nm 5 f «Naturwissenschaft und Medizin» Eine Zeitschrift für Arzte Erwin Poell, Heidelberg, realisiert im Science Design Asthetik und Information «Naturwissenschaft und Medizin» A Medical Journal Erwin Poell, Heidelberg, Realised in Science Design Esthetics and Information «Sciences et médecine» Revue pour Ie corps médical Erwin Poell, Heidelberg, combine dans Ie Science Design l'esthétique et l'information Ziel der von Boehringer, Mannheim, publizierten Zeitschrift ist die Information des Arztes über Schwerpunkte der Medizin und über aktuelle natur- wissenschaftliche Themen. Arzte haben wenig Zeit. Da fallt dem Grafik-Designer eine Aufgabe zu, die über die Gestaltung allein hinausgeht: Er muB Fak- ten auf einen Bliek vermitteln. Hierbei sind ësthe- tische Wirkungen so zu realisieren, dab sie Trager von Informationen sind. Das Design muB die Auf- merksamkeit auf Sachverhalte richten; Effekte sol len Fakten vermitteln. Pragnanz ist hier sowohl sach- liche als auch künstlerische Forderung, alles wird erreicht durch Weglassen und Hervorheben. Nur das, auf was es ankommt, soil schlieBlich auch an kommen. Der Designer ist angewiesen auf Informa- tionsaustausch mit den Autoren und dem Wissen- schaftsredakteur. Dieser stellt die konkrete Auf gabe, deren Verwirklichung eine Diskussion über die Möglichkeiten gestalterischer Realisierung vor- ausgeht. Der Designer muB dabei naturwissen- schaftliche Fakten nachvollziehen, der Wissen- schaftsredakteur muB sich in Probleme der Gestal tung einfühlen, damit eine optimale Synthese er reicht wird. Unterschiedliche Sachverhalte erfordern variable Weisen der Gestaltung: Grafische Mittel erlauben einen Naturalismus des Essentiellen. Sie erlauben auch die Umsetzung von Abstraktem in Anschaulichkeit wie umgekehrt die Vereinfachung komplexer Realitat zum signalhaften Kürzel. Nichts kann die Vielfalt grafischer Möglichkeiten bei der Gestaltung des Unsichtbaren ersetzen - und Natur wissenschaft handelt immer mehr von unsichtbaren Gegebenheiten. Zunehmend aber wird wichtig, daB die Ergebnisse der Naturwissenschaft in faBlicher Form auch dem Laien nahegebracht werden. Hier liegt die groBe zukünftige Aufgabe des Science Designs. WOLF-DIETER bach The purpose of the medical journal Science and Medicine published by Boehringer, Mannheim, is to inform physicians on topical medical and scientific problems of major importance. Physicians have little time. And so the graphic designer cannot content himself with a good graphic solution but must find {continued page 12. column 3) Titelgrafik als Wissensvermittlung und Blickfang: Phasen der Flügelbewegung eines Kolibris im Schwirrflug, verdichtet zu grafischer Rhythmik (1). Gesteinszonen rings urn die groBen Seen, deren gewohntes Bild durch kühne Farbgebung der Um- gebung verfremdet wird, wobei erhellt: Nicht das Wasser, sondern die geologische Bettung ist primar (2). Streumusterartige Buntheit macht die Vielfalt der Sterntypen anschaulich (3). Versuchs- labyrinthe für Tests an Schimpansen: Wechsel der Farben zwischen Labyrinthgrund und Irrgang, In- einanderspiel von Blau und Grün mit optischer Oszillation - im asthetischen Medium spiegelt sich die Thematik des Tests, der scharfe Unterscheidung im planenden Handeln verlangt (4). Kugeln sym- bolisieren Differenzierungsmöglichkeiten von Zeilen: Oben rollen sie noch frei, unten legen Furchen die Bewegungsrichtung fest (5). GröBenstufung ver- anschaulicht die Hiërarchie kosmischer Systeme; die Lage des jeweils kleineren Systems im gröBe- ren ist markiert (6). Duftdrüsenzellen - höchste Vereinfachung durch visuelle Verdeutlichung der funktional wichtigen Teile (7). Entwicklungs- möglichkeiten in der Welt des Lebendigen, abstrahiert als «Streckennetz» (8). Verzweigungs- weisen bei Pflanzen - Identitat biologischer und grafischer Struktur (9). Sehzellen in Relation zu Nervenbahnen: Abbild der Komplexitat des Seh- vorgangs im Spiel von Linie und Farbe (10). Ver- doppelung von Erbinformation: verschlüsseltes Zeichen Oder Baukastenspiel Beide Assoziatio- nen treffen exakt den Vorgang (11). Eine «Schalt- zentrale» im Gehirn: Farbliches Wechselspiel zwi schen Angleichung und Kontrastierung visualisiert das Überspringen» im gehirnlichen ProzeB (12). This title was designed both as a vehicle of in formation and as an eye-catcher: phases of the rapid wing movement of a humming-bird in stationary flight condensed to a graphic rhythm(1 Geological zones around the Great Lakes whose familiar aspect is transformed by the daring col ouring of the environment intended to visualise that the primary aspect is not the water but its geological bed (2). The colourful pattern em phasises the great variety of types of stars (3). Experimental mazes for tests with chimpanzees: different colours for the background of the laby rinth and the various mazes, interplay of blue and green with optic oscillation - the esthetic medium reflects the purpose of the test which calls for clear distinction as a prerequisite for purposeful action (4). The spheres symbolise the various possibilities of differentiation of cells: above they still roll freely while the grooves below determine the direction of movement (5). The gradation of size visualises the hierarchy of cosmic systems; the position of each smaller system within the larger one is clearly marked (6). Cells of olefactory glands - utter simplification through visual em phasis on the functionally important parts (7). Possibilities of development in the living world visualised in the abstract as a «network» (8). Various ramifications of plants - identity of bio logical and graphic structures (9). Eye cells in relation to nerve-cords: the complexity of optical perception visualised in a play of line and colour (10). Reduplication of hereditary information: a secret symbol or a structure of elements? - Both associations are accurate renderings of the process involved (11A «control panel» in the brain: the alternate colouring of adaptation and contrast visualises the «leaps» in cerebral processes (12). Un titre suscite l'attention et transmet une infor mation; phases du vol d'un colibri, dont le batte- ment des ailes est intensifié en un rythme gra- phique (1). Formations géologiques autour des Grands Lacs; leur aspect habituel est complète- ment modifié par la hardiesse du coloris qui Nr. 9 2. Jahrg. 1%5 Nalurwissirtsthafl urut Medizii 10

Gebrauchsgraphik de | 1971 | | page 16