Die Eroberung Anatoliens durch das aus der Gegend vom Aralsee kommende Nomadenvolk der Seldschuken beginnt mit derberühm- ten Schlacht von Mantzikert am Vansee 1071. Doch sollte das Reich der Rumseldschuken nicht von langer Dauer sein. Die Eroberung Bagdads 1258 durch den Mongolen Hulagu leitete auch den Niedergang des Sultanats von Rum ein, trotzdem war ihm eine seltene Höhe kulturellen und künstlerischen Lebens beschieden. Auf rund 50 Jahre, namlich auf die erste Halfte des 13. Jahrhunderts, konzentriert sich die Blütezeit der Künste, in der die zahlreichen Moscheen, Universitaten (Medresen), Karawansereien entstehen und am Hofe zu Konya, der I.andeshaupt- stadt, unter der Regierung von Sultan Ala eddin Kaikobad den Künsten gehuldigt wird wie sonst nur am sizilianischen Hofe Friedrichs II. In diese Epoche fallt die Geburtsstunde der eigentlichen türkischen Kunst, die durch das osmanische Reich zu ihrem strahlenden Höhepunkt weitergeführt werden sollte. Durch die rumseldschukischen Bau- meister und Bildhauer wird der islamischen Kunst eine eigene Aus- pragung verliehen, die sie aus den grossen Schöpfungen der islamischen Lander als etwas Einmaliges und Eigenstandiges heraushebt. Impulse werden in sie hineingetragen, die ihr im allgemeinen fremd sind. Man möchte sagen, dass sich innerhalb der islamischen Kunst in Anatolien ein »Lokalstil« ausbildet - ein Phanomen, das sich in verschiedensten Jahrhunderten und Kuituren in diesem Land immer wieder beobachten lasst. Nennen wir wenige konkrete Beispieledas mongolische Steppen- volk bringt einerseits innerasiatisches Formengut als Erbe mit, stösst auf seinem Siegeszug auf die Kunst der Abassiden in Persien und Syrien, auf die armenische Kunst in Ostanatolien und gründet seine Hauptstadt im byzantinischen Ikonium, demheutigen Konya. Ausdieser Verschmelzung 9) The monumental portal of Karatay-Han. Stalactite niches in a rectangular frame, star orr cn; and arabesque patterns belong to the compositional elements of Seljuk portals. 10) One of the numerous lions' heads that project from the plain walls of the caravanserais, i 2 11) A seated ruler from the town wall of Konia. 12) This double-headed griffin, heraldic emblem of the Seljuks, adorns the mosque of Divr 9) Das monumentale Prunktor von Karatay-Han. Stalaktitennische in viereckiger Rating Sternornamentik, Arabeskenmotive gehören zum Kompositionsschema der seldschukischenore. 10) Einer der vielen Löwenköpfe, die aus schmucklosen Wanden der Karawansereien ra 11) Der »Thronende Fürst« von der Stadtmauer in Konya. 12) Der doppelköpfige Greif, Wappentier der Seldschuken, schmücktdie Moschee von I-.-igj 9) Le portail monumental du Karataï-Han, avec les motifs seldjoukides des niches a stakes encadrement quadrangulaire, des ornements stellaires et des arabesques. 10) L'une des nombreuses têtes de lion décorant les murs nus des caravansérails. 11) Le «Souverain sur son tröne» du mur d'enceinte de Konya. 12) Griffon a deux têtes, emblème des Seldjoukides, ornant la mosquée de Divrik. verschiedener Einflüsse sollten der islamischen Kunst ungewöhrchr Kunstformen zuwachsen. Vor allem kommen die zahlreichen frerler Einflüsse im Dekor zur Geltung. Die islamische Religion verbietet die figürliche DarstellungDn Kunst der Seldschuken nun zeigt eine auffallende Figurenfreudigat die selbst an Sakralbauten auftritt. Man wird nicht fehlgehen, jet Erinnerungen an frühchristliche, byzantinische und innerasiat,:h. Bildquellen zu vermuten. Den reichen Motivenschatz der seldscki schen Kunst übersieht man am schönsten an den riesigen Prunkt en die Moscheen, Medresen und Karawansereien, die seldschuki&ei Hane, prachtig ausschmücken. Sie sind die Trager des gesamten Auec a - schmuckes. Allen Prunktoren, ob am Profan- oder Sakralbau, sinklii Stalaktitnischen in hohen Rechteckrahmen, von Saulen flankiert, eett Eine ganze Skala abstrakter Ornamente überspinnt wie ein textiles 'es ineinanderverschlungenes Muster die PortalteileStern- und Rosner. motive, aus der Wellenranke gebildete Arabesken, Flecht- und ïia ornamentik. In strenger Vertikale und Horizontale sind diese Mtc: ausgerichtet, in der gleichen orthogonalen Beziehung zueinande. dn wir auch von der Schrift her kennen. In der ersten Halfte des 13. Jahrhunderts sind diese Ornamente tchir in den Stein geschnitten. Spater löst sich die reine Flachenmustéingnans auf in starkere Plastizitat und erreicht nahezu »barocke« Wirku'etv Beide Stile sind grossartig vereinigt an den Prunktoren der Ulu (nu I der grossen Moschee von Divrigi (1228), die von Ornamenten «limn schüttet scheinen. Wir begegnen den gleichen Motiven, aber die Srno 3 heben sich aus der Wand, die Spiralarabesken schlingen sich zu üpf en 1 Blattwerk ineinander. Verbindungsglieder zwischen abstrakter Ornamentik und tigiir he 1 Darstellung sind die »Brezeldrachen« mit reich detaillierten Köpfennt in strenger Bandornamentik endenden Körpern (hervorragendes lebj b spiel am Karatay-Han). Katharina Otto-Dorn hat in ihnen Syr ol or magischer Abwehr gesehen, ebenso im Motiv der doppelköpgei. Greifen, dem Wappentier der Seldschuken. Zwischen dem strengimi mdii

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