r r c: r r 5. 6. r f 31 c e geschaffene der allgemeinheit zuganglich gemocht werden könnte. der verwirklichte traum wird auf eis gelegt und lagert so lange, bis er sich in seiner isolierung verflüchtigt. es ist ungemein schwierig, für eine realisierung dieser plane zu kampfen, wenn für das ergebnis gröfttenteils aus unkenntnis kein publikum mitkampfen kann. man muft diesem punkt besondere aufmerksamkeit schenken: das publikum wird heute durch einen breiten und rasch funktionierenden nachrichtendienst mit allen möglichen mitteilungen, darunter auch mit kunstnachrichten bom- bardiert. die tugenden dieses dienstes sind allumfassendes interesse und schnelligkeit, seine fehler: rekordlüstern- jpc heit und schreiende oberflachlichkeit. ohne interesse für das sich entwickelnde, flieftende, stopft er sein publikum 1 -f mit sensationen. das geht soweit, daft die sensationen, wenn sie nicht vorhanden sind, frei erfunden oder bewuftt inszeniert werden, das publikum, auf grund einer mechanisierten erziehung ohne eigene anschauungen, gerat so ins fahrwasser der tageszeitungen, magazine und revuen. die leidenschaftliche anteilnahme, der wunsch nach Or wallfahrt zu den produzierenden kraften, wird beim zeitungsleser zu »interesse« umgewandelt, und diese künstlich j 0 erzeugten interessen führen von den eigentlichen erlebnisquellen weg, weil sie eine scheinaktivitat erzeugen, die das beruhigende gefühl der geistigen beschaftigung vortauscht. die auswirkung ist das vernachlassigen jeglichen kontaktes mit den schöpferischen kraften und werken, da sie durch billige interpretation scheinbar überflüssig geworden sind. und doch trotz alien widerstanden und wenn auch stadtleben, buchdruck, fotografie, film, rasche und unkontrollierte ausbreitung der zivilisation unsere farbenkultur zu einem grauzustand nivellieren, dem zu entrinnen für die meisten zeitgenossen nur mit grofter anstrengung möglich sein wird, müssen wir wieder zu einer kultur der farbe zurück- fr I--<• gelangen, die wir schon einmal besessen haben. wir müssen die farbige, materialbedingte optische arbeit im gegen- satz zum überschwang des schwer kontrollierbaren, gefühlsmaftigen, mehr konstruktiv ausbauen. f einer solchen gesundung stehen viele hindernisse im wege. vor allem die völlige dissonanz zwischen dem menschen und seinen technischen schöpfungen, das festhalten an alten wirtschaftsformen bei veranderten produktionsverhalt- nissen, die ausbreitung einer antibiologischen geistigkeit, die das leben des arbeitnehmers wie des arbeitgebers zu einer muftelosen hetze stempelt, der mensch steigert die produktionskapazitat, und in der bewunderung der rekord- ziffern entgleitet ihm immer mehr die fahigkeit, seine elementaren biologischen bedürfnisse zu erkennen, obwohl er sie mit kluger zuhilfenahme seiner neuen technik besser befriedigen könnte als ie. 7. es ware primitiv, die ursachen in einzelheiten suchen zu wollen, der vater dieses zustandes ist der rasch entwickelte und durch den kapitalismus auf irrwege geleitete industrialismus, dessen ietzige form zu erhalten nur die herrschende klasse interessiert ist. so ist es klar, daft ieder versuch zu einem planwirtschaftlichen, sozialistischen umbau dieser nicht gemeisterten, technifizierten welt, ja sogar jede aufklarung dem bewuftten oder instinktiven widerstand der 0^-» herrschenden schicht begegnet. so wird auch iede schöpferische leistung, iedes kunstwerk, das eine übereinstimmung a mit einer neuen gesellschaftsordnung und ein gleichgewicht zwischen dem menschlichen dasein und der technischen welt anstrebt, kategorisch abgelehnt. die verhaltnismaftig geringe auswirkung neuer künstlerischer versuche liegt *"T somit Qn dem herrschenden system, dessen unterirdische verflechtungen auch die kreise erfassen, in denen im grunde seine natürlichen gegner zu suchen waren. 8. auf widerspruchsvollen umwegen, durch taktische atomisierung der aufgaben treten die verkünder dieser versuche nun an das falschorientierte publikum heran. dabei können wir zwei wege gleich zwei temperamenten •F f beobachten. das eine versucht seine schöpferischen krafte an den tagesproblemen, an dem tatsachenbestand, der sich auf über- 0Ti-+ lieferungen stützt und der in seiner existenz von keinem der zeitgenossen bis dahin in zweifel gezogen worden ist. wir halten diese arbeit für das evolutionare fortsetzungswerk unserer kultur. der zweite weg zieht für den schöpferischen ausdruck alles keimende, zukünftige, unerprobte heran, urn die neuen zusammenhange mit revolutionarem sprung zu erobern. 0r-<l obwohl diese gegenüberstellung keinen wertmesser bedeutet, kann man sagen, daft die gesamtentwicklung der kultur T von der tiefenwirkung der revolutionaren ideen abhangt, ja selbst die tagesprobleme werden von ihnen beeinfluftt. da a'3er iedem von uns nur eine beschrankte wirkungszeit zur verfügung steht, müssen wir uns oft zu dem schrittweisen evolutionaren weg entschlieften, urn wenigstens einen bruchteil der erkenntnisse weiterzugeben. 9. wenn also heute noch unsere optischen gestaltungswünsche nicht auf dem wege maximaler technischer ausnützung (lichtarchitektur) verwirklicht werden können, dann müssen wir eben die form des tafelbildes noch beibehalten. daft ich dabei persönlich auch noch die frage der künstlichen materialien, wie galalit, trolit, aluminium, zellon usw. behandle, daft ich diese als grund meiner bilder benutze, hangt damit zusammen, daft man diese materialien auch durch künstlerische problemstellung der allgemeinen verwendung zuführen muft. t 117

Telehor cs | 1936 | | page 121