AUS ALTEN SPIELZEUG- MUSTERBÜCHERN From Old Toy Catalogues Vieux jouets dans les catalogues M ehr als zwei- bis dreitausend Dinge der verschiedensten Art hatte ein Alt-Sonneberger Spielzeugkaufmann anzubieten, wenn er auf seinen Reisen in Europa und in übersee seine Kunden be- suchte. Reichhaltig war die Kollektion, und die Vielfalt war der Trumpf, mit dem die Konkurrenz geschlagen werden sollie. Ein schwieriges Werbeproblem vor mehr als hundertdreiBig Jahren, denn die vielen Spielzeuge konnten nicht als Muster mitgeführt und vorgezeigt werden. So muBte ein «Musterbuch» helfen, und in ihm waren all die Dinge verzeichnet, die die Firma handelte, vom einfachen Holzspielzeug über die «beweglichen und klingen den Sachen», die Puppen und Tiere zu den Musikinstrumenten, den Spielen, Tabakspfeifen, Schleifsteinen, Knöpfen, Nageln und Ge- genstanden aus Glas und Blech. Sie wurden vom Modelleur der Firma, der damals noch Bossierer hiefi, fein sauberlich gezeichnet mit all ihren Besonderheiten, und farbgetreu koloriert. So kam tat- sachlich eine Musterschau zusammen, die alles enthielt, was das «Geschaft» bot, und zwar auf eine Weise, daB selbst derjenige, der solche Spielzeuge noch nicht gesehen hatte, sich doch ohne viel Phantasie alles so vorstellen konnte, wie es in Wirklichkeit aussah und bei Bestellung auch geliefert wurde. Unerhört reizvoll sind diese Musterbücher aus der Zeit von 1820-1840, von denen sich im Deutschen Spielzeugmuseum in Sonneberg über 20 verschiedene befinden. Sie bergen in sich die gesamte Welt des Kindes der Bie- dermeierzeit mit seinen Traumen und Wünschen, dargestellt von Spielzeugmachern, die den Reiz der Spielzeuge so einfach zu Pa pier zu bringen verstanden, daB das öffnen eines solchen Buches zum Beschauen jeder einzelnen Katalognummer verlockte. Man versenkte sich hinein in das Motiv und erlebte seine Bewegung. Alles ward auf den Bildern so lebendig, daB der Kaufmann bei den Spielzeugen, in die eine Spieldose eingebaut war, nur die Melodie zu nennen brauchte, urn die Wirkung auf den Kaufer voll- sfandig werden zu lassen. Mit sicherem Gefühl sind die Blatter ge- staltef. Viel muBte untergebracht werden, aber alles ist doch trotzdem deutlich erkennbar in Ausführung und Funktion. Man sieht, welches Material Verwendung gefunden hat, sei es Holz, 1 Holzspielzeug: Ein ganzer Markt in der Spanschachtel 2 Husarenschere - man zwicht ein wenigund schon ist die neue Schlachtordnungfertig 3 Arche Noah mit zahllosen, aber zphlbaren Paaren 4 Holzbaukasten vFestung». Auch die Zivilisten haben entsprechende Haltung 1 Wood toys: An entire fair in a box 2 Huzyard's scissors -you pinch a bit and there is your new battle-array 3 Noah's Arch with innumerable but countable pairs 4 Box of bricks CastleThe civilianstooadopt the proper attitude 1 fouets de bois - Toute une foire dans une boite en bois blanc 2 Tirette a hussards -Un petit coup - et voila un nouvel ordre de bataille 3 Arche de Noé - avec des couples innombrables et pourtant dénombrables 4 Boite de construction Une forteresse». Les civils eux-mêmes rectifient la position 34

Gebrauchsgraphik de | 1960 | | page 40