Verschwenderisch kaufte sie Geschenke für die Familie ein. Einen zottigen Bern- hardinerhund für Wode, der sich schon immer einen gewünscht hatte, für Beau ein Angorakatzchen, ein Korallenarmband für die kleine Ella, einen schweren Halsschmuck mit Mondsteintropfen für Tante Pitty, eine ganze Shakespeare-Ausgabe für Melanie und Ashley, eine vornehme Livree und einen seidenen Kutscherzylinder mit einer grofien Kokarde an der Seite für Onkel Peter, dazu Kleiderstoffe für Dilcey und Cookie und kostspielige Gaben für jedermann auf Tara. »Was hast du denn für Mammy gekauft?« fragte Bhett, als er die Geschenke durchsah, die auf dem Bett in ihrem Hotelzimmer ausgebreitet lagen, und den Bern- hardiner und das Katzchen ins Ankleidezimmer brachte. »Nicht ein Stück. Sie ist zu scheuBlich. Warum soil ich ihr etwas mitbringen, wo sie uns Maultiere schimpft?« »DaB du es immer krumm nimmst, wenn dir jemand die Wahrheit sagt, mein Herz! Du muBt Mammy etwas mitbringen. Es brache ihr das Herz, wenn du es nicht tatest, und ein Herz wie ihres ist zu kostbar, als daB es brechen dürfte.« »Ich bringe ihr nicht ein Stück mit. Sie hat es nicht verdient.« »Dann kaufe ich ihr etwas. Ich weifi noch, wie meine Mammy immer sagte, wenn sie in den Himmel komme, wolle sie einen Taftunterrock anhaben, der so steif sei, daB er allein stehen könne, und so raschelte, daB der Herrgott meinen würde, es seien die Engelsflügel. Ich kaufe Mammy roten Taft und lasse einen eleganten Unterrock für sie machen.« »Sie wird ihn von dir nicht annehmen und lieber sterben als ihn tragen.« »Davon bin ich auch überzeugt, aber mir liegt daran, ihr etwas mitzubringen, und deshalb soil sie ihn haben.« Die Laden in New Orleans waren prunkvoll und aufregend. Mit Rhett Einkaufe zu machen, war ein richtiges Abenteuer. Auch mit ihm zu essen war ein Abenteuer, noch aufregender als die Einkaufe. Er wuBte, was man bestellen mufite und wie es zubereitet sein sollte. Der Wein, die Schnapse und der Sekt aus New Orleans waren ihr neu und belebten sie. Sie kannte ja nur selbstgemachten Brombeer- und Fuchstraubenwein und den Branntwein aus Tante Pittys Ohnmachtsflasche. Ach, das herrliche Essen, das Rhett bestellen konnte In New Orleans waren die Mahlzeiten das schönste von allem. Im Andenken an die 85

Gebrauchsgraphik de | 1940 | | page 67