entstehen und das sie andererseits hervorrafen wollen. Dies bewirkt oft eine Stilisierung, doch kann sich das Gefühl durchaus auch mit dem aussersten Naturalismus verbinden. In einem tiefern kulturellen Sinn, aber auch bei Berücksichtigung des bloss Visuellen ist es zwar unrichtig, bei der primitiven Kunst von Stili sierung zu sprechen. Nie würde es dem primitiven Künstler einfallen, Naturalistisch gegen Stilisiert abzuwagen und freiwillig seine Wahl an irgendeinem Punkt zwischen diesen Extremen zu treffen. Dies ist unser Masstab, nicht der seinedenn wir pflegen zwischen diesen Gegensatzen zu unterscheiden, weil wir Werke der verschiedensten Herkunft ver- gleichen. Für den Künstler jeder Kultur ist der Stil die Realitat, er ver- körpert sie. (Sogar die seltenen Portrate, z. B. die frühgriechischen, ver- suchen einen Typus zu inkarnieren.) Für ihn gibt es die Frage gar nicht, ob irgend etwas so aussieht, wie er es darstelltwenn die Dinge so und nicht anders gemacht werden, so deshalb, weil sie so sind. Der Baga- Kopf, der Mangareva-Gott und der Arawak-Gott, so verschieden sie in Material, Grosse und Ausführung auch sein mogen, seien sie nun reich verziert oder ohne jeden Schmuck, sie alle besitzen eine sonderbare Mischung von Unpersönlichkeit und Anziehungskraft. Wir fühlen uns zu ihnen hingezogen, gerade weil sie, entgegen unserer bewusstern Kunst, sich völlig selbst genügen. Es sind übrigens nicht nur die reinen Ritualgegenstande, für die das hier Gesagte gilt, in gemassigter Form gilt es auch für die Gebrauchs- gegenstande (z. B. die mexikanische Schale, den Vorderteil eines Iatmul- Bootes). Wir haben hier eine Symbiose zwischen Kunstwerk und Gebrauchsgegenstand, eine unmerkliche Verschmelzung von Kunst und Dekoration. In einem weitern Sinn liegt die Wirkung der primitiven Kunst, die nur gelegentlich die »Schönheit« als Ausdrucksmittel wahlt, in der »Nützlichkeit« der Kunstwerke, und ohne nahere Kenntnis der primi tiven Gesellschaftsformen können wir über ihre Kraft nur Vermutungen anstellen. Es ist gut, wenn wir über die primitiven Kunstwerke möglichst viel erfahren, damit wir lernen, sie rich tig zu betrachten. Was immer aber wir von ihnen wissen, kann unsere Einsicht in ihren Gefühlsgehalt zwar bereichern, unsere eigene Gefühlswelt aber nicht andern. La comprehension que nous apportons depuis une époque récente J aux manifestations de l'art des peuples primitifs a des antécédents qui ne laissent pas de remonter assez loin dans le passé. A certains égards, on en peut suivre les prodromee jusqu'a la période de la Renaissance, et l'éveil du sens de l'histoire propre au siècle des philosophes et au ic)e siècle lui conféra un nouvel essor. Toutefois, la valeur des arts primitifs ne devait être pleinement reconnue que dans la seconde moitié du iep siècle, et surtout pendant son dernier quart. L'art des peuples dits primitifs embrasse toutes les formes possibles, de la sculpture monumentale des Aztèques jusqu'aux minuscules ou- vrages en métal des Quimbayas ou des habitants de la Cóte d'Ivoire, et des simples créations de pierre ou de bois a la pratique de techniques complexes, comme, par exemple, les moulages de cire et la poterie. 5 34 On y trouve aussi bien des oeuvres massives (Mississipi) que la déli catesse du détail (Bénin), les surfaces lisses (Mezcala) que les sur faces richement ornées (Vera Cruz), le réalisme le plus caractérisé (Colima) que la stylisation la plus prononcée (Soudan), mais toutes ces ceuvres ont ceci de commun qu'elles procèdent toujours d'un profond sentiment religieux. Le rayonnement qui émane de l'art des primitifs a son origine dans la foi religieuse et magique, source des oeuvres ainsi créées, en même temps que celles-ci ont pour fonction d'appeler a l'être tout ce qui est objet de croyance. II en résulte souvent une stylisation, mais le sen timent religieux peut aussi s'accorder avec le naturalisme le plus résolu. A un point de vue plus profond, mais également a celui de la seule considération des formes, il est toutefois inexact, quant il

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