken in Celle herausgegeben haben. Es han delt sich dabei urn Zweifarbendrucke mit Mehr- farbenwirkung, die auf 12 Tafeln 36 verschiedene Farbzusammenstellungen zeigen, durch die auch die Wandlungen des Bildausdrucks durch Farbtonande- rungen anschaulich gemacht werden. Die dieser Mappe vorangestellten Texte mit aufschlubreichen technischen und geschmacklichen Erlauterungen geben Hersteller und Auftraggeber wertvolle Hinweise. Walther G. Oschilewski

Gebrauchsgraphik de | 1940 | | page 78