Was wir sehen, ist nur, was wir zu sehen glauben. In einem konvexen oder konkaven Spiegel betrachtet, wird unsere Welt ihre eigene Travestie. Durch fliessendes Wasser beobachtete Körper werden zu Bruchstücken ihrer selbst. Was ist visuelle Wahrheit Franco Grignani begann schon in jungen Jahren danach zu suchen und ist seither von den Phanomenen und Tauschungen der Wahrnehmung fasziniert. Er lebt gewissermassen in einem Grenzland zwischen Kunst und Wissenschaft, aber ebenso in dem noch viel verwirrenderen Reich zwischen dem menschlichen Auge und den halberforschten Raumen des Gehirns. In seiner Jugend bekam er Kontakt mit F.T. Marinetti, dem Sprecher der italienischen Futuristen, und seine Beziehung zu dieser rein italieni- schen Bewegung ist noch zu spüren. Er forscht mit wissenschaftlichen 374 Methoden, geht systematisch vor und prasentiert seine Ergebnissei lie tadellosen Ausfiihrung des Perfektionisten. Doch Grignani ist m!r Ht ein Forscher, denn sein Auge ist immer das des Künstlers und Desheii «Ich hatte das grosse Glück, mich jahrelang mit Graphik-Design i be schaftigen», sagt er. «Visuelle Kommunikation erfordert die APicb tung auf konkrete Ziele. Deshalb konnte ich meine Analyseprir.piet auch so gut anwenden.» Dieses Studium visueller Muster führte ihn bald in den komjzier ten Bereich der optischen Illusion: zweidimensionale Figuren nimei plastische Werte an (Abb. 5), statisches Design wird dynamisch (A 5) stereoskopische Schau erzeugt den unlogischen und irrationale) Ein druck (Abb. 4). Grignani hat Op Art produziert, noch ehe es den Initi

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