E inen Text braucht der nicht: Sein Land heiBt Ploppwu-u-umwhaaasch, seine Leute haben Kartoffelköpfe und Bratwürstlfinger, sie leben im ver- gammelten Biedermeier, traumen von explodierenden Orchideen, von 259 Jahre alten Nichtschwimmerkrokodilen, von bekümmerten Enten mit KatzenfüBen, und sie feixen sich kaputt, wenn ihnen einer modern kommen will mit Comic strips, easy riders, Jet-Generation, Weltunter- gang und ahnlich altmodischem Superzeug, das in Wien nur in Ieicht angesengtem Zustand zu verkaufen ist. (Walter Schmögner stark im Anrauchern von lateinisch valere stark sein, und von griechisch smycho ich lasse verschwelen.) Der 28jahrige verbreitet eine fast verschollene Stofftiergemütlichkeit von putziger, zwinkernder Akribie, wenn er den Kindern ein bürgerliches Drachenleben (Insel-Verlag) schildert oder sie in Mrs. Beeston's Tierklinik (Jugend Volk) führt. Aber Schimmelpilz und Schrumpfeffekt überziehen die Figuren, sobald sie unter Erwachsene geraten; da erweist sich der liebe Zeichenonkel plötzlich als Meister vom flotten Sarg, als apokalyptischer Knochen- schmeiBer, der jedem die Stunde schlagt. Und zwar mit einem Wecker, der sich in neun Phasen bis auf die Zahnrader abrackert - eine öster- reichische Version der Bismarck-Devise aliis inserviendo consumor (im Dienst für andere verzehre ich mich). Das ist schieres Altwiener Volkstheater mit dem Zeichenstift: eine ins Marchenhafte wuchernde Parodie der zeitgemaBen Stile und Themen - kaum mehr zum Lachen, weil aus den bös verwursteten Motiven eine neue, wiederum rührende Poesie erwachst. Was zum Beispiel eine wirkliche, schluBendliche End- zeit ist, erfahrt der erschauernde Betrachter in den letzten Bildern von Superbird (einem blanken Hohn auf die US-Rumbsbums-Serien): Erst erscheint die Schrift Ende sie zerplatzt, fallt zu Boden und laBt Blumen hochsprieBen, die sich erneut zu dem Wort Ende inein- anderranken, dann aber verwelken und zusammensinken - entsetz- licherweise unter Mitnahme des Hintergrunds, der wie brüchiges Lein- tuch absackt. Ein MehrfachschluB wie bei Beethovens Fünfter: Man denkt, man erlebt's nicht. Was den Schmögner so rar und unanfechtbar macht: Er liefert keine Allerweltspointen zur öffentlichen Anklage oder Gesel Ischaftsveranderung, obgleich er da ganz schön tödlich wirken könnte. Er steht lieber im Dienst der Kinder und solcher, die es unbe- dingt bleiben wollen. Und es fehlt ja immer mehr an Leuten, die einen Tripledecker fliegen und auf einer getarnten Espressomaschine Motor- rad fahren. Kicher, Kicher. armin eichholz He does not need a text: his country is called Ploppwu-u-umwhaaasch, his people have potatoe-heads and sausage fingers, they live in a run down Biedermeier world, dream of exploding orchids, of 259 year-old- crocodiles which cannot swim, of melancholic ducks with the feet of cats, and they burst a gut laughing when somebody tries to impress them with such modern things as comic-strips, easy-riders, jet-genera- 15

Gebrauchsgraphik de | 1971 | | page 21