Tradition Fortschritt Leistung R. Oldenbourg Graphische Betriebe GmbH ein Begriff für Buchdruck Offsetdruck Endlosformular- druck Groftbuchbinderei Institut für Wertpapierdruck R. Oldenbourg Graphische Betriebe GmbH 8 München 80 Rosenheimer Strafte 145 Telefon (0811)4112 seine geradezu prophetischen Worte über die Berliner Marineausstellung 1908, zu deren Leitern Waiter Rathe- nau gehorte. Scheffler schrieb damals im Artikel «Kunst und Industrie»: Es handelt sich vorlaufig nur um neue Modelle für Bogenlampen oder andere, dem elektrischen Betrieb die nende Gegenstande, Ventilatoren, Winden, Widerstandsverkleidungen, Gegengewichte usw. Diese Modelle erscheinen weniger als Werke eines frei erfindenden Künstlers, sondern mehr als die glücklichen Bildungen eines asthetisch in höchster Weise gebildeten Ingenieurs.» Architekten, wie Hermann Muthesius, Heinrich Tessenow, August Endell, kamen zu Kunst und Künstler und so um- spannte diese Zeitschrift mit einem Stab bester Mitarbeiter alle Sparten der Kunst - von der Malerei, Bild- hauerei, Architektur zum Kunstge- werbe und der Technik. Die Artikel sind noch heute so mitreibend, dab man sie mit höchstem Vergnügen liest. Um 1913 herum begann jedoch Scheff- lers Begeisterung für das asthetisch Schone als engendes Hindernis, den wachsenden Expressionismus, schon van Gogh, zu verstehen. Auch nach dem Kriege klammerte er sich an die angenehme Welt heiler Dinglichkeit und verdammte alles Neue als prole tarisch, dekadent. Seine Glosse über den Bauhausgründer Gropius und dessen Freund Lyonel Feininger wirkt peinlich, der Witz zündet nicht. Die Welt war nicht mehr heil und schön, wer anders als die Künstler mubte dem Ausdruck verleihen! Zwar gewann Kunst und Künstler nach der Inflation nochmals neuen Auf- schwung, die Bebilderung war vor- züglich, der Rezensionsdienst umfas- send, neue Mitarbeiter guten Namens wurden gewonnen, aber trotzdem war man beim Impressionismus stehenge- blieben, stand in schoner Würde ab- seits des Geschehens, der Umwer- tung aller Werte, für die sich im Ge- wesenen kein Mab fand. Zur abstrak- ten Kunst fehlte jede Beziehung. Trotzdem erhielt ihre grobe Potenz die Zeitschrift noch bis zum Mai 1933, wo ihr letztes Heft mit den Worten endete: Das letzte Wort, das wir aussprechen, erfüllt von Sorge zwar, doch auch von Ehrfurcht, Liebe und unerschütterlicher Zuversicht, es ist das Wort, dem alle Mühe galt, - die Kunst Wer nun meint, in der Zusammenfas- sung von 32 Jahrgangen der Beitrage von Kunst und Künstler einen mü- den Nachklang überholter Zeit zu fin den, der irrt. Denn fast all diese Bei- trage, Formenprobleme Reformvor- schlage für Schulen, Museen sind noch heute fortwirkend akut. Sie wur den in Bruno Cassirers Zeitschrift von den lebhaftesten Geistern der damaligen Zeit mit Elan, grobem Wis sen, herrlichem Witz und genialer Ausdrucksbrillanz behandelt. Hier sprechen unsere geistigen Vater, de ren wir uns nicht zu schamen brau- chen. Vieles könnten wir von ihnen lernen. Das Vergnügen des Lesens wird erganzt durch 142 Abbildungen und 8 Bildtafeln bekannter und heim- licher Werke der Künstler der Zeit. Das Werk kostet in Ganzleinen 36 DM. sh Expressionismus von John Willet, 256 Seiten mit 108 Abbildungen, Ganzleinenband im For mat 13X19,6 cm, Kindiers Universi- tatsbibliothek, Zürich-München. Preis 18 DM. John Willet, Herausgeber von The Times Literary Supplement hat, im Gegensatz zu den meisten Veröffent- lichungen über Expressionismus, die nur einen Teilaspekt dieser Kunst- richtung in den Mittelpunkt ihrer Be- trachtungen stellen, den Rahmen sei ner Untersuchungen weit gespannt. Auch er hat ein zentrales Thema: den deutschen Expressionismus. John Wil let betrachtet ihn jedoch nicht isoliert. Er erörtert seine Anfange, Höhepunkt und Niedergang, seine Formung und Wandlung durch politische Ereignisse in der Zeit zwischen den beiden Welt- kriegen, stellt ihn in gesamteuro- paische Zusammenhange, untersucht die Ausstrahlungskraft auf aubereuro- paische Lander und fremde Kontinen- te. Er durchleuchtet die vielfaltigen Impulse und Anregungen, die der Ex pressionismus auf die verschiedenen Richtungen zeitgenössischer Kunst ausgeübt hat und gibt schlieblich in teressante und aufschlubreiche Hin- weise über die unterschiedliche Auf- fassung und Beurteilung des Expres sionismus in den beiden deutschen Staaten der Gegenwart. wl Der Holzschnitt von Max J. Friedlander, 263 Seiten mit 130 Abbildungen, Broschüre im Format 13X20 cm, Verlag Walter de Gruyter& Co., Berlin. Preis 19,50 DM. M. J. Friedlanders im Jahre 1917 er- schienenes, schlechthin klassisches Handbuch Der Holzschnittliegt nun in der 4. Auflage, überarbeitet von H. Möller, vor. Konzeption, Glie- derung und Diktion des erfahrenen Fachmannes blieben ebenso erhalten wie die Anschaulichkeit seiner Dar- stellung und die wissenschaftliche Ge- nauigkeit seiner Argumentation. Ein- gearbeitet wurden eine Reihe von wichtigen Ergebnissen einer über 40- jahrigen Forschung. Völlig neu ist das Abbildungsmaterial, betrachtlich ver- mehrt und im Gegensatz zu den frü- heren Auflagen nicht in originalgro- ben Details, sondern als ganzes Blatt reproduziert. Vorangestellt ist die Technik des Holzschnitts, seine Er- findung, Eigenschaften, Eignung und Grenzen. Es folgen chronologisch: die Zeit des frühen Holzschnitts, die Ein- blattdrucke, das Blockbuch, die Blüte- zeit des deutschen Holzschnitts, Dürer bis Holbein, und schlieblich die Holz- schnittkunst in den Nachbarlandern: Holland, Italien und Frankreich. Als besonders wertvoll erscheinen die jeweiligen Informationen über tech nische und asthetische Belange. Die Zeitgrenze bestimmt das Jahr 1800, analog des im gleichen Verlag er-

Gebrauchsgraphik de | 1971 | | page 96