Der Zeichner Siegfried Oelke The draftsman Siegfried Oelke V^hne Zweifel ist der 1884 geborene Josef Hegenbarth heute einer der anregendsten und temperamentvollsten deutschen Zeichner und Illustratoren. Nicht ihn nachzuahmen, wohl aber seine Eigenwilligkeit, Hegenbarths individuelle «Handschrift» sich zum Leitbild zu nehmen, ist durchaus und legitim Sache angehender Künstler-vorausgesetzt, daB sie sich kraftig genug fühlen, die Ausstrahlun- gen des anderen in ihr Eigenes umzusetzen. Solche künstlerische Vitaliteit kann man bei dem 1923 in der Nahe Kantons (China) gebo renen Missionarssohn Siegfried Oelke wohl voraussetzen. Oelke arbeitet heute, nach vielfacher Bewahrung als freier Künstler, an der Hamburger Meisterschule für Mode, wo erinfigürlichemZeichnen unterrichtet; Schule und Lehrer sind zu dieser Wahl zu beglück- wünschen. Oelke stel It selber fest, daB er entschiedene Anregungen in Hegenbarths graphischer Aussageweise empfangen habe, was sich leicht an einigen der hier reprodu- zierten Blatter ablesen laBt. Die Sicherheit des leichten Handgelenks teilt er mit dem Vorbild, nur scheint uns Oelke nervöser, sen- sibler, und wo Hegenbarth, zumal in seinen spaten Blattern, recht massiv zupackt, ist der urn so vieles Jüngere behutsam und zart, manchmal sogar zartlich. Er besitzt Sinn für grotesken Humor und Form, Bliek für das Spontane einer Bewegung, für die Grazie einer Gebarde; dabei gleitet Oelke nicht ins Geschleckt-Modische ab. Besonders liebens- würdig zeigt sich der Künstler in seiner Eigen schaft als Kinderbuch-lllustrator: das Wört- chen liebenswürdig erklart sich hier leicht aus der Liebe zum Gegenstand, zum Thema Kind aus der Hinneigung zu Kindern (und Tieren) und ihrer Welt. Oelke hat sich wei- terhin als geschickter, geschmacksicherer Ent- werfer von Buchumschlagen bewahrt. Hier spricht sein Sinn für das deutend Dekorative entscheidend mit, bleibt doch die Attraktion, künstlerisch geformt, der Spiritus rector eines jeden Buchumschlags, mag er sich illustrativ geben oder aus dem reinen Schriftbild er- wachsen. Wenn sich Oelke vorerst für die 44

Gebrauchsgraphik de | 1958 | | page 48