20 21 oder Vignola oder Le Nótre nennen können. Er entwarf Gar ten und Majuskeln für einen Denkstein oder ein Pergament. Fast immer war er ein Architekt, daher stammt von Vitruvius das Wort, dass einem Architekten sozusagen nichts Wissens- wertes fremd sein dürfe, dass er Kenntnis haben sollte sowohl vom Flötenspiel als von der Astronomie. Die reine und die angewandte Kunst hatten damals berühmte Auftraggeber, ja man darf ruhig behaupten, dass fast die ganze Literatur einen höfischen Charakter besass und dass auch die Schöpfungen eines Mantegna in der Reggia von Mantua und eines Zuccari im Palazzo di Caprarola zum Lobpreise der Pracht der Fürsten von Este und der Farnese entstanden. Die grossen gesellschaftlichen Umwalzungen und die stei- gende Würde des Bürgertums haben die Kunst von den Lau- nen der Tyrannen befreit. Den Architekten, den Malern, Dich- tern und Druckern fehlte aber bald der Antrieb des Rhetori- 426 rischen, der Impuls ihrer fürstlichen Mazene. Die Glocken und die Trompeten, die vormals dem Volke die Geburt eines Thron- folgers verkündeten heute ertönen sie zum Lobe der Vor- züge einer Zahnpasta oder eines Schmieröles, einer Schreib- maschine oder eines Autoreifens. Antonio Boggeri, der wohl zu andern Zeiten mit Maurern, Marmorarbeitern und Seilern zusammen nach den Weisungen des Papstes Sixtus an der Errichtung des Obelisk auf dem St. Petersplatz zu Rom gearbeitet hatte, hat heute Unterhand- lungen zu führen mit Pirelli, Olivetti, MontecatiniRoche, Bem- berg, Glaxo, um die Vorteile ihrer neuen Produkte, wie Inverno oder Lexikon, Rodina oder Pantopon, Pekin plissé oder Penicillina ins rechte Licht zu stellen. Seit 1933, dem Gründungsjahr seines Studios, ist Boggeri der manager einer auserlesenen Gruppe von Mailander Werbe- künstlern: Schawinsky und Carboni, Huber iFortsetzung: seite 468]

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