was erfolg bringen soli, steht klassizistischen Neigung und des von ihm benutzten baulichen Gewandes ein Romantiker war, so hat auch Schwanthaler in seinem Mischstil von Klassizismus und romantischen Ele menten die gleiche Haltung gezeigt, was wohl das Geheimnis seiner lang- jahrigen fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem königlichen Auftraggeber war. In einem verhaltnismabig kurzen Leben hat er mit staunenswertem FleiB eine Vielzahl von Werken ge- schaffen und dabei weit über Bayern hinaus gewirkt. Der verdienstvolle Verfasser hat nach einer allgemeinen monografischen Einleitung einen inter essanten Katalog über die verschie- denen Arten seiner plastischen Lei- stungen gegeben, wobei er dem Pro blem der Architekturplastik beson- dere Aufmerksamkeit schenkt. Der Künstler war auch ein romantischer Zeichner, der Moritz von Schwind nahesteht. lm weiteren Sinn hat Schwanthaler viele Aufgaben des heutigen Design schon damals ent- sprechend den gegebenen Verhalt- nissen zu verwirklichen gesucht. Die vorliegende Arbeit, die ihn als uni- versalen Künstler ausweist, ist nicht nur von kunstgeschichtlichem, son- dern auch von allgemein künst- lerischem Interesse. wk Maler-Impressionist Veröffentlichungen über Maler, die sich der Tradition verpflichtet fühlen, sind heute nicht allzu haufig. Für Lieb- haber dürfte deshalb die Publikation Der Maler Otto Scheinhammer Einführung von Dr. Arnold Marder- steig (Verlag Die Brigg Augsburg, o. J., 128 Seiten, 24 farbige, 56 schwarzweiBe Abbildungen, heller Lei- nenband, 26X20 cm, 12,80 DM), von Interesse sein. Mardersteig schildert den künstlerischen Weg, insbesondere das Verhaltnis des sympathischen, aus München stammenden und jetzt in Augsburg lebenden Malers zur Farbe im Lauf seines Lebens; insbe sondere verweist er auf seine Stu- dienfahrten im ganzen Mittelmeer- raum und nach Ceylon. Verschiedene übersichten über seine Ausstellungen, seine Bibliografie usw. vervollstandi- gen das vom Verlag in Druck und Ausstattung mustergültig herausge- brachte Buch. wk Kunst und Künstler, aus 32 Jahrgangen einer deutschen Kunstzeitschrift Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Berlin drei Zeitschriften gegründet: Pan (1895), Simplicissimus und Jugend (beide 1896). Alle drei be- fanden sich im kritischen Widerspruch zur Enge der Wilhelminischen Ara, der künstlerischen Verlogenheit der Gründerjahre, dem Akademismus von Kaisers Gnaden, und forderten eine neue Wahrheit des Denkens und der Kunst. Die festgefahrenen Maximen der herrschenden Adelskaste und ihres Kaisers mobilisierten mit wach- sender Industrialisierung und der dar- aus entstehenden Not des Proletariats oppositionelle Krafte aller Schichten, vor allem in Berlin, das Henry van de Velde mit folgenden Worten schildert: Ich lieB mich in dem Augenblick in Berlin nieder, als eine Welle der Be- geisterung und Aktivitat die geistig und künstlerisch Interessierten erfaBt hatte, für die jede neu auftretende Erscheinung ein Erlebnis bedeutete In Paris hatten die Meister der mo dernen Kunst noch schwer zu kamp- fen, als in Deutschland die französi- schen Impressionisten und Bildhauer, wie Rodin, Meunier und Minne, von öffentlichen Museen erworben und von Kunstfreunden gesammelt wur den.» Das alles geschah ohne den Segen der Regierung, aber Deutsch- lands Hochfinanz konnte die neuen Bestrebungen ohne diesen Segen un- terstützen. Man lernte fortwahrend offenen Blickes an auslandischen Aus stellungen. Architekten wie Hermann Muthesius kehrten aus England mit neuen MaBstaben des Bauens zurück. Die Zeitschrift Pan war wie die beiden anderen ein unabhangiges Organ für Literatur und Kunst, das den ringenden Kraften der Erneuerung zum Durchbruch verhalf Als Pan 1900 sein Erscheinen einstellte, ent stand eine empfindliche Lücke, die Bruno Cassirer im Sommer 1902 mit der Gründung von Kunst und Künst ler wieder schloB. Er übernahm fast den gesamten Mitarbeiterstab des Pan darunter Wilhelm Bode, Eber- hard von Bodenhausen, Heinrich Wölff- lin, O. E. Hartleben, Harry Graf Kess- ler, Alfred Lichtwark, Woldemar von Seydlitz, Max J. Friedlander, Meier- Graefe und als Chefredakteur Emil Heilbut. Seine weltoffene Einführung leitet das bei Florian Kupferberg, Mainz/ Berlin, unter Mitarbeit von Ursula und Günter Feist herausgegebene Werk Kunst und Künstler, aus 32 Jahrgangen einer deutschen Kunst zeitschrift in Vereinbarung mit dem Verlag Bruno Cassirer, Oxford, und dem Henschel-Verlag Kunst und Ge- sellschaft, Berlin, ein. Künstler, wie Co rinth, Liebermann, van de Velde, be- richteten im Pan über sich selbst. Harry Graf Kessler focht als Organi sator des Deutschen Künstlerbundes, der Dachorganisation der Sezessio- nen, geistvoll und brillant gegen wil- helminische Kulturbürokratie. Das Lieblingskind der Zeitschrift war jedoch der französische Impressionis- mus, von Julius Meier-Graefe und Emil Heilbut hinreiBend beschrieben in einem 38 Seiten langen Kataiog über die Impressionisten 1902 in der Wie ner Sezession. Spëter wird Karl Scheffler Chefredakteur, und in den ersten Jahren seiner Tatigkeit erreicht die Zeitschrift ihren Höhepunkt. Ihre Wirkung begreift man beim Lesen der Schefflerschen Artikel über van de Velde, notwendige Reformen der Kunstgewerbeschuien, seine witzige Glosse über eine neu gegründete ger- manische Künstlervereinigung und auf wei» in futura 89

Gebrauchsgraphik de | 1971 | | page 95