Ein kleiner Straull privater Glückwunsehkarten A little bouquet of private congratulatory cards Der Graphiker Hansjörg Dorschel in Frankfurt am Main möge uns unsere Indiskretion verzeihen, wenn wir aus einem seiner Briefe zitieren, was er uns selber über die Entstehung seiner Glückwunsch- karten berichtet, von denen wir unseren Lesern hier einige reizende Kostproben darbieten. Er schreibt: «Die kleine Sammlung entstand ganz privat als Geburtstagsgeschenk zu einer Zeit, da mein Zei- chenstift auch bei sehr sachlichen Aufgaben immer in Versuchung war, bunte Herzen zu zeichnen. Weil aber das Herz von seinem ausgelassenen Frühlingsspaziergang schneller wieder zurückkam als der Pinsel, blieben die Blatter, ihres tieferen Daseinszweckes be- raubt, traurig und mit kleinen Eselsohren bei mir. Das ist eigentlich alles. Nicht immer ist es der reine Erwerbstrieb und meistens auch nicht das Streben, hehrer Kunst zu dienen, was den Strich beflügelt. Manchmal steekt ganz einfach ein kleines Madchen dahinter. Viel- leicht mufi das so sein, wenn man erst 23 ist.Man wird verstehen - diese bunten Blatter, die niemals ihre Empfangerin erreichten, sind also die ganz privaten Bekenntnisse einer jungen Liebe, auf die ein früher Rauhreif fiel. Wir finden, dab sie trotzdem nicht verwelkt sind immer einen Sitzplatz in der Stratsenbahn einen guten Fang 38

Gebrauchsgraphik de | 1958 | | page 42