Illustrationen zu Goethes Faust von Wilhelm Neufeld On the Illustrations for Goethe's «Faust» by Wilhelm Neufeld Illustrations pour «Faust» par Wilhelm Neufeld Uber das DurchschnittsmaB künstlerischer Darstellung hinaus ragt ganz ohne Zweifel eine Folge von Illustrationen Wilhelm Neu- felds zum ersten Teil des Faust; es handelt sich hier urn Tuschzeichnungen, die mit dem Chinapinsel auf feinkörniges, leicht aufge- rauhtes Papier gesetzt sind. Sicher sind sie das Ergebnis langen Sinnens und mancher Studiën, denn die Abkürzungen der Linien sind so überzeugend, wie sie nur ein Künst- ler zeichnen kann, der sein Flandwerk be- herrscht und sein Thema durchdacht hat. Da bei ist doch genügend Raum für das Spiele- rische oder sogar das Ausschweifende eines Pinselzugs gegeben, wenn es nur dazu bei- tragt, eine Art von Andeutung eines maleri- schen Schmucks oder eine Unterstreichung einer Stimmung zu geben. Da ist, mit nur we- nigen flott gezogenen Strichen, charakteri- siert, Mephisto, der auf Fausts Beschwörung hinter dem Kamin hervortritt: das neugierig- gespannte Gesicht, das gestreifte Gewand des fahrenden Scholastikus, eine vorsichtig ausgestreckte Hand und ein vorgestellter FuB, der PferdefuB. Die gegenseitige Zunei- gung, die Vereinigung von Faust und Gret- chen sind durch einen völligen Zusammen- fluB der Formen ausgedrückt, wobei die Schilderung beider Figuren durch einen Wechsel von zartem und starkem Lineament deutlich wird. Wie irrlichtert es auf dem Blatt der Walpurgisnacht über Köpfe und Gestal ten, wie flackert und schwingt es da! Fausts 20

Gebrauchsgraphik de | 1960 | | page 28