Bei kritischer Durchsicht der hier vollzahlig wiedergegebenen, als die besten benannten Schweizer Plakate des Jahres1970 wird deut- lich, dab beileibe nicht alle diese Auszeich- nung verdient haben und daB die Menge der Auswahl des Guten zuviel ist. Es zeigt sich auch, wo die Spitzenleistungen der schweize- rischen Plakatkunst zu finden sind - in der Werbung für Waren und Markenartikel. SchlieBlich ist noch festzustellen, daB auch die nicht unbedingt preiswürdigen Plakate im groBen und ganzen gediegene Beherrschung des Handwerks verraten. Sie auBert sich in guter Raumaufteilung und harmonischem Ver- haltnis zwischen Bild und Schrift, in teilweise beste schweizerische Schule bezeugenderTy- pografie, in guter Auswahl und Mischung der verwendeten Schriftarten, ausdrucksvoller Werbefotografie und geschmackvollen Farb- kompositionen. Diese zuletzt genannte Eigen schaft trifft auch auf die in diesem Beitrag nicht farbig abgebildeten Plakate zu. So wur- den beispielsweise die Farben der Plakate für den Kinderverkehrsgarten in Basel und das Schauspielhaus in Zürich so effektvoll aufeinander abgestimmt, daB dadurch ihre grafisch eher nüchterne bzw. komplizierte Grundform erst recht zur Geltung gelangt und sich an jederLitfaBsaule auch in marktschreie- rischerUmgebung zu behaupten vermag. Das- selbe gilt für die im Popstil gestalteten Pla kate der Schuhmarke Bally und des Schuh- hauses Csuka, wenngleich hier die Farben durch einen SchuB schweizerischer Zurück- haltung gemaBigt erscheinen. Nun ist solche MaBigung allerdings ein Merkmal aller hier vertretenen Plakate und sicherlich auch der Grund dafür, daB sie nicht selten einfach zu brav wirken. Wo jedoch Asthetik das Resultat 21

Gebrauchsgraphik de | 1971 | | page 27