NOVITATEN Wann immer Sie den Wunsch auf etwas Besonderes haben, auf Schriften mit Exclusiv-Charakter, auf Creationen von Headliners und Lettergraphics - wir haben sie! EXCLUSIVE für Hamburg Schleswig-Holstein Niedersachsen Bremen Nordrhein-Westfalen. LICHTSATZ CENTRUM 2000 Hamburg 4 Millerntorplatz 1 Telefon 31 12 56 Telex 213 896 seine Zeichnungen aus der bedrang- ten Zeit heraus dem Text integriert. Abgesehen von der hervorragenden Technik und dem zeichnerischen Kön- nen, das dem anderer zeitgenössi- scher Kunstler zumindest gleich- kommt, wenn nicht übertrifft, scheint hier ein Wurf gelungen, der eigen- standiges Schaffen und weltlaufige Geltung vereint. Ernst Holzinger, der des Künstlers Arbeit teilnehmend be- gleitete, schrieb ein gekonntes, knap- pes, einfühlsames Nachwort. Druck und Ausstattung sind zu rühmen. Nicht blob Goethe- oder Beckmann- Verehrer, sondern alle Liebhaber des illustrierten Buches und der Ge- brauchsgrafik überhaupt sind dem durch seine vorbildlichen Publikatio- nen von grafischen Werken bekann- ten Verlag Dank schuldig. Dieser Goethe-Beckmann-Band mit seinem verhaltnismabig billigen Preis sei deshalb vorbehaltlos empfohlen. wk Albrecht Dürer Das Dürer-Gedachtnisjahr 1971 bringt unter der Vielzahl von Veröffentli- chungen über den Nurnbergischen Meister eine Neuauflage der zwei- bandigen Gesamtausgabe des grafi schen Werkes (Albrecht Dürer, 1471 bis 1528, Das gesamte Grafische Werk, Handzeichnungen [Bd. 1], Druckgrafik [Bd. 2], Einleitung von Wolfgang Hütt, Verlag Rogner und Bernhard, München, 1971, 3. Auflage, grüne Leinenbande 60 DM, Leder- bande 80 DM). Beide Bande bringen in kompendiöser Vollstandigkeit des Künstlers Silberstift-, Kohle-, Aqua- rellpinsel-, Feder-, Kreide- undTusch- zeichnungen, seine Holzschnitte, Kup- ferstiche und Kaltnadelradierungen in einem handlichen, leicht benutzbaren Format und ersetzen damit zum Ar- beitsgebrauch F. Winklers voluminö- se, vierhandige Ausgabe. Auf 1119 und 1968 Seiten ist der gesamte «grafische» Dürer eingefangen; Wolf gang Hütt schreibt eine kurze, infor- mierende Einleitung; zwischen den Bildern sind zeitgenössische und sonstige bezügliche Dokumente zi- tiert. Die phanomenale Vielseitigkeit des Meisters, seine Popularitat bei den Zeitgenossen und Nachfahren, seine künstlerische Kraft, deutsche Gotik und italienische Renaissance zu vereinen und dem religiösen Ge- fühl der Zeit allgemein verbindlichen Ausdruck zu verleihen, geben Dürer eine einzigartige Stellung in der deutschen Kunst. Die beiden Bande, vorzüglich gedruckt und ausgestattet, sind ein schoner, im besten Sinn der Volksbildung dienender Beitrag zum Dürer-Jahr, der nicht nur wegen des bescheidenen Preises weiteste Ver- breitung verdient. wk Wanderjahre in Italien Die deutsche Italiensehnsucht hat klassische Dokumente hervorge- bracht. Jedem im bisherigen Sinne Gebildeten sind J. W. von Goethes Italienische Reise J. Burckhardts Cicerone und nicht zuletzt Fer dinand Gregorovius' «Wanderjahre in Italien gelaufig. Jedes dieser Wer- ke tragt seine Eigenart in sich; sie erganzen sich demgemab. Der aus Ostpreuben stammende Deutsch-Rö- mer Gregorovius erlautert sein Werk durch den Untertitel Figuren, Ge- schichte, Leben und Szenerien aus Italien Er verstand es, durch die an Ort und Stelle gewonnenen Er- lebnisse Geschichte wirksam werden zu lassen, ein Vorbild für alle auf so lider Geschichts- und Ortskenntnis schreibenden Feuilletonisten. Ge- schichtserfahrung durch Gegenwarts- erleben! Sein manchmal dichterisches Italienbild ist deshalb auch heute noch lebendig und attraktiv. Die un- gekürzte Sonderausgabe mit einer inhaltsvoll-gescheiten Einführung von Hanno Walter Krafft (Verlag C. H. Beek, München, 1968, 2. Auflage, XX, 886 Seiten, 25 zeitgenössische lllustrationen, grauer Leinenband 28 DM, Lederband 48 DM) ist des halb besonders zu begrüben. Die Wanderjahre behandeln zwar nicht systematisch, so doch reprasentativ die italienischen Landschaften und örtlichkeiten. Sie erganzen jeden noch so guten Reiseführer, da sie über die reinen Tatsachen hinaus die Vergangenheit mit besonderer Inten- sitat und Frische lebendig werden lassen. Da heute fast jeder Italien zu kennen glaubt, sollte diese preis- werte Sonderausgabe weiteste Ver- breitung finden. wk Surrealistischer Karikaturist Inzwischen ist es wieder Gemeinplatz geworden, wie wenig harmlos das oft zu Unrecht anders verdachtigte 19. Jahrhundert gewesen ist. Nir- gends mehr als bei einem politisch engagierten Pressejournalisten und Bildzeichner wie J. I. Grandville wird das offenbar. Als scharfer Beobach- ter deutet er phantasievoll mit zeich- nerischem Witz meist mittels des vor kurzem durch Senefelder erfundenen Verfahrens der Lithografie seine eigene Zeit und Umgebung und ver- sucht entsprechende Impulse zu ge- ben. Sein komischer Realismus ka- schiert geschickt die sicher oft ge- wol Ite moral isch-padagogisch-pol iti- sche Absicht. In einem von Tabus und Konventionen beherrschten ge- sellschaftlich-politischen System ani- miert und entwickelt dieser enga- gierte Künstler die Tier-Mensch- Wesen-Karikatureine nach auben scheinbar harmlose, aber hintergrün- dige Maskierung mit schonungsloser Sozialkritik. Grandville stützt und ver heft bewubt diese Kritik zu groben surrealistischen Würfen, wobei er sich des brisanten Traumcharakters seiner Schöpfung, wie sein eigenes Vokabular dies ausweist, durchaus bewubt war. Seine tagespolitische Arbeit, die in harter Fron sicherlich nicht immer in Unabhangigkeit ge- schaffen wurde, seine die grobe Tra dition seiner französischen Heimat fortsetzende Buchillustration, in der er Daumier ebenbürtig ist, und sein übriges künstlerisches Schaffen sind uns neu und elegant zuganglich ge- macht worden durch Grandville,

Gebrauchsgraphik de | 1971 | | page 78