Walzdrucke Cylinder Prints Arbeiten von Karl Rödel Works by Karl Rödel Impressions sur rouleaux CEuvres de Karl Rödel CJber das nachdenkliche Betrachten und eigent- liche Gewahrwerden verworfener Textdrucke in der Lithografenwerkstatt kam der kundige und an der Handpresse viel erfahrene Karl Rödel zu seinen Walzdrucken, von denen einige hier reproduziert sind; einerseits legitimen Erzeugnissen der Drucker- presse, zum anderen aber jetzt - in der Wiederauf- nahme - in den Rang von Originalen erhoben, also nicht mehr auf Vervielfaltigung angelegt. Eher also Monotypien, gewonnen aus inspirativen Resten Buchstabenschablonen, Schriftbildern, Formschnit- zeln und Plakatzeichen aus der Welt der Kunst der Strafte Rödels Vorgehen ist hier von einer Sicher- heit der Wirkung bestimmt, die man an diesem be- hutsam fragenden und darum Antwort findenden Künstler kennt. Mit der Verve des geborenen Ma lers verwendet er auch hier kraftvolle Farben, die man nicht mit dem Angebot modisch-zeitgenössi- scher Skalen verwechselt; es sind absichtlich ge- mischte Malerfarben, die er deckend oder halb- deckend verwendet, auch sich gegenseitig überla- gernd, vermischend, dabei aber immer auf den ma- lerischen Klang gebracht. Rödels Tugend bei die sem Vorgehen bleibt sein wacher Sinn für formale Ordnung. Da der jeweilige Inhalt der meist groftfor- matigen Walzdrucke durchaus nicht beschaftigt, nur gedankliche Assoziationen anbietet - eben weil es da urn nicht vielmehr als Wortwiederholungen, Wortfetzen, durcheinandergreifende Buchstaben, Buchstabengruppen und manchmal auch urn eine einzelne dominierende Majuskel geht, die die klei neren hinwegfegen möchte oder zu winzigen ge- scharten Grüppchen zusammenschrumpfen laftt hat er im Künstlerischen urn so freieres Spiel. Seit den Tagen des klassischen Kubismus sind uns sol- che Buchstabenbilder eingepragt: Wir lesen sie seit- her als Signale einer dramatisch-neuen Daseinsform des Bildes, das die Illusion des Tiefenraumes leug- net und dafür die Idee der Gleichwertigkeit der Bild- elemente anbietet. Diese Signalsprache der Buch staben wird in Rödels Walzdrucken wie ein ihm selbstverstandlicher Gewinn ausgewertet und ohne methodische Starre als einziges Thema vorgespielt und durchgehalten, wobei unsere werbekundige Zeit mit einer beinahe allgemein voraussetzenden Welt- kenntnis ihm die Erkennungszeichen angibt: in allen Sprachen, allen Druckformen, in Stichworten gleichsam, die zum Bild nicht zum halblauten Lesen führen. Gerade ihr Verrutschen und ihr Vor- und Zurückgedrangtsein soil hier Werbekraft und Werbelogik einmal verwischen. - Wirbt er für Kunst? Ein Verlocktsein zum Spiel der Möglichkeiten ist sein erlaubter Ausgangspunkt, von dem Karl Rödel, von jeher mit einem seltenen Sinn für Leises und Gespinsthaftes begabt, ausgeht, urn verwobene, ver- schobene Buchstabenzeichen, so etwas wie grafi sche Zwischenwesen, zu ersinnen, dazu noch eine Art von gemalter Collage wahren Zaunlatten von Schriftblöcken, dessen fremdartig andringende Schabionen nun wieder die erwünschte handschrift- liche Eigenart sichern. Bildfelder und Felderbilder aus aufgelesenen Resten also. Reste werden der Anfang von Neuem. Der Drucker erholt sich beim Maler, womit unser Walzdrucker deutlich macht, daft er hier fand, ohne zu suchen, etwas was dem Rödel ludens schon früher sein gröfttes geisti- ges Vergnügen war. HORST KELLER Karl Rödel, an old hand and experienced in the use of the hand press, was inspired to create his cylinder prints, some of which are reproduced here, when some day he happened to have a closer and conscious look at some texts printed and discarded in a lithographic printing house. They are on the one hand legitimate products of the printing press but on the other hand they have now also - in the course of a second treatment - been raised to the rank of originals which are no longer intended for reproduc tion. They are rather monotypes derived from in spiring left-overs stencils of letters, type, bits of moulds and poster signs from the world of street art. Rödel's creations never fail to prod uce their effect because this artist invariably finds the right answer through careful questioning. With the verve of a bom painter he uses vivid colours which have no resemblance, however, with the loud colour scheme of fashionable pop art. His blends of opaque or semi-opaque paints are deliberate and always harmonious even when they are mixed or super-imposed on the painting surface. Rödel's technique is always controlled by his alert sense of formal order. Since the content of the mostly large- sized cylinder prints does not treat a definite theme 28

Gebrauchsgraphik de | 1971 | | page 34