Lucían Bernhard Ludan Bernhard HISTORISCHES von Stephen Heller Das Plakat „Priester Streichhólzer" stellt ein Meisterwerk ¡n der Ceschichte des modernen Craphikdesigns dar. Die klare Cestaltung und die aufregende Farbgebung, die den Be- trachter zweifellos in ihren Bann ziehen, machen es mir un- móglich, an ein Streichholz zu denken, ohne dabei dieses Bild und den Ñamen Priester vor Augen zu haben, obwohl das Plakat vorfast neunzig Jahren entstanden ist. Selbstver- stándlich hat jede gute Werbung die Absicht, das Banale unvergessen zu machen und die gewóhnlichen Dinge des táglichen Lebens zum Mythos zu erheben. Bevor jedoch im Jahre 1906 das Plakat für Priester Streichhólzer auf den Reklamewánden in Berlín erschien, wurde ein Croíiteil der Werbung - insbesondere Plakate - mit vergleichsweise viel Text und reichen Verzierungen gestaltet. Diese überzeu- gende Schlichtheit war selten, und niemand kannte ihren achtzehnjáhrigen Schópfer, Lucían Bernhard, Sohn eines Arztes aus Stuttgart, der aufgebrochen war, um Ruhm und Erfolg ais Plakatkünstler in Berlín zu erlangen, und dem es sofort gelang, die Werbung zu prágen. i BERN HRRD Vielen sind Bernhards erste Arbei- ten aus Plakatbánden bekannt. Gewóhnlich sind die auffálligsten - jene, die durch graphische Schlichtheit und virtuose Farbge bung hervorstechen - von ihm geschaffen worden. Aber wer war dieser „BERN HARD", dessen zweizeilige Signatur an zwei Ña men denken liefi? Was brachte ihn dazu, Bilder anzufertigen, die sich so sehr von denen seiner Zeitgenossen unterschieden? Wer war dieser Mann, der anschlie- fiend in den Jahren 1906 bis 1920 in Deutschland ais produktiver Designer für Warenzeichen, Ver- packungen, Schriften, Textilien, Móbel und Inneneinrichtungen arbeitete? Spáter entwarf er in seinem Atelier in New York einige der bekanntesten amerikanischen Warenzeichen und mehr ais 36 weit verbreitete Schriftarten. Bernhards frühe Jahre liegen im dunkeln - ein Geheimnis, das laut jenen, die ihm nahestanden, von ihm selbst erfunden und auf- rechterhalten wurde. Selbst sein Sohn Karl Bernhard raumt ein, dafi Lucían mit den Begebenhei- ten seines Lebens spielte, indem er je nach Zuhórern oder Stim- mung seine Geschichten in ver- schiedenen Fassungen aufschrieb oder erzáhlte. Bernhard war der Ansicht, dafi das, was er in seiner Jugend wirklich erlebt hatte, we- nig zur Beurteilung seiner Arbei- ten im Erwachsenenalter beitrug. Obwohl München das Zentrum der „radikaleren" deutschen Gra- phik war, beschloR Bernhard, nach Berlin zu gehen, wo die Wunder der industriellen Produk- tion und des Handels überall Priester Plakat, Lucían Bernhard, 1910 Plakat, Lucían Bernhard, 1906 by Steven Heller The Priester Match poster is a masterpiece ¡n the annals of modern graphic deslgn. With composition is so stark and colors so startling that it unquestionably grabs the viewer's eye, I can- not think of a match without conjuring up this image and the ñame Priester, even though the poster is almost ninety years oíd. And that, of course, is the aim of all good advertising to make memorable the unmemorable, to mythologize the com- monplace objects of daily Ufe. However, before 1906 when the Priester Match poster appeared on the Berlin poster hoardings, most advertising especially the posters were comparatively wordy and órnate. Such persuasive simplicity was rare and no one had heard of its 7 8 year oíd creator, Lucían Bernhard, a doctor's son from Stuttgart, who left home to seek fame and fortune as a poster artist in Berlin, and who succeeded in short order to influence a genre of advertising. BERN HRRD Many know Bemhard's early work from poster books. Usually the most striking those that excel in terms of their graphic simplicity and color virtuosity are his. But who was this BERN HARD, who's two level signatnre reads as two ñames. What influenced him to make imagery that was so distinct from his con- temporaries? Who is this man who later becatne prolific trademark, package, alphabet, textile, fumiture and interior designer in Germany from 1906 to 1920. Later working from his stndio in New York City he developed some ofthe most Plakat ¡ournal 4/94

Plakat Journal de | 1994 | | page 16