\v* VVvjM II Aih 1 a! -V •<Phlf VA I ,,r t.n i t 1 13 f 1 ..p. 5 W Ail ff B a Die Mv erbung für Reiseziele mit photographischen Mitteln navigiert in gefahrlichem Fahrwasser: leicht verfallt der Skylla, dem Sog gestalterischer Selbstgefalligkeit, wer die Charybdis, die Klippe des Abgedroschenen, vermeiden will. Das Flugbild aus mittleren Höhen, das verfremdet und verdichtet, ohne dem abgebildeten Gegenstand Zwang anzutun, bietet sich an als idealer Ausweg aus diesem Dilemma ganz besonders einladend fur die Werbung einer Luftfahrtgesellschaft. Es ermöglicht eine visuell auf- regende Gratwanderung zwischen Information und Abstraktion. Und wenn ein Urteil in eigener Sache gestattet ist: das doppelte Echo auf die Flugbildplakate und ihr doppelter Nutzen deuten an, dass diese Gratwanderung gelungen ist: Auszeichnungen honorierten bei internationalen Wettbewerben den graphischen Pfiff der Plakate einerseits; anderseits interessieren sich viele Lehrer fiir deren Verwendung im erdkundlichen Unterricht. Lander oder Itrdteile, fiir die die Werbeabteilung ein Plakat vorsieht, sollen mit einem Flugbild weniger gezeigt als assoziativ beschworen werden; die optische Neu-Formulie- rung eines bekannten V ahrzeichens - eines mühelos identifizierbaren Denkmals etwa - erscheint uns als Notlösung. Für den Photographen bedeutet dieses Verfahren freilich, dass er auf Motivsuche gehen muss. Gelegentlich bringt das Studium von Raumbildern auf eine Fahrte: so entdeckte ich die Ballung von Bewasserungskarussellen in Nordost- Nebraska auf einer Skylab-Aufnahme; als Luftbild wiederholt, wurde sie die Vorlage für ein neues USA-Plakat. Auch die Betrachtung der Erde aus Jetflughöhe, aus dem Fenster von Kursflugzeugen, liefert Anregungen. Meist ist jedoch die Motivsuche soviel wie Suchflug in Charter-Flugzeugen. Urn die Kosten niedrig zu halten, verzichte ich auf die Annehmlichkeit von Hubschraubern und arbeite mit Vorliebe aus Cessna-Hochdeckern der Baumuster 150 bis 206. Ich lasse eine Tür des Flugzeugs am Boden zurück und lehne mich beim Flug hinaus. Das ist eine luftige, zugige Methode, aber sie gewahrleistet ohne aufwendige technische Vorkehrungen und komplizierte Flugmanöver den Bliek senk- recht nach unten. Nach vielen Jahren solcher Improvisation kann ich ein Lied davon singen, welche Überredungskünste es braucht, urn Piloten zur Reduktion ihres Flugge- rates auf dessen Skelett zu bewegen - und meine Versicherer kennen den Refrain: vom Winde verwehtein Gehause über der Sahara, ein Belichtungsmesser über dem Grossen Barrier-Riff, ein Weitwinkelobjektiv über dem Kap der Guten Hoffnung. Und so fort. Also: Finden mehr als Erfinden! Indes genügt mitunter der glücklichste Fund, ein graphisch rundum befriedigendes Bild aus dem anvisierten Bestimmungsland, noch nicht. Wir alle, ob wir je dort waren oder nicht, nahren zum Beispiel von Kalifornien eine Vorstellung, aber dem Kalifornien der Seele widerspricht vielleicht ein belegbar in Kali fornien gefundenes Motiv. So muss sich jeder Fund bei der Auswahl, die Teamarbeit ist, in einem schwer artikulierbaren Erwartungsfeld bewahren. Eine Erosionsstruktur, die ich in der mesopotamischen Tiefebene aufgespürt hatte, einem Tatzelwurm nicht unahn- lich, empfahl der Signalwert als Plakat-Sujet; sobald man sich aber über dem drachen- ahnlichen Gebilde die Angabe der Destination - Mittlerer Osten - gedruckt vorstellte, machte sich das an und für sich harmlose Bild zum Komplizen unterschwelliger Angste und wirkte bedrohlich - kaum der Sinn von Reisewerbung! Eine Plakatreihe wie die unsrige ist eine Art lebendiger Organismus, und man muss daher auch bereit sein, gele gentlich ein Glied zu opfern. Die Flugbilder, die mir vorschweben, sind Manifeste, Reiz- büder - was Wunder, wenn sie in einer sich wandelnden Zeit nicht stets zum Gleichen reizen. Das Flugbild der Stadtautobahnen von Los Angeles, Vorlage des ersten USA- I lakats, drückte einst nahtlos die Faszination für den American way of life und die Hoff nung auf die Erlösung von der Verkehrsmisere aus; heute, in einem von der Sorge urn die Umwelt neu akzentuierten Erwartungsfeld, suggeriert es eher den Stoff, aus dem die Alptraume sind. Das Plakat wird daher nicht mehr weitefverwendet. A book giving a wider view of Gerster's aerial photography has just been published by Atlantis, Zurich. On 306 pages (192 pages of illustration, 96 in colour) it shows ten years' work from fifty countries. German title: Der Mensch auf seiner Erde. French: La Terre de I'Homme. An English edition is planned. Editor Soeben 1st im Atlantis Verlag, Zürich, ein Buch erschienen mit weiteren Flugaufnahmen von Georg Gersten Der Mensch auf seiner Erde. Auf 306 Seiten ist seine zehnjiihrige Arbeit aus 30 Landern zu sehen (s. Buchbesprechung S. 399). Französische Ausgabe: La Terre del'Homme. Eine englische Version ist in Vorbereitung. Redaktion Un livre ouvrant des perspectives plus larges sur les photos aériennes de Gerster vient de paraitre aux Editions Atlantis de Zurich dans la collection Orbis Terrarum sous le titre de La Terre del'Homme - Vues Aériennes (voir le compte rendu en p. 399). On y trouve sur 306 pages des cliches réunis en 10 années de travail dans 50 pays. La Redaction SWISSAIR 358 C SWISSAIR 'X A ■rfX 5) SwitzerlandCross-country skiers at the annual ski ir; thon in the Engadine. This is the only shot shown here t are been taken from a helicopter. 6) IraqThe spiral minaret of the Great Mosque of Sa rn This circling ramp was an early Islamic echo of the Sun an Assyrian-Babylonian tradition of the sacred tower. Calif AX Mutawakkil (847-861) believed that he was imitating, fc.s spiral minaret, the Tower of Babel, which in reality was s trc. 7) SwitzerlandThe old town of Berne, a masterpiece c ne diaeval town-planning. 8) ItalyThe steps of the Piazza di Spagna in Rome. The fi er vendors under their sunshades at the bottom of the ste a e part of the traditional image of square and stairway. A e.v feature are the flower-children on the steps, who sell J de- made belts and buckles and bangles. 9) Japan: The building of a supertanker in Nagasaki.

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