VOLKSKUNST IN DER SCHWEIZ [Fortsetzung von Seite ;57] zur Volksbelustigung oder um das alte brauchtümliche Bild festzuhalten. Uns stehen nicht mehr, wie weiland dem Volkskünstler, tiefe Quellen des Anreizes für eine phantasievolle Gestaltung zur Ver- fügung, und so kiime eine künstlerische Wiederbelebung der Volkskunst einer Absurditat gleich. Wenn auch die Volkskunst, wie sie hier dargestellt wird, verschwunden ist, wenn die metaphysische Begründung für die Herstellung von Gegenstanden nicht mehr gegeben ist, so haben wir dock weiterhin einen grossen Bedarf an Gegenstanden. Die gegenwartig in del Kunst des Designs zutage tretenden Tendenzen setzen den Gegenstanc wieder in Beziehung zu der Hand des Menschen, so wie die Kanne eins; sowohl von der Hand des Töpfers wie auch von derjenigen der Hausfrau die sie benützen sollte, gepragt war. DAVID LEVINE [Continued frontpage So6] the right joining of style and content. Which brings us back to the leitmotif of David Levine we know from The New York Review of Booksa fortunate synergism of events, cultural climate, journalism and the principal ingredient, unusual artistry. In the fruitful six years of Levine's virtually unerring portraiture, we are the happy beneficiaries of a graphic time mirror whose delineation spans a spectrun| of personages from illustrious to obscure, actions from heroic to ex-1 ecrable, and in this random cavalcade we have the multiple delight of) revelling in the beauty of the drawing and musing like Shakespeare's Hamlet'What a piece of work is man [Fortsetzung von Seite ;o7] anerkannter Maler in der humanistisch-realistischen Tradition und, wie wir ohne weiteres aus seinen Portraits und Gestalten ersehen können, ein aussergewöhnlich guter Zeichner. In der Spann- weite seiner Tradition ist Popes Maxime beheimatet, dass »das einzig wahre Studienobjekt der Menschheit der Mensch« ist, eine der unbe- quemen Wahrheiten, die in unserer Epoche der wuchernden Technolo gie ausgelöscht worden zu sein scheinen. Ohne die Kakophonie und die ermüdenden Tiraden, die viele Aspekte der sogenannten »Gegenkul- turen« und der revolutioneren Rhetorik« charakterisieren, hat Levine die wesentliche Tatsache aufgezeigt, dass Menschen Geschichte machen, dass die Geschichte den Menschen pragt und dass die dazugehörigen Freuden, Sorgen und Leidenschaften der Stoff sind, aus dem wir ge- macht sind. Levine sieht Menschen als Menschen, aber immer wie durch ein Vergrösserungsglas. Er sieht sie in ihren Vorzügen, Einbildungen, Entstellungen, Ranken, Ausschreitungen und ihrer Erhabenheit, alle in ihrer unbeschnittenen, dreidimensionalen Rolle, die sie auf der Dreh- bühne der Geschichte spielen. Ein Symbol, ja - aber Levines intensives Charakterstudium sieht das menschliche Wesen im grosseren Symbol. Hier steht er, hier steht sie - nackt in ihren Gefühlen, wie sie lieben, leben, atmen, vorausahnen, prahlen, intrigieren, beten und sterben, zwi- schen den kalten Buchstabenkolonnen fein gedrechselter Worte. Levine legt seine Persönlichkeit in ein Schaffen, das eine neue Dimension intel- lektueller Verfeinerung ausstrahlt. Das Endergebnis ist ein fein geschlif- fener Kristall, dessen Flachen den Menschen reflektieren, den Augen- blick und die Tat und seine pragende Einwirkung auf die Oberflache der Zeit. Levine, im Grunde ein bescheidener Mensch, macht uns sogleicb aufmerksam auf den Unterschied zwischen seinen asthetischen Pro-, blemen und denen der Künstler früherer Perioden. So sagt er etwa, dass er das reiche Geschenk der Überlieferung zu schatzen weiss, und seine Zeichnungen sind in gewissem Sinne eher reaktiv gegenüber einem klan umrissenen, gegebenen kritischen Thema als eine selbsterdachte Ant-j wort auf die Probleme der Zeit, wenn er sich auch eingehend damitj.: befasst. Seine Zeichentechnik, abgeleitet aus dem 18. und 19. Jahr-j hundert, ist überraschenderweise nicht aus dem Bedürfnis entstandeni" seinen Zeichnungen den künstlichen Anstrich dieser vergangeneni; Perioden zu verleihen. Levine zeichnet auf diese Art, um in der Repro-k duktion möglichst getreu die Qualitat der Originalzeichnung zu erhal-| ten. Es ist eine der paradoxen Gegebenheiten moderner Zeitungsdruck- technik, dass bei vielfach gesteigerter Geschwindigkeit und Auflagen- höhe gewisse Aspekte der Qualitat immer noch nicht viel besser sind| als zur Zeit früherer Generationen. Doch irgendwie scheint seine Zei-3 chentechnik genau die richtige Mischung von Stil und Inhalt zu ergeben.i Und das führt uns zurück zu dem Leitmotiv von David Levine, das wir i aus der New York Review of Books kennen - ein glückliches Zusam- menwirken von Ereignissen, kulturellem Klima, Journalismus und un- gewöhnlicher künstlerischer Begabung als Hauptbestandteil. In den.) A Type Face with the Spark Most people would agree that there are too many type faces, but it is doubtful whether there can ever be too many good type faces. Proof that a new type face can still rise above the crowd, can scintillate with wit and elegance, can even quicken the pulse, is furnishedif proof be neededby Avant Garde Gothic, designed by Herb Lubalin and Tom Carnase and inspiredas many of the very brightest ideas are inspired by practical need, in this case connected with the art directorship of a magazine. The outstanding features of this type face are the unusual 'x' height of its lower case and a striking choice of ligatures and character variants. The International Typeface Corporation of New York, in presenting this type face, invites typographic designers to submit their own new creations to its selection committee. Stanley Mason 57° Eine neue Schrift mit neuem Leben Die Fachleute sind sich darin einig, dass es zu viele Schriften gibt - wir aber bezweifeln sehr, dass es zu viele gute Schriften gibt. Man kannjii auch heute noch neue Schriften schaffen, die aus der grossen Menge her-s 1 vorstechen und gut, elegant und sogar geistreich sind. Den Beweisi dafür erbringt uns die Avant Garde Gothic von Herb Lubalin und; J Tom Carnase. Diese serifenlose Antiqua zeichnet sich durch verhaltnis-j massig hohe Mittellangen und eine überraschende Vielzahl von Liga-! turen und Varianten aus. Die Avant Garde Gothic entstand aus den; Anforderungen der Praxis und hat sich auch in der Praxis bewahrt. j Die International Typeface Corporation, New York, welche die neue Schrift prasentiert, ladt übrigens die Schriftzeichner in aller Welt ein, ihre neuen Schöpfungen einzusenden und eventuell verwerten zu lassen. Ir

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