Das Verstandnis, das wir seit kurzem den Kunstausserun- gen primitiver Völker entgegenbringen, hat einen langen Weg hinter sich. In einigen Zügen lasst es sich bis in die Renaissance zurückverfolgendas Geschichtsbewusstsein der Aufklarung und des 19. Jahrhunderts, das sich auf Zeit und Raum erstreckte, gab ihm einen weitern Auftrieb. Die eigentliche Anerkennung erfolgte j edoch erst in der zweiten Halfte des letzten Jahrhunderts, noch ausgesprochener aber in den letzten 25 Jahren. Die Kunst der Eingeborenenvölker umfasst die ganze Skala, von der Monumentalskulptur der Azteken bis zu den miniaturhaften Metallarbeiten der Quimbaya oder der Be- wohner der Elfenbeinküste, von einfachen Stein- oder Holz- schöpfungen bis zu komplizierten Techniken, wie es z. B. der Wachsguss und die Tonbrennerei sind. Wir finden sowohl das massive Werk (Mississippi) und das zarte Detail (Benin), die glatte Oberflache (Mezcala) und die reichornamentierte (Vera Cruz)der ausserste Realismus (Colima) und die ausser- ste Stilisierung (Sudan) alles aber entsteht aus religiösem Empfinden heraus. Die Strahlungskraft der Eingeborenenkunst wurzelt im religiösen und magischen Gefühl, aus dem heraus die Werke

Graphis de | 1957 | | page 62